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Kategorie: Dies & Das
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| 23. Dezember 2009 |
| Kategorie: Dies & Das |
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Weihnachten Stefan Andres*
»Es läutet zuhauf«, sagte Vater, und wir
lauschten. Alle Glocken im Turm waren dabei, sie sangen immer
dasselbe, sangen es auf einen Ton und klangen zusammen, tief und
hoch, ganz unten, ganz oben. Sie erzählten eine große
Freude — eine große — eine Freude — immer
dasselbe — und Ehre sei Gott — und Friede
— und Freude — eine große Freude! Heilige
Nacht! Die Glocken lallten, sie konnten nicht reden, aber singen,
das konnten sie — immer dasselbe — eine
große Freude! Der Vater hatte das Fenster geöffnet.
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| 26. Mai 2009 |
| Kategorie: Dies & Das |
Der Simulant Dass es nicht nur bei jungen Leuten Simulanten gibt, etwa wenn sie Angst vor einer Prüfung haben, soll nachstehende Geschichte beweisen. Ich bin Gutsverwalter. Auf meinen Reviergängen begleiten mich stets zwei Schäferhunde, Cäsar und Mäcky. Einmal musste Cäsar im Zwinger bleiben, weil er auf dem linken Hinterlauf hinkte. Nur ungern kam Mäcky meiner Aufforderung nach, mir zu folgen. Beide Hunde sind von Jugend auf aneinander gewöhnt und begleiten mich stets gemeinsam. Als wir losgingen, stieß Cäsar im Zwinger ein Klagegeheul aus. Mäcky trottete missmutig neben mir her. Er wollte bei seinem kranken Freund bleiben und ließe sich auch etwas einfallen, um dies zu erreichen. Er begann zu hinken wie Mäcky. Als ich ihn ermahnte, solche Scherze zu unterlassen, sah er mich ganz unschuldig an, hinkte aber trotzdem weiter. Erst als ich ihn ganz ernst und streng zurechtwies und ihm befahl: »Lauf!«, kam er meinem Kommando nach. Nun lief er schweifwedelnd und gesund weiter. Er hatte wohl eingesehen, dass er mit diesem Trick bei mir nicht landen konnte. | Die wahre Geschichte wurde leicht gekürzt. Autor: Kurt Kunkal Quelle: Erlebnisse mit Tieren. Liga gegen Tierquälerei und Mißbrauch der Tierversuche, Wien, o. J. | | |
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| 05. Februar 2009 |
| Kategorien: Dies & Das | Besinnliches |
Aphorismensammlung zum Thema »Fehler« | Kleine Fehler geben wir gern zu, um den Eindruck zu erwecken, wir hätten keine großen. Francois de La Rochefoucauld | Es ist von großem Vorteil, die Fehler, aus denen man lernen kann, recht frühzeitig zu machen. Winston Churchill | Viele Leute glauben, wenn sie einen Fehler erst eingestanden haben, brauchen sie ihn nicht mehr abzulegen. Marie von Ebner-Eschenbach | Verlaß dich nicht auf andere. Mach deine eigenen Fehler. Manfred Hinrich | Man fällt nicht über seine Fehler. Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnützen. Kurt Tucholsky | Am auffälligsten unterscheiden sich die Leute darin, daß die Törichten immer wieder dieselben Fehler machen, die Gescheiten immer wieder neue. Manfred Hinrich | Fehler zu machen, ist menschlich. Fehler zu wiederholen, ist schmerzlich. Dieselben Fehler immer wieder zu machen, ist dämlich. Sinan Gönül | Der schlimmste aller Fehler ist, sich keines solchen bewußt zu sein. Thomas Carlyle | Am lautesten singen immer die, die falsch singen. Franz Grillparzer | | |
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| 06. Oktober 2008 |
| Kategorien: Gesundheit und Fitness | Dies & Das |
 foto: pixelio | Der Mensch kann verdursten, wenn nicht für ständige Flüssigkeitszufuhr gesorgt ist. Wir nehmen täglich etwa 2 bis 3 Liter Flüssigkeit auf, teils durch die Nahrung, teils durch Flüssigkeiten. Wird dieser Wert dauerhaft unterschritten, so entwickeln sich Symptome der Unterhydrierung mit verschiedenen Krankheitssymptomen. Zuwenig zu trinken ist schädlich, niemand wird dies bestreiten. Seit die Wichtigkeit ausreichender Trinkmengen in der Öffentlichkeit diskutiert wird, angeleiert durch die Getränkeindustrie, läuft alle Welt mit Wasserflaschen durch die Gegend. Nüchtern denkenden Zeitgenossen war nie so recht klar, weshalb der Mensch auf einmal stets die Wasseruhr im Bauch ablesen sollte, damit er nur ja gesund oder am Leben bleibe. Zwanghaftes Trinken gegen das Durstgefühl? Igitt. Man kann nämlich auch an einem Zuviel an Wasser krank werden und gar sterben, wie Wissenschaftler herausgefunden haben. Ab etwa 6 Liter täglich über einen längeren Zeitraum wird es