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Kategorie: Besinnliches

 
28. Februar 2010
Wie Gerüchte ein Eigenleben bekommen
Kategorien: Humor | Besinnliches


foto: pixelio
 

Der Fisch auf dem Fahrrad

Es war einmal ein alter Mann, der vom Fenster seiner Parterrewohnung aus die Leute in der Gasse narrte: »Am Neuen Tor fährt ein Lachs mit dem Fahrrad!« Und er schmunzelte nicht schlecht in seinen Bart, als die Leute davoneilten, den radelnden Lachs zu sehen. Als aber die Gasse schwarz war von Schwatzenden und Drängenden, da wurde ihm nachdenklich zumute, und er sah seinen Spazierstock an und ergriff ihn und sprach: »Vielleicht fährt doch ein Lachs draußen Rad — ?« Und schon stand er auf der Gasse.

In Anlehnung an Kurt Tucholsky

Anmerkung:
Wir schmunzeln über die Torheit des Mannes. Aber bei genauer Betrachtung vergeht uns das Schmunzeln wieder, denn genau so funktioniert die Meinungsbildung in unserer Zeit, und die Massenmedien spielen dabei die Hauptrolle. Was über einen gewissen Zeitraum hinweg immer wieder aus unterschiedlichen Quellen gehört und gelesen wird, gewinnt allein aus diesem nichtigen Grund alsbald an Glaubwürdigkeit. Die überwiegende Zahl von Meldungen entzieht sich der individuellen Nachprüfbarkeit. Ständige Wiederholung macht aus Unwahrheiten keine Wahrheiten — das ist unserem Verstand wohl klar. Dennoch durchlaufen sogar die seltsamsten und unsinnigsten Nachrichten eine Metamorphose, alsbald hält man Erfindungen für Fakten, und sogar Lügen erhalten unter Umständen die Weihen der allgemeinen Glaubwürdigkeit.
Lehrern und Eltern sei im Rahmen der verantwortungsvollen Erzieherstätigkeit geraten, Kinder und Jugendliche über diese psychologische Falle aufzuklären, um ihnen die Chance zu öffnen, sich zu selbständig denkenden Menschen zu entwickeln. Das übergeordnete Motto in der sogenannten Informationsgesellschaft laute stets: »Was jedermann für ausgemacht hält, verdient am meisten untersucht zu werden.« (Georg Christoph Lichtenberg)

Karin Pfeiffer

 
 
24. Februar 2010
Das schiefe Bild
Kategorie: Besinnliches

 

Wie Dinge einen verfolgen können

Meist fühle ich mich aus unerfindlichen Gründen gehetzt und eile durch die Pflichten des Tages. Gestern hängte ich ein Bild an die Wand, es befand sich danach nicht ganz im Lot. Ich sage zum Bild: Das ist mir jetzt wurscht! Dann gehe ich anderen Arbeiten nach. Doch das Bild steht wie ein bösartiges Phantom hinter mir und zwickt und zwackt mich: „Du, ich hänge schief!" Da kann ich hingehen, wo ich mag: ins Büro, in den Garten, aufs Klo. Das Phantom verfolgt mich überall hin. Es spricht: „Du, ich hänge schief! Schief! Schief!!!" Mir bricht der Schweiß aus, nervös zucken meine Fingerspitzen. Schließlich gehe ich widerstrebend an den Ort zurück, von dem die physisch spürbare Störung ausgeht. Ich betrachte das Bild giftig und rücke es dann zurecht.

So aber geschieht es mit allen Dingen. Der Eßlöffel, der nach dem Einräumen im Besteckfach auf dem Kopfe liegt, das Buch, das im Regal aus der Reihe der anderen Bücher herausragt. Das Schreibheft mit dem Eselsohr, der leergeschriebene Füller, die unordentlich übereinander abgelegten Schriftstücke, die Fransen, die unter den Teppichkörper geraten sind, die Schuhe, die sich als Paar verkracht haben ... ja sogar der Topfdeckel, der sich in die falsche Schublade verirrt hat - sie alle werden zu Bildern, die einen so lange verfolgen können, bis man zu ihnen zurückkehrt und Ordnung schafft. Erst dann ziehen Ruhe und Stille im Geiste ein.

Karin Pfeiffer

 
 
20. Januar 2010
Nachschlagen und Finden
Kategorie: Besinnliches
Foto: pixelio

Kleine Wunder, täglich

Ist Ihnen das auch schon passiert? Sie wuchten ein 1000-Seiten-Wörterbuch aus dem Regal, um einen Begriff darin zu suchen. Kaum haben Sie den Wälzer aufgeschlagen, da ist es schon, das gesuchte Wort! Sie haben prompt und völlig überraschend die richtige Seite erwischt. Auf einen Schlag, sozusagen. Wenn das kein Wunder ist!

Karin Pfeiffer

 
 
06. Januar 2010
Wie wir arbeiten sollen
Kategorie: Besinnliches
Der Sklave arbeitet, weil er dazu gezwungen ist,
der Künstler, weil es ihm Vergnügen macht,
und der Narr tut Überflüssiges, weil er ein Narr ist.

Jeder von uns ist zum Teil Sklave,
zum Teil Künstler und zum Teil Narr.

Der Weise strebt danach,
die drei Elemente in sich so zu vereinigen,
daß keines überwiegt.

Unbekannt

 
 
 
12. Dezember 2009
Mein Stern
Kategorie: Besinnliches

Ein Gebet
aus Israel

Die Stärke schenke mir,
jedem Tag mit ruhigem Sinn zu begegnen.
Den Glauben schenke mir,
zu wissen, dass ich behütet bin.
Das Licht auch schenke mir,
meinen Weg zu finden, wenn die Schatten fallen.
Sei mein Stern, der mich führt,
Vater von allem.

 
 
03. Dezember 2009
Die Stachelschweine
Kategorie: Besinnliches

Die Stachelschweine
Arthur Schopenhauer

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder von einander entfernte. Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so daß sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: »Keep your distance!« - Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden.

Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.

 
 
30. November 2009
Das schwerste Wort
Kategorie: Besinnliches
Das schwerste Wort heißt nicht Popocatepetl,
wie der Berg in Mexico, und nicht Chichicastenango,
wie der Ort in Guatemala, und nicht Ougadougou,
wie die Stadt in Afrika. Das schwerste Wort heißt für viele DANKE.

Josef Reding

 
 
 
29. Oktober 2009
Was hilft
Kategorie: Besinnliches

 

Gegen die Infamitäten des Lebens
sind die besten Waffen:
Tapferkeit, Eigensinn und Geduld.
Die Tapferkeit stärkt, der Eigensinn macht Spaß
und die Geduld gibt Ruhe.

Hermann Hesse

 
05. Oktober 2009
Erntedank
Kategorie: Besinnliches

 
foto: pixelio

Wir pflügen, und wir streuen
Matthias Claudius, 1782


1.
Wir pflügen, und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

2.
Er sendet Tau und Regen
und Sonn- und Mondenschein,
er wickelt seinen Segen
gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behende
in unser Feld und Brot:
es geht durch unsre Hände,
kommt aber her von Gott.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

3.
Was nah ist und was ferne,
von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne,
der Sperling und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter
und Korn und Obst von ihm,
das schöne Frühlingswetter
und Schnee und Ungestüm.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

4.
Er läßt die Sonn aufgehen,
er stellt des Mondes Lauf;
er läßt die Winde wehen
und tut den Himmel auf.
Er schenkt uns so viel Freude,
er macht uns frisch und rot;
er gibt den Kühen Weide
und unsern Kindern Brot.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

Sobald der moderne Mensch Hunger verspürt, öffnet er den Kühlschrank und holt sich etwas Leckeres heraus. Ist der Kühlschrank leer, fährt er im PKW zum nächsten Supermarkt und kauft ein. Allenfalls an Sonntagen sind die meisten Supermärkte noch geschlossen. Zeitlebens haben wir nichts anderes erfahren, als dass wir jederzeit unser Hungerbedürfnis befriedigen können. Kaum jemand verschwendet einen Gedanken daran, dass dies keineswegs selbstverständlich ist. Es tut not, sich gelegentlich daran zu erinnern, was Matthias Claudius vor mehr als 200 Jahren in wurderbare Versform gegossen hat.