kritisch. Der Körper wird zu sehr ausgespült, und mit der Flüssigkeit verlassen wichtige Nährstoffe und Spurenelemente Zellen und Blutbahn. Mit Ausnahme von alten oder kranken Menschen, bei denen die Körpersignale gestört sind, gilt als einziger Regulator für das Trinken der Durst. Das dauernde Trinken im Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen an allen möglichen und unmöglichen Orten ist eine Manie, die hoffentlich auch einmal ihr Ende finden wird. Weiterlesen» |  foto: pixelio | Erinnern Sie sich an das Editorial in Info 58 des Stolz Verlags (1. Halbjahr 2008)? Peter Stolz erlaubte sich ein kritisches Wort zur getränkeindustriesubventionierten Mode des »Trinkens im Unterricht« und erntete neben zwei giftigen Bemerkungen eine Woge begeisterter Zustimmung. Hier sei noch einmal dieser Beitrag abgedruckt. Trinken im Unterricht ist eine seltsame Mode. Seit einigen Jahren wird uns von allen Seiten eingehämmert, dass wir jederzeit und überall trinken müssen, sonst seien wir, wenn schon nicht dem Verdurstungstod preisgegeben, so doch von entsetzlich peinlicher Verblödung bedroht. Die Trinkoffensive einschlägiger Wirtschaftsbranchen wird tatkräftig durch unsere zuständigen Ministerien unterstützt. Wahrscheinlich wird den tapferen Mitarbeitern eine kostenlose und lebenslange Mineralwasserversorgung versprochen. Es sei ihnen gegönnt. Fakt aber ist, dass ständiges Trinken nicht nur unnötig, sondern für Kreislauf und Nieren belastend und unter Umständen schädlich sein kann. Für den Körper ist es strapaziös, ständig übergroße Flüssigkeitsmengen verarbeiten zu müssen. Echter Durst ist immer noch das durch den lieben Gott eingerichtete Signal, nach dem wir uns richten können, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Wer viel salzige und trockene Kost zu sich nimmt, wird auch mehr Durst spüren und freiwillig trinken. Wer sich von ausreichend Obst und Gemüse ernährt, wird kaum auch nur annähernd soviel Durst haben, dass er zusätzlich zwei bis drei Liter Flüssigkeit täglich trinken muss. Wer sich auf die wohlfeile Trinkmanie überall und zu jeder Zeit im Unterricht einlässt, dem wünschen wir viel Freude an kippenden Bechern und auslaufenden Flaschen. Man muss sich wirklich fragen, wie unsere Vorfahren überlebt haben. Vielleicht ist es der schiere Zufall, dass wir heute noch am Leben sind. Prost allerseits wünscht Ihnen allen Peter Stolz | | |
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| 08. April 2008 |
| Kategorie: Dies & Das |
 foto: pixelio
Kopfschmerz? Oft erster Hinweis auf eine Erkrankung
Krankheit gilt nach unserem modernen Verständnis als etwas Furchtbares. Ein Feind, der bekämpft wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Nicht nur vertreiben wollen wir ihn, sondern vernichten. Die Krankheit, betrachtet als »wildgewordenes Geschehen« im Körper, hat ja nun auch etwas Verstörendes. Etwas, das es ganz und gar zu vermeiden gilt, weil es nicht normal ist, uns nicht richtig erscheint. Krankheiten aber entstehen nicht aus dem Nichts, sie sind eine Antwort des Körpers auf bestimmte innere Entwicklungen und Einwirkungen von außen. Betrachten wir das Leben und somit alles Geschehen in unserem Körper ganzheitlich, so stellen sich uns völlig neue Fragen. Ärzte machen die Erfahrung, dass nicht jede Krankheit dem Organismus einseitig nur schadet, daraus könnte man schließen, dass nicht jede Krankheit auf Teufel heraus mit Antibiotika oder Impfungen schon im Ansatz unterdrückt werden sollte. Es wäre denkbar, dass durch die Unterdrückung der Symptome – die ja auch Heilungssymptome sein können – eine Verlagerung des Krankheitsgeschehens auf andere Organe stattfindet, eventuell unbemerkt und mit Folgen, die sich erst in ferner Zukunft zeigen. Was wissen wir schon so Genaues über all die Zusammenhänge? Auffällig sind die heute immer häufiger diagnostizierten chronischen Erkrankungen, deren Ursachen sich die Schulmedizin nicht erklären kann. Könnte hier ein Zusammenhang mit der medizinischen Überfürsorglichkeit bestehen? Haben Kinderkrankheiten eventuell doch einen tieferen Sinn? Mit dieser Aussage soll kein fatalistisches oder gar menschenfeindliches Denken seinen Ausdruck finden. Niemand wünscht sich krank zu sein. Niemand wird tatenlos zusehen, wenn ein Mitmensch leidet oder gar in Lebensgefahr schwebt. Dennoch gibt es nie nur eine einzige Sichtweise. Alles will, wenn wir intellektuell