Erntedankfest 2009: wir haben satt zu essen. Danke!
Die Redaktion des Stolz Verlags

 
05. September 2009
Kein Vorteil ohne Nachteil
Kategorie: Besinnliches

foto: pixelio

Kein Vorteil ohne Nachteil

Sorgfältiges Arbeiten benötigt Zeit. Zeitaufwendige Tätigkeiten beanspruchen unsere Geduld. Beides bringen wir immer weniger auf. Erkennbar ist dies an der zunehmenden Zahl fehlerhafter Produkte. Nehmen wir ein Beispiel: die Schrift.

Alte Bücher und Broschüren sind beinahe fehlerfrei. Satzbau und Inhalt beeindrucken durch Formschönheit und Vollständigkeit. Um solche Perfektion zu erreichen, ist ein gewisser Zeitaufwand nötig. Man schrieb mit der Hand, später tippte man auf der Schreibmaschine. Weil Korrekturen hier wie da nur mit Mühe durchgeführt werden konnten (ein Tippfehler machte unter Umständen die Arbeit einer ganzen Seite oder gleich mehrerer Seiten zunichte), brachte der Schreibende im eigenen Interesse höchste Sorgfalt und Konzentration auf. Der Zwang, langsam und mit Bedacht zu arbeiten, ergab sich aus den Umständen heraus. Wer ungenau arbeitete, büßte dies durch die Verdoppelung seines Aufwandes an Zeit und Kraft.

Wie anders ist dies heute! Und niemand würde das beklagen. Dennoch geht etwas verloren. Wir ahnen, was es ist.

Karin Pfeiffer

 
 
01. September 2009
Talente
Kategorie: Besinnliches

 

Talente

Jeder hat Talente. Aber einige Talente sind weit verbreitet, andere sind selten. Und man muß sich damit abfinden, dass nicht die Anstrengung oder das Talent an sich belohnt wird, sondern das Resultat auf dem Markt. So weh es auch tut: Man muß lernen, Verdienst und Marktwert zu unterscheiden. Weder Geschäftserfolg noch Prestige lassen sich aus Verdiensten ableiten. Nicht das, was man gut macht, sondern das, was andere gut finden, zählt.

Norbert Bolz
Diskurs über die Ungleichheit, Wilhelm Fink Verlag, München 2009, Seite 152

 
 
29. August 2009
Frieden
Kategorien: Erziehung | Besinnliches

 

FRIEDEN ...
... bedeutet Geben und Nehmen

Studien zeigen, dass Kinder, die gemeinsam mit ihren Eltern essen, deutlich besser mit Stress umgehen. Einer von vielen guten Gründen für einen kleinen Familienklatsch bei Tellergeklapper. Natürlich sind Familien manchmal unangenehmer als ein Mückenstich am Knöchel. Andererseits: Man kann auch mit niemandem besser lachen.

Unterwegs am Ufer eines Alpenflusses entdeckte ich am Rande des idyllischen Gehweges eine Tafel mit dieser Inschrift. Wie viele Spaziergänger am Wasser mögen zum Lesen angehalten und im Weitergehen über die Botschaft nachgesonnen haben?

Eine schöne Idee — das jedenfalls findet Ihre
Karin Pfeiffer

 
26. August 2009
Von Verpackung und Inhalt
Kategorie: Besinnliches


Foto: pixelio

Von Verpackung und Inhalt

Wir Menschen tun uns schwer, das Wesen der Dinge zu erkennen. Wir sehen die äußere Hülle, die Farbe, Form, Beschaffenheit. Wir lassen uns von Größe und Anzahl derart beeindrucken, daß wir nicht mehr nach dem Dahinter oder Darinnen fragen. Schon seit geraumer Zeit sind wir von Bildschirmen aller Art umstellt; daher bringen wir es in dieser Meisterschaft besonders weit. Formale Aspekte des Lebens dienen als Surrogat für das Inhaltliche.

Die Form, das Design, sie entwickeln sich bei Kaufentscheidungen zum Hauptmotiv. Erworben werden Schuhe, in denen niemand gehen kann; Hosen, die unerbittlich vom Rumpf in Richtung Beine streben; Sofas, über deren gespreizte Beine jeder fällt; Staubsauger, die drei Fremdsprachen beherrschen, aber nicht saugen; Leuchten, die duften statt Licht zu spenden; Kaffeetassen, deren anatomische Form es verunmöglicht, sie in üblicher Weise zum Munde zu führen. Und so fort. Form vor Funktion.