redlich sein wollen, von mehreren Seiten beleuchtet werden. Ein allzu leichtfertiger und einseitigen »Kampf gegen Krankheiten« könnte uns blind machen für eventuelle negative Folgen. Die derzeitige »Masernepidemie« in Salzburg ist ein anschauliches Beispiel für die Tatsache, wie sich eine der Realität völlig unangemessene Panik unter Eltern ausbreitet, da die Behörden die Situation dramatisieren. Diese Vorgänge belegen, wie sehr wir bereits den Kontakt mit der Natur verloren haben. Verena Katerle | | | | | | Masern sind eine harmlose Kinderkrankheit Die Krankheit Kinder machen Masern in aller Regel ohne Komplikationen durch. Heute wird allerdings von Medizinerseite die Krankheit mit den Komplikationen verwechselt und deshalb werden Angst und Schrecken unter den Eltern verbreitet. Kinderkrankheiten wie Masern sollte man homöopathisch begleiten lassen, so lassen sich Komplikationen weitgehend ausschliessen. Während der Krankheit darf unter keinen Umständen das Fieber gesenkt werden. In Ghana ging die Sterblichkeit nach Masern ganz zurück, nachdem einzig und allein auf fiebersenkende Mittel verzichtet wurde. (Witsenburg, Masernsterblichkeit und Therapie, Der Merkurstab, Stuttgart 1975). Kinder mit durchgemachten Masern werden selbständiger, Stottern und Bettnässen können verschwinden, und allergische Krankheiten ausheilen (Kummer, Merkurstab, 1992, 3:180-189). Chronische Krankheiten klingen oftmals nach der Krankheit ganz ab, wie z.B. Schuppenflechte. Noch in den sechziger Jahren wurden Kinder mit dem nephrotischen Syndrom in Basel in der Kinderklinik bewusst mit Masern angesteckt, weil danach die Krankheit geheilt war (Chakravati V., Annals of Tropical Paediatrics, 1986, 6:293-294). Multiple Sklerose ist bei Menschen, die Masern durchgemacht haben, viel niedriger (Kesselring, Schweiz. Med. Wochenschrift 1990). Die Impfung Eine SSPE (subklinische sklerosierende Panenzephalitis = Zerstörung des Gehirns) kann als Folge der Masernerkrankung aber auch als Folge der Masernimpfung auftreten (Jabbour J T., J Am Med Ass 1972, 220:959-962). Bei einer SSPE ist bekannt, dass vor allem Kinder gefährdet sind, die Masern mit anderen Viruserkrankungen zusammen haben. Dies kommt allerdings in der Natur so gut wie nie vor. Bei einer Impfung jedoch werden dem Organismus mindestes drei verschiedene Virenarten gleichzeitig verabreicht: Masern, Mumps und Röteln. Und bei einer Morbus-Crohn-Erkrankung ist erwiesen, dass Säuglinge, die in den ersten Lebenswochen Kontakt mit dem Masernvirus hatten, im späteren Leben einem erhöhten Risiko unterliegen, an Morbus Crohn zu erkranken. In England, USA und Australien werden Zusammenhänge zwischen Autismus, Morbus Crohn und Masernimpfung untersucht. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von AEGIS, Schweiz. (http://www.aegis.ch/neu/masern.html) |
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| 08. Februar 2008 |
| Kategorie: Dies & Das |
Joseph Weizenbaum, Informatiker sowie Wissenschafts- und Gesellschaftskritiker, hatte im Jahr 1966 ein Computerprogramm namens Eliza entwickelt, eine Art »Kommunikationsprogramm zwischen Maschine und Mensch«. Was der Forscher zu Demonstrationszwecken programmiert hatte, wurde von einigen Menschen für bare Münze genommen: ein Computer, mit dem man sich ernsthaft unterhalten kann. »Eliza versteht mich«, raunten diejenigen einander zu, die mit der automatischen Pseudo-Psychiaterin Eliza Kontakt aufnahmen. Eine Maschine, die denkt und fühlt? Weizenbaum sagt: »Eliza ist als Programm incredibly simple, wirklich, hat aber im Herzen einen Punkt getroffen, das macht es ein bisschen kompliziert, nicht der einfache Code. Eliza wurde missverstanden, das aber ist ein Fehler, der genau in unsere Zeit passt.«
Tut mir leid, dass Sie oft depressiv sind Ein typisches »Gespräch« mit Eliza lief in etwa so ab: »Mein Freund hat mich hergeschickt.« »Ach so, Ihr Freund hat Sie hergeschickt.« »Er sagt, ich sei oft depressiv.« »Tut mir leid zu hören, dass Sie oft depressiv sind.« »Es ist wahr, ich bin unglücklich.« »Hilft es Ihnen, hierher zu kommen, um nicht mehr unglücklich zu sein?«

An diesem Punkt entlockte das Computerprogramm dem sich verstanden fühlenden Menschen intime Geständnisse. Das ist im Grunde ein einfaches Rezept. Man nehme die Eingabe, suche nach wichtigen Begriffen und treibe mit dem Echo solcher Sätze das Gespräch voran. Schaut man sich die Struktur der therapeutischen Gesprächstechnik an, so fällt auf, dass sie wie eine Art Echo funktioniert. Eliza eroberte Amerika Das ganze ist eine Projektion. Je mehr Zuwendung jemand braucht, um so stärker ist er bereit, diese Fähigkeit auf sein Gegenüber zu projizieren, auch wenn dieses bloß eine Maschine ist. Entsprechend war die Resonanz auf das Experiment enorm. Überall in den USA tauchten an den Universitäten Kopien davon auf. »Eliza war wirklich in aller Munde. Aber was mich überraschte, waren ganz spezifische Reaktionen. Ich beobachtete, welch enge Beziehung die menschlichen Gesprächsteilnehmer aufnahmen, und zwar in kürzester Zeit. Das äußerte sich so, dass sie darüber sprachen wie über einen Menschen und ihm menschliche Eigenschaften zuschrieben. Am extremsten erlebte ich es bei meiner Sekretärin. Als ich einmal ihr Zimmer betrat, war sie mitten im »Gespräch« mit »Doctor«. Es war ihr sichtlich unangenehm, dass ich ihre Sitzung störte, und bereits nach kurzer Zeit forderte sie mich auf, sie doch eine Weile allein zu lassen«, wunderte sich noch Jahrzehnte später Weizenbaum. Allem kann der Mensch widerstehen, nur ... Die Erfahrungen mit Eliza führten Weizenbaum zu Überlegungen, warum Menschen dem Computer eigentlich so vorbehaltlos vertrauten. Er wandelte sich vom Forscher für Künstliche Intelligenz zum Kritiker einer übertriebenen Computergläubigkeit. Seine These lautet, dass die Menschen, auch wenn sie einst den Computern Intelligenz zubilligen sollten, niemals zulassen dürften, dass Computer für sie Entscheidungen fällen. Er drückte dies wörtlich so aus: »Eine Gesellschaft, die sich auf eine Technik einlässt, braucht eine starke innere Kraft, um von den Zielen nicht verführt, nicht zu gierig zu werden.« Dies jedoch dürfte ein vergeblicher Wunschtraum sein, was Weizenbaum wohl selbst zu ahnen scheint, sonst würde er nicht jenen Satz gesagt haben, mit dem wir diese Geschichte beschließen: »Allem kann der Mensch widerstehen, nur der Versuchung nicht ...« Karin Pfeiffer
Joseph Weizenbaum * 8. Januar 1923 in Berlin) ist ein deutsch-US-amerikanischer Informatiker sowie Wissenschafts- und Gesellschaftskritiker. Weizenbaum bezeichnet sich selbst als Dissidenten und Ketzer der Informatik
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| 21. September 2007 |
| Kategorien: Humor | Dies & Das |
Ein Lehrer gab seinen Schülern folgendes Aufsatzthema: In welcher Epoche möchtest du gern leben? Einer seiner Schüler schrieb den folgenden Aufsatz. Die Quelle dieses eindrucksvollen Dokuments ist am Textende aufgeführt. Ich möchte gern in der Steinzeit leben, damit ich mich rumprügeln kann. Nämlich damals ist viel gekämpft worden. Wenn du zu einem Stamm gehört hast und ein anderer hat zu einem anderen Stamm gehört und man ist sich auf der Straße begegnet, da hat man sich nur schnell ins Gesicht geguckt und gleich zugeschlagen.   Die Waffe jener Zeit war die Keule, und wer keine hatte, war ein toter Mann, weil ohne Keule konnte er sich nicht verteidigen. Wer keine Keule hatte, verteidigte sich mit Fußtritten, Faust, Kopfstößen, Spucken. Aber am Schluß ist er trotzdem gestorben. In der Steinzeit brachen immer Vulkane aus, die Erde bebte, die Tiere fraßen sich gegenseitig auf, auch wenn sie satt waren, und das Wetter war immer schlecht. In der Urzeit herrschte nie Frieden. In den Familien hat man immer gestritten, und alle waren dreckig. Sie haben sich nicht gewaschen. Sie haben sich nicht gekämmt. Sie haben sich nicht rasiert. Nicht mal die Frauen. Ein Kind war, gerade wenn es geboren war, schon ein Urmensch. Es gab keine Heizung, sie wußten nicht, was sie in ihrer Freizeit tun sollten, da haben sie die Wände vollgekritzelt. Wenn ein wildes Tier in die Höhle gekommen ist, haben sie es gleich verprügelt und es dann aufgegessen, auch wenn es wild war. Wenn es im Sommer heiß war, sind nachts gewisse riesige prähistorische Mücken ins Haus gekommen, dann konnte man nicht schlafen, und der Mensch fluchte. Mir gefällt die Steinzeit, weil sie viele Entdeckungen und Erfindungen gemacht haben. Man erfand das Rad ohne Speichen, die Keule, das Bronzezeitalter, den Pfahlbau auf dem Wasser, den primitiven Pflug, den abgehauenen Feuerstein. Der Mensch fing zu jener Zeit an, intelligent zu werden, aber er ähnelte noch sehr den Affen. Als sie dann aufhörten, den Affen zu ähneln, wurden sie Ägypter, aber das ist ein anderes Kapitel.