Da wir nun die Dinge und ihr Aussehen mit Zweck und Nutzen verwechseln, liegen die Irrtümer nur so auf der Straße herum. Emsig sammeln wir sie ein. Beispiele gefällig? Da ist der Wunsch nach Körperfitness. Der rassige Trainingsanzug ersetzt den Sport. Jeder sieht: da ist eine sportliche Person! Das reicht. Da klemmen die Hosen der Größe 40, neue müssen her. Beim Probieren entdeckt man, daß auf dem Etikett die Größe 38 vermerkt ist. Die Hose paßt! Gleich fühlt man sich auf wundersame Weise um etliche Kilo leichter und erspart sich weitere Fastenrunden. Da sinken die Prüfungsleistungen von Schülern von Jahr zu Jahr. Eine delikate Angelegenheit! Die geistige Potenz der Prüflinge widersetzt sich hartnäckig allen inhaltlichen Änderungsversuchen, deshalb bleibt nichts anderes, als die Verpackung aufzuhübschen. Wenn Sportlichkeit bloß textile Verpackung, Körpervolumen allenfalls Konfektionsgröße ist, dann ist Bildung auch nichts anderes als flexibles Zertifikat auf dem Zelluloseprodukt, das wir Zeugnis nennen. Alles Name, Knall und Brauch.

So ist der Mensch nun einmal, und so verfährt er mit sämtlichen, ihm lästig oder ärgerlich erscheinenden Tatsachen der Welt: er verhüllt diese in prächtiges Design, benutzt als Metermaß dehnbares Gummi — und hat der Wirklichkeit schon wieder eins ausgewischt!

Christine Cremer

 

 
 
19. August 2009
Aus dem »Handbüchlein der Ethik«
Kategorie: Besinnliches


Foto: Stefanie Hofschlaeger, pixelio

Aus dem »Handbüchlein der Ethik«

von Epiktet
(griechischer Philosoph, geboren 50 n. Chr.)

Den Ungebildeten erkennt man daran, daß er anderen Vorwürfe macht, wenn es ihm schlecht ergeht, den philosophischen Anfänger daran, daß er sie sich selbst macht. Der wirklich Gebildete macht solche Vorwürfe weder einem anderen noch sich selbst.

...

Begehre nicht, daß das, was geschieht, nach deinem Gutdünken geschehe, sondern halte für gut, wie es geschieht, und du wirst glücklich leben.

...

Gedenke, daß du Darsteller bist eines Stückes, das der Spielleiter bestimmt, und zwar eines kurzen, wenn er es kurz, eines langen, wenn er es lang wünscht. Wenn er wünscht, daß du einen Bettler darstellen sollst, mußt du auch diesen angemessen spielen, und so, wenn du einen Krüppel, einen Herrscher, eine Privatperson darstellen sollst. Denn deine Sache ist es, die zugewiesene Rolle ordentlich zu spielen; sie auszuwählen, ist Sache eines anderen.

 
 
01. August 2009
Jeder Mensch hat seinen Vogel
Kategorien: Humor | Besinnliches

Sprichwörter »mit Vogel« 

Über Moral und Weisheit hat jeder seine eigene Ansicht. Der Fisch sieht sie von unten, der Vogel von oben.
aus China
Binde zwei Vögel zusammen; sie werden nicht fliegen können, obwohl sie nun vier Flügel haben.
Dschelal ed-Din Rumi
Nutze die Talent, die du hast! Die Wälder wären still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.
Henry von Dyke
Wenn du gut hinhörst, wird immer irgendwo ein Vogel singen.
Unbekannt
Vögel im Käfig sprechen vom Fliegen. Freie Vögel fliegen.
Aus China
Worte sind wie Vögel. Hat man sie einmal losgelassen, kann man sie nicht mehr einfangen.
Deutsches Sprichwort
Beim Vogel Strauß nennt man es »den Kopf in den Sand stecken«. Andere verkaufen es uns als Meditation.
Erhard Blanck
Man sieht den Vogel meistens erst, wenn er davonfliegt.
Christian Friedrich Hebbel

foto: pixelio
 
01. Juli 2009
Der Wind des Wandels
Kategorie: Besinnliches
 
 
 
28. Juni 2009
Schuhe
Kategorie: Besinnliches

Ich habe geweint, weil ich keine Schuhe hatte, bis ich einen traf, der keine Füße hatte.