Und das ist der Aufsatz. _______________________________________________ Originaltext aus: In Afrika ist immer August. Sechzig Schulaufsätze neapolitanischer Kinder. Diogenes Verlag, Zürich 1993
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| 24. August 2007 |
| Kategorien: Humor | Dies & Das |
Oderberger Gymnasialgeschichten Oderberg, Mährisch-Schlesien 1932-1938 Wer könnte ihn vergessen, unseren Englischlehrer Professor Dr. Karl Pohl? Ich sehe ihn noch vor mir, meist sorgsam einen Schal um den Hals geschlungen, leicht hüstelnd, aber von gutgetarnter robuster Gesundheit. Englisch war für ihn mehr als ein Unterrichtsfach, es war fast eine Ersatzreligion. Und Mister McCallum von Radio Wien, der dort eine Englischsendung für Schüler betreute, war sein Prophet. Im Laufe der Zeit etablierte sich eine feste Bindung zwischen dem Englischlehrer der RAVAG*) und unserer Klasse. Die Korrespondenz florierte. Wiederholt wurden wir in den Sendungen aus Wien lobend erwähnt. Das war jedesmal ein Festtag für Professor Pohl. Als McCallum uns schließlich sein Foto mit Widmung schickte, bekam der Radiomann den Rang eines Idols. In jeder Englischstunde lächelte uns McCallum vom Katheder per Foto freundlich zu. Doch nicht von unserem Äther-Flirt mit dem englischen Radiodozenten soll hier die Rede sein, sondern von einem in der Geschichte des Englischunterrichtes wohl einmaligen Experiment. Ausgangspunkt war der sogenannte „but"-Laut, jenes dunkel eingefärbte phonetische Mittelding zwischen a und e, wie es im englischen Wort „but" ( = aber) vorkommt. Laut Pohl konnte man diesen Laut einwandfrei nur hervorbringen, wenn man ein Pferdekinn besaß. Da solche Kinnpartien in Mitteleuropa selten seien, meinte er, müsse man eben versuchen, wenigstens Annäherungswerte an diese anatomische Besonderheit vieler Engländer zu erreichen. Zu diesem Zweck erfand Professor Pohl eine wohlausgeklügelte Kinn-Gymnastik. Im Kern bestand sie darin, Kinn und Unterkiefer in kurzen Intervallen ruckartig, eigentlich fast schon krampfartig vorwärts und rückwärts zu bewegen. Ob sich Knochen, Sehnen und Muskeln durch so eine Übung wirklich verändern lassen, ist sicher mehr als zweifelhaft — Pohl glaubte daran. Und deshalb begann ab sofort jede Englischstunde bei uns mit fünf Minuten Kinn-Gymnastik — heute würde man sagen: eine Art Aerobic des Unterkiefers. Hingebungsvoll und völlig lautlos widmeten wir uns dieser Gymnastik. Oben auf dem Katheder betätigte sich Pohl ebenso lautlos als Vorturner der Kinnmuskulaturübungen. Allmählich war uns die Prozedur so vertraut, daß wir sie ganz mechanisch ausführten. Eines Morgens öffnete sich unvermutet die Tür des Klassenzimmers. Im Türrahmen stand Direktor Günzl. Wie immer in solchen Situationen blickten alle, der Professor eingeschlossen, in einem kollektiven Reflex zur Tür. Und niemandem fiel es ein, mit der Kinngymnastik aufzuhören. Direktor Günzl sah deshalb annähernd 30 Schüler und einen Lehrer, die ihm - in gespenstischer Lautlosigkeit - mit rhythmischem Schwung den Unterkiefer entgegenstreckten. Was damals im Geiste unseres Direktors vorgegangen sein mag, kann man nur ahnen. Vermutlich glaubte er, in eine Irrenanstalt geraten zu sein. Wortlos retirierte er vor der Phalanx der vorwärtsschnellenden Kinnbacken. Wenige Minuten später kam Schuldiener Peter mit der Nachricht, Professor Pohl möge sich doch bitte zum Herrn Direktor begeben. Den Inhalt des Gesprächs zwischen den Herren Günzl und Pohl haben wir nie erfahren. Danach war es aber aus mit der Kinn-Gymnastik. Eigentlich schade! Vielleicht hätte der eine oder andere von uns im Laufe der Zeit wirklich ein Pferdekinn bekommen? Ernst Swiderek
*) Abkürzung für Radio-Verkehrs-AG, die 1924 gegründete österreichische Rundfunkanstalt
aus: Unvergessene Schulzeit 1914 —1945 Erinnerungen von Schülern und Lehrern Band 3 aus Zeitgut-Bänden und Zeitgut-Archiv Zeitgut Verlag, Berlin 2007 Info und Bestellungen: www.zeitgut.com | |  Weitere Lebenserinnerungen aus dem vergangenen Jahrhundert, lebendig erzählt, zum Schmunzeln und Nachdenken, finden Sie in unserem Shop. Alle Geschichten der ZEITGUT-Reihe eignen sich in besonderem Maße auch für Kinder und Jugendliche — zum Vorlesen und Selbstlesen. ZEITGUT-Bücher sind ein schönes Geschenk für Großeltern oder Jubilare. | | | Pferdefotos: pixelio | |
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| 26. April 2007 |
| Kategorie: Dies & Das |
| „Wir normen den Massen den Haß gegen landschaftliche Schönheiten an“, schloß der Direktor, „doch zugleich auch die Liebe zum Freiluftsport. Dabei achten wir darauf, daß jeder Sport den Gebrauch komplizierter Geräte nötig macht. Sie benutzen also nicht nur die Verkehrsmittel, sondern auch die Fabrikerzeugnisse. Und darum diese elektrischen Schläge.“ „Ich verstehe“, sagte der Student und schwieg, von Bewunderung übermannt. Allgemeine Stille; der Direktor räusperte sich. „Vor langen Zeiten, als Ford der Herr noch auf Erden wandelte, lebte ein kleiner Knabe namens Ruben Rabinowitsch. Ruben war das Kind polnisch sprechender Eltern.“ Er unterbrach sich. „Sie wissen, doch, was Polnisch ist?“ „Eine tote Sprache.“ „Wie Deutsch oder Französisch“, ergänzte ein anderer, stolz auf sein Wissen. „Und Eltern?“ forschte der Bund. Unbehagliches Schweigen. Einige der Studenten erröteten. Sie hatten noch nicht gelernt, den bedeutsamen, aber oft kaum merklichen Unterschied zwischen Unflat und reiner Wissenschaft zu erkennen. Endlich fand einer den Mut, die Hand zu heben. „Die Menschen pflegten damals –“ er zögerte, das Blut stieg ihm in die Wangen, „– sie pflegten die Kinder auszutragen.“ „Sehr richtig“, nickte der Direktor beifällig. „Und wenn die Babys entkorkt wurden –“ „Geboren wurden“, verbesserte der Direktor. „– dann waren sie die Eltern. Nicht die Babys natürlich, die anderen meine ich.“ Der arme Kerl war ganz verwirrt. „Kurz gesagt“, faßte der Direktor zusammen, „Die Eltern waren der Vater und die Mutter.“ Diese unflätigen Begriffe, die in Wirklichkeit streng wissenschaftlich waren, fielen wie Donnerkeile in das allgemeine verlegene Schweigen. „Die Mutter“, wiederholte er laut und rieb ihnen nochmals die Wissenschaft unter die Nase. „Ich weiß“, bemerkte er ernst, in seinen Stuhl zurückgelehnt, „ich weiß, das sind peinliche Dinge. Aber die meisten geschichtlichen Tatsachen sind peinlich.“
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| 21. Dezember 2006 |
| Kategorien: Besinnliches | Dies & Das |
 | Liebes Christkind, ich weiß nicht, was ich mir wünschen soll. Ich habe ein Handy, einen Fernseher, einen Computer, viele Spiele, ganz viele Klamotten, einen Schlitten und Ski, ein Fahrrad, einen iPod und ... mein Zimmer ist vollgestopft mit lauter Sachen. Ich wünsche mir diesmal etwas ganz anderes. Ich weiß aber nicht so genau, wie ich das erklären soll. Also, ich versuche es jetzt einmal: Ich möchte auf etwas stolz sein können. Stolz sein auf etwas, das ich ganz alleine mache, ohne daß mir jemand dabei hilft. Zum Beispiel zu Fuß zur Schule gehen. Oder mit dem Fahrrad zur Edith fahren. Liebes Christkind, sag meiner Mama, sie soll das Auto in der Garage stehenlassen. Sie schimpft sowieso immer über den Stress, der durch die blöde Fahrerei entsteht, wie sie selber sagt. Und dann möchte ich gern einen Tag in der Woche frei haben. Das klingt komisch, nicht wahr? Weil meine Mama sagt, das ist „Freizeit". Ich möchte aber meine „Freizeit" selbst gestalten. Da soll sich niemand reinmischen. Ich glaube, ich bin alt genug, um zu bestimmen, was ich machen will. Bei uns im Flur klebt ein Stundenplan, wo draufsteht, daß ich am Montag Klavierunterricht, am Dienstag Bastelrunde, am Mittwoch Ballett, am Donnerstag Gymnastik, am Freitag Nachhilfe habe. Und am Wochenende muß die Familie gemeinsam was unternehmen, sagt Papa. Damit wir eine gute Familie sind. Also auch da ist nichts mit selbständiger Freizeit. Liebes Christkind, soll ich Dir verraten, wie ich mich fühle? Aber lach bitte nicht: wie ein Stück Holz! Ich werde täglich mehrmals ins Auto verfrachtet, festgeschnallt und in der Gegend rumgefahren. Meine Mutter sitzt am Steuer und schimpft auf die Autos, die ihr den Weg verstopfen und auf das Benzin, das immer teuerer wird und auf die vielen Termine. Und daß ich dankbar sein soll, weil sie für das zweite Auto arbeitet, mit dem sie mich jetzt herumfährt. Und weiters sagt sie, so gut wie mir ginge es keinem anderen Kind, und daß sie alles für mich tut. Weil ich wohl nicht dankbar genug bin, herrscht manchmal dicke Luft, und ich fühle mich mies. Es wäre mir lieber, Mama würde nicht alles für mich tun, sondern mehr für sich selbst. Dann hätte auch ich eine Chance, etwas für mich selbst zu tun. Verstehst Du das? Natürlich ist es bequem, gefahren zu werden, besonders wenn es kalt ist und regnet. Aber ich merke immer mehr, wie mich das runterzieht und alle in der Familie unzufrieden werden. Ich wünsche mir einen Zipfel eigenes Leben. Wenn Mama mich allein die Wege machen ließe, wäre das ja schon einmal ein Anfang. Ich hätte dann ein klein wenig das Gefühl, aus eigener Kraft etwas zu leisten und zur Gesellschaft der Großen zu gehören. Warum geht das eigentlich nicht? Das war doch früher nicht so, das weiß ich aus den Büchern, die ich gelesen habe. Jetzt weißt Du, liebes Christkind, was ich mir für diese Weihnachten wünsche. Wahrscheinlich kannst Du mit diesem Wunsch gar nichts anfangen, weil man ein solches Geschenk nicht verpacken und unter den Baum stellen kann. Maike S. | | |