Giacomo Graf Leopardi (1798 - 1837)

 
 
16. Juni 2009
Abgenutzte Wörter
Kategorie: Besinnliches

Foto: Birgit H. by pixelio

Wörter nutzen sich ab wie Kleidungsstücke. Sie verbleichen, beulen aus, werden fadenscheinig und löchrig. Haben sie erst ganz und gar ihre Form verloren, werden sie gegen neue ausgewechselt.

KAPE

 
 
 
06. Juni 2009
Eugen Drewermann über die Weisheit
Kategorie: Besinnliches

Was ist Weisheit?

Weisheit erlange man über die Fähigkeit, sich eigene Gedanken zur Welt und zum Leben zu machen, schreibt Eugen Drewermann. Der weise Mensch habe sich eine eigene Meinung zu den Dingen gebildet, er paßt sich nicht der gerade modernen Denkströmung an und riskiert damit, gelegentlich Mißfallen zu erregen. Der Mensch dürfe nicht »an jeder Ecke die Prämie des Lobes und der Anerkennung« suchen, er müsse auch einmal etwas riskieren, das auf Widerspruch stoße.

»Was ist ein weiser Mensch? Vielleicht läßt es sich weder auf Hebräisch noch auf Griechisch endgültig beantworten, vielleicht brauchen wir dazu die Buddhisten, in deren Religion innerhalb des achtfachen Weges das rechte Denken eingeübt werden soll. Die Buddhisten üben das Weisewerden durch Meditation, durch Stille, durch Selbstversenken, durch Verzicht auf Illusionen, durch langsames Hinwegreifen über das Anhaften an Dinge, die den Einsatz nicht lohnen. Eine solche menschheitliche Form, weise zu sein, ist völlig identisch damit, frei zu sein, gütig zu sein und in sich selber zu ruhen. Die religiöse Formulierung des Buchs der Sprüche meint im Grunde etwas ähnliches: Wer Gott findet, wer ein Gegenüber hat, dem er absolut vertrauen kann, und damit aufhört, irgend etwas auf der Welt sonst noch zu »fürchten«, der reift wie ein blühender Baum, und die Schönheit seines Wachsens und die Fülle seiner Früchte sind das, was wir weise nennen.«

 

aus: Eugen Drewermann. Ein Mensch braucht mehr als nur Moral. Über Tugenden und Laster. Patmos Verlag, Düsseldorf 2001, Seite 401

Die Rechtschreibung folgt dem Buchoriginal.

 
Eugen Drewermann, Jahrgang 1940, ist einer der bekanntesten Theologen der Gegenwart. Nach Entzug seiner Lehrerlaubnis und seiner Suspension vom Priesteramt arbeitet Drewermann als Therapeut und Schriftsteller. Bekannt sind seine Märcheninterpretationen.
 
24. April 2009
Notausgang Sprache
Kategorien: Erziehung | Besinnliches

Aktive Kenntnis der Sprachbegriffe

In unserer Sprachkultur entscheidet nicht die körperliche Gewalt, sondern es regieren die Worte. Am besten behauptet sich, wer möglichst viele Begriffe im aktiven Wortschatz bevorratet. Passives Sprachverständnis ist zwar besser als gar nichts zu verstehen, doch entscheidend ist letztlich, ob im praktischen Leben das jeweils passende Wort zur Verfügung steht. Ein Mensch mit mangelhafter Kenntnis der Wörter und ihrer Bedeutungen wird sich schlecht behaupten können, denn es fehlt ihm die Möglichkeit, seine Wünsche auf die übliche und allgemein anerkannte Weise zu artikulieren.

Was tut Robinson auf der Insel, wenn er einen Wunsch verspürt? Er greift nach dem Objekt seiner Begierde, eignet es sich wortlos an. Er braucht keine Rücksicht auf Mitmenschen zu nehmen.
Wie handelt der Mensch in unserer Gesellschaft, wenn er von einer Begierde getrieben wird? Sofern das Objekt seiner Begierde fremdbesetzt ist, wird er es sich nicht einfach durch einen Griff aneignen können. Er muss, wie es üblich ist, seine Sprechwerkzeuge zu betätigen, um ans Ziel zu kommen. Dazu braucht er die richtigen Worte. Und was ist, wenn ein Mensch sich durch einen Mitmenschen schlecht behandelt fühlt? Auch dann hilft das passende Vokabular weiter. Die Alternative, handgreiflich zu werden, ist in unserer Kultur wenig akzeptabel.

Ein Mensch ohne Worte ist in unserer Kultur verloren. Neben der Möglichkeit, Wünsche durchzusetzen, fehlen dem wortlosen Menschen auch die in sprachliche Begriffe gekleideten Erinnerungen an Vergangenes. Daraus ergibt sich notwendig, dass geplantes Handeln in die Zukunft nicht möglich ist. Zukünftiges kann nur durch Phantasie erschlossen werden. Phantasie benötigt Wörter. Zwar kann die Zukunft auch in Bildern ausgemalt werden, doch damit wird in unserer Schriftkultur niemand bestehen.

Was folgt aus dieser wirren Gedankenhütte? Vor allem das: Eltern und Lehrer müssen wieder mehr mit ihren Kindern sprechen! Kommunikation mit Worten bildet die Eintrittskarte in die Welt der Wortsprache. Diese Feststellung ist alles andere als banal. Eine wachsende Zahl von Kindern ist heute mit Sprachkonserven und unpersönlicher visueller Kommunikation überversorgt. Pictogramme, Zeichnungen, Fotos und Filme überfluten das Gehirn, ohne das Denken zu fordern. Im selben Ausmaß schrumpft die Menge an Zuwendungs- und Handlungskommunikation, wie ich das Sprechen in den täglichen Lebensvollzügen bezeichnen würde. Manchen Kindern fehlen schon heute grundlegende Kenntnisse und Mittel, um an sprachlicher Kommunikation erfolgreich partizipieren zu können.

Verena Katterl

 
 
22. April 2009
Vom Wartenkönnen
Kategorien: Erziehung | Besinnliches

Vom Warten

Manch einer verdirbt sich das Leben, weil er es nicht fertigbringt, geduldig warten zu können. Zum Warten gehören Mut und das Vertrauen, dass es sich zu warten lohnt. Der Gedanke, etwas zu verpassen, ist unerträglich. Doch diesen Zwiespalt muss aushalten, wer warten will.

Sicherheit und Geborgenheit sind deshalb eine Vorbedingungen des Wartenkönnens. Das Warten fällt leichter, wenn man bereits öfter erfahren hat, dass nach qualvoller Wartezeit etwas Positives geschieht, etwas, das für die Wartezeit entschädigt. Wer solch  wichtige Erfahrung machen darf, ist für spätere Geschehnisse gewappnet, die zu Wartezeiten zwingen.

Wer wartet, entsagt der Welt für die Zeitspanne des Wartens. Da niemand in die Zukunft schauen kann, weiß der Wartende nicht, wann seine Wartezeit abläuft. Das ist eine Belastung und Bewährungsprobe, die nur besteht, wer aus einem Gefühl der Fülle heraus zu handeln vermag. Wer die Erfahrung machen musste, regelmäßig um seinen Lohn betrogen zu werden, kann geduldiges Warten aus diesem Grund schlecht ertragen.

Am schlimmsten für den Wartenden ist die Angst davor, zu kurz zu kommen, weil die anderen schneller sind und sich nehmen, was auch er begehrt. Wenn nun nicht genügend des Begehrten vorhanden ist, geht leer aus, wer geduldig und bescheiden gewartet hat. Warten ist daher nur in einer geordneten Welt möglich, in der jedem Menschen sein Platz gesichert ist. Wo ist dies am ehesten zu erwarten?

In den nächsten Tagen werden wir uns an dieser Stelle Gedanken machen über praktische Konsequenzen in der Schulerziehung, die dem Wartenkönnen förderlich sind.

Peter Stolz

 
 
08. April 2009
Zuerst den Schnee wegfegen!
Kategorie: Besinnliches

 

Ein altes Märchen
Eine Frau hatte gehört, daß ein Einsiedler im Wald unter dem Schnee reife Erdbeeren habe. Da gab sie ihrer ältesten Tochter den Auftrag, in den Wald zu gehen und von den Erdbeeren zu holen. Als die Tochter dem Einsiedler ihren Auftrag ausgerichtet hatte, da antwortete er: »Sei so gut und kehre mir dort zuerst ein wenig den Schnee fort, damit ich die Vögel füttern kann.« — »Was gehen mich die Vögel an«, antwortete sie, »ich möchte die Erdbeeren haben.«
Da ließ sie der Eremit sie unverrichteter Dinge heimgehen.

Nun sandte die Frau ihre Stieftochter mit dem gleichen Auftrag. Wieder gebot der Einsiedler, den Schnee für die hungernden Vögel fortzukehren. Ohne sich auch nur einen Augenblick zu besinnen, griff das Mädchen nach dem Besen und begann eifrig, den Schnee beiseite zu kehren — es vergaß ganz die Erdbeeren und dachte nur noch an die hungernden Vögel. Unter dem Schnee erschienen unversehens die Erdbeeren, und das Mädchen durfte so viel davon mitnehmen, wie es wollte.* 

Dieses Märchen sagt uns, auf welche Weise der Mensch seine Ziele erreicht. Belohnt wird, wer sein Handeln auf Umwegen erreicht. Diese Umwege heißen Rücksicht, Hingabe, Zuwendung. Abkürzungen bringen nicht das gewünschte Ergebnis, sie erzeugen Enttäuschung und Leid.

Das Märchen sei ein Becher Trost, an dem sich jene Verzagten laben sollen, die meinen, nichts gegen den erdrückenden Strom des aktuellen Lebens ausrichten zu können. Wir empfinden in diesen Tagen alle, wie wir mitgerissen werden von etwas, das größer und stärker ist als wir selbst. Doch wie machtlos wir auch in bezug auf das Ganze sein mögen, dort, wo wir eingebettet sind in die Gesellschaft, besitzt unser Handeln sehr wohl große Wirkkraft. Jede unserer täglichen Lebensäußerungen und Entscheidungen hat tausendfach Auswirkung auf unsere nächsten Mitmenschen. Als Eltern, Lehrer, Schüler, Nachbarn, Untergebene oder Vorgesetzte, Verkehrsteilnehmer, Freunde, Käufer oder Verkäufer ... überall tragen wir mit unserem Verhalten den anderen gegenüber dazu bei, ob das eigene Leben und damit das der anderen gelingt. Es ist müßig, sich ständig über schlechte gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu beklagen, die man doch nicht ändern könne. Gewiß, manches ist eine Zumutung, vielem muß man sich beugen, und es scheint nichts besser zu werden!

Wer aber immer nur darauf wartet, daß der Wind günstig sei, vergißt, daß der liebe Gott ihm Arme gegeben hat, um die Ruder des Lebensschiffchens selbst ein wenig vorantreiben und steuern zu können. Alle positiven Veränderungen in einer Gesellschaft gehen von den einzelnen Menschen und ihren unzähligen Anstrengungen aus, mit denen sie bestrebt sind, in ihrer unmittelbaren Umgebung die praktischen Lebensbedingungen zu verbessern. Nur in bezug auf das eigene Leben können wir Veränderungen erwirken, und genau dies ist unsere Aufgabe, hierzu haben wir alle Macht: Wo du gesät, Blume — dort blühe!

Jeder von uns kann sich in dieser vorösterlichen Zeit fragen, ob wir uns nicht oft ähnlich verhalten wie die älteste Tochter, die keinen Umweg zu gehen bereit ist und deshalb mit leeren Händen nach Hause zurückkehrt. Das direkte Ansteuern des Zieles trägt viel zu der Hektik bei, in der wir unsere Tage verbringen. Es ist nicht einfach, den Schnee wegzuräumen, wenn wir doch eigentlich etwas ganz anderes begehren. Jene, deren Aufgabe es ist, Kinder und Jugendliche zu unterrichten und zu leiten, sei die Bitte besonders ans Herz gelegt: lassen Sie Umwege zu! Für Umwege brauchen wir Zeit. Wir haben diese Zeit, wir müssen sie uns nur nehmen. Der vermeintliche Zeitverlust verwandelt sich mittel- und langfristig in eine kostbare Frucht, die allen Beteiligten zugute kommt. Also: kehren wir emsig den Schnee fort, für die Vögel!

Karin Pfeiffer

*Das Märchen ist folgendem, lesenswerten Buch entnommen: 
Friedrich Wilhelm Foerster, Lebensführung; Reichl Verlag, St. Goar
 
24. März 2009
Ist nicht alles umsonst?
Kategorie: Besinnliches


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Ist nicht alles umsonst