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| 29. September 2006 |
| Kategorien: Gesundheit und Fitness | Dies & Das |
Nach "okay" ist "Coca-Cola" heute das bekannteste Wort der Erde. In über 200 Ländern wird die braune Brause getrunken. Beim Fall der Mauer wurde Coca-Cola kostehnlos verteilt. "Coca-Cola wird jeden Tag - überlall auf der Welt - von Millionen von Menschen getrunken", heißt es in der Werbung. Einer von ihnen ist der Richter Hans Josef Brinkmann. "Mach mal Pause - trink Coca-Cola" hat er jahrelang praktiziert. Ergebnis: Diabetes. In einer einzigen Dose des Getränks sind 12 Stück Würfelzucker enthalten. Laut Umfrage unterschätzen 90 Prozent der Bevölkerung den Zuckergehalt des koffeinhaltigen Muntermachers. Woher sollen sie es auch wissen, fehlt doch auf der Dose eine diesbezügliche Mengenangabe. Aber auch süßstoffhaltige Getränke richten Schaden im Körper an, vielleicht mehr noch als der Zucker. Colatrinken auf dem Schulhof? Feilhalten von Cola im Schulkiosk? Natürlich, Verbieten hilft nicht, im Gegenteil. Aber ein bißchen Aufklärung darf's schon sein! | | | |
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| 25. September 2006 |
| Kategorien: Dies & Das | Besinnliches |
Geduld ist eine Haltung und zugleich Handlung. Sie muss erworben werden und ist ein stetiger Akt der Selbstüberwindung, sagt Peter Heintel in seinem Buch „Innehalten" (Innehalten, Gegen die Beschleunigung - für eine andere Zeitkultur, Herder Verlag, Freiburg 1999) Geduld ist Selbstüberwindung. An Geduld fehlt es nicht nur Kindern, sondern auch uns Lehrern. Wir fühlen uns als Wissende und „wähnen uns schon an den Ort angelangt, wohin wir die Schüler, die Studenten hinbringen wollen. Wir treten also anscheinend auf der Stelle, während andere noch mühsam Hindernisse bewältigen müssen. Ihre Mühe werten wir oft als Widerstand, als gegen uns und unser Bestreben gerichteten Angriff. Oder wir legen als Begriffsstutzigkeit aus, was sich auf unfreiwilligen Umwegen plagt. Der schon Wissende versteht nicht mehr, wie schwer es ist, in seinen Bezirk zu kommen, für ihn ist alles so klar, so evident, so einsichtig. Seinen eigenen Weg hierher hat er vergessen und nimmt in ihm kein Maß für andere. Vielleicht will er ihnen auch eigene Plagen ersparen und den Königsweg legen. Weitergabe soll eben eine Gabe sein, der man ihr Zustandekommen, ihre Geschichte nicht mehr ansieht. Gabe erwartet Dank - eine Form davon ist schnelles Begreifen und Nachvollziehen. Der Weg zum Wissen ist aber verschlungen, und man lernt nie in Resultaten. Zusammengepackte Einzelportionen, die so als Ende dastehen, sind nicht genießbar, und stark ist die Verführung zur Zerstreuung." (Heintel ) Ohne Muße gibt es kein Nachdenken mehr. Die Frage nach dem Gut oder Böse, dem Richtig oder Falsch wird nicht mehr gestellt. Das könnte uns in Gefahr bringen. | | | Gottes Mühlen mahlen langsam, sagt man. Auch das Brotbacken brauchte Geduld. Wir haben das Wissen verloren, wie mühsam die Herstellung bestimmter Dinge sein kann. Dank Arbeitsteilung kostet uns das tägliche Brot heute kaum Schweiß. Doch das schulische Lernen ist nicht leichter geworden: Arbeitsteilung und Computer verhelfen nicht zu schnellerem Verstehen, im Gegenteil. Geduld ist gefragt. Das dürfen wir nicht vergessen. Verena Katerle |
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| 23. September 2006 |
| Kategorie: Dies & Das |

Wo viele Menschen zusammenkommen, entsteht Unruhe. Wo viele Bäume zusammenstehen, ergibt sich eine Einheit gelebter Ruhe. So besteht die einfachste Entspannungsmethode darin, sich gelegentlich von seinen Mitmenschen abzukehren und sich in die Ruhe des Waldes zurückzuziehen. Dorther, aus Wald und Flur, kommen wir ursprünglich. Daher sind die Eindrücke, die unsere Sinne dort empfangen, therapeutisch so wirkungsvoll. Wir emfpinden die Geräusche, die Düfte, die Farben, die wir in der Natur aufnehmen, immer als harmonisch und schön. Das Grün der Wiesen und Wälder, die herbstlichen Farben eines Laubwaldes, das Blau des Himmels, die Stille der Herbstluft, die Farbe der friedvollen Geborgenheit ... Nutzen Sie das Wochenende, um Frieden zu tanken!
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| 17. September 2006 |
| Kategorie: Dies & Das |

Sonntage haben so etwas Melancholisches an sich. Empfinden Sie das auch so? Das Wochenende ist vorüber, Montag wirft seine Schatten voraus. Zu meiner Zeit als Lehrerin habe ich die Sonntagnachmittage oft mit schlechtem Gewissen verbracht, denn da war noch was ... Dieses Was fühlte sich an wie ein Steinchen im Schuh. Je länger man damit herumspaziert, desto größer wird das Ding. Nimmt man sich endlich Zeit, den Schuh auszuziehen und nach dem Felsbrocken zu suchen, fällt kaum hörbar und meist unsichtbar ein winziges Objekt heraus. Woran sich Zehen reiben, ist vom Wesen her ein Zwerg. Eigenartig, wie einem so ein Nichts zu schaffen machen kann. Der Seele geht es wie dem Fuß: sie stößt sich an Staubkörnern. Am letzten Sonntag nahm ich an einem Volkslauf statt. Solche Veranstaltungen finden meist in Schulgebäuden statt, welche die dafür geeigneten Räumlichkeiten bieten: Klassenzimmer für Anmeldung und Computeranschluß, überdachte Gänge für die Cafeteria, Turnhalle mit Umkleideräumen und Duschen. Ich habe im Laufe der Jahre viele Schulbauten in ganz Deutschland und auch im Ausland kennengelernt. Dabei stellte ich nicht ohne Beklemmung fest, daß viele dieser Bauten eine marode Substanz haben und den Liebreiz von Gefängnissen besitzen. Beim jüngsten Lauf - dieser fand in einem kleinen Ort in Österreich statt - war ich überwältigt von der „menschgerechten" Ausstattung des Schulhauses. Ein Ort zum Wohlfühlen: hell, freundlich, mit Herz gebaut statt mit dem Sparbuch in der Hand. Ein Ort zum Wohlfühlen, das sollte die Schule sein. Wie viele Stunden des Lebens verbringt der Mensch dort! Der staatlichen Schulpflicht gemäß entkommt kaum jemand diesen grauen Gemäuern. An jenem Sonntag nach dem Wettkampf - es war ein Lauf rund um einen See - tat mir der Kopf weh. Mich hatte unterwegs eine Wespe in den Kopf gestochen. Der Schmerz im Kopf lenkte von den Schmerzen in den Beinen ab. Ich war froh, als ich mich unter die warme Dusche stellen konnte, und dort kam mir folgender Gedanke: Wenn ich früher an einer solchen Schule hätte unterrichten dürfen, wäre ich vielleicht sonntags ein bißchen weniger bedrückt gewesen. Ein bißchen weniger melancholisch. Es muß einmal gesagt werden: die meisten Schulbauten strahlen eine atmosphärische Geringschätzung der Gesellschaft für die eigenen Kinder aus. Und für deren Lehrer. Eine schöne Umgebung prägt positiv. Man darf sich von Herzen willkommen fühlen. Das macht froh. Frohe Menschen gehen anders miteinander um als unglückliche. Genau hier läge die Chance für ein wenig Freude, die sich sonntags zwischen all den grüblerischen Gedanken einnisten könnte: Ein gemütliches Schulhaus, nette Kollegen, und, das darf man nicht vergessen, friedfertige Schüler. Sage keiner, die Umgebung wirke sich nicht auf das Verhalten aus!! Das Wochenende neigt sich, der Montag wirft seine Schatten voraus, aber noch ist Sonntag ...
| | Karin Pfeiffer | | |
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| 16. September 2006 |
| Kategorie: Dies & Das |
Es war in einem strengen Winter. Ein Wolf hatte schon seit Tagen vom Hunger geplagt den Wald durchzogen und nach Nahrung gesucht. Jeder Bissen hätte ihn erfreuen können, selbst der Rest einer verwesenden Maus, so ausgehungert war er. Ein mageres Hündchen lief im unvorsichtigerweise über den Weg. Es bibberte vor Furcht und Kälte. "Du kommst mir wie gerufen", freute sich der Wolf und packte den ängstlichen Dreikäsehoch beim Fell. "Halt, lieber Wolf, nicht so unüberlegt, siehst du denn nicht, wie ausgezehrt ich bin? Du musst dich ja vor mir ekeln" "Quatsch keinen Unsinn, ich bin nicht wählerisch", knurrte der Wolf verärgert. "Du bringst dich um den besten Bissen deines Lebens!" kläffte das Hündchen. "Du müsstest mich erst einmal sehen, wenn ich mich morgen von den unzähligen Köstlichkeiten des Hochzeitsmahls gemästet habe. Morgen werde ich wohlgenährt sein und strotzen vor Fett. Denn dann heiratet die Tochter meines Herrn einen steinreichen Gutsbesitzer. Speisen gibt es dort, Speisen! Feinster Rehbraten, würziger Schinken, Kalbsnieren und Hammelkeulen, Rindsbraten und duftende Mettwürste!" Der pfiffige Köter machte dem Wolf den Mund wässrig mit einer endlosen Aufzählung auserwählter Leckereien. "Das wäre ein Essen für dich", schloss er seine Schilderung, "und nicht meine miese Figur von heute. Komm morgen nacht auf unseren Hof, dann will ich dir dienen. Aber sei leise, mein Herr hat gute Ohren." Der Wolf war ganz verrückt geworden von all den herrlichen Speisen, die der kleine Schlauberger ihm vorgesponnen hatte. Er ging auf den Vorschlag des Hündchens ein und ließ es laufen. In der folgenden Nacht schlich er behutsam auf den Hof, um ein Festmahl zu halten. Der kleine Hund lag auf einem Vordach und rief: "Willkommen, lieber Wolf! Ich freue mich, dass du meine Einladung angenommen hast. Warte einen Augenblick, ich will meinem Herrn sofort Bescheid geben, damit er kommt und dich festlich bewirtet." Und er bellte aus Leibeskräften. Sofort schlugen auch die Wachthunde an, und der Herr stürmte bald darauf aus dem Haus, um die Hunde loszulassen. Aber der Wolf war schon laut schimpfend geflüchtet. Aesop | | |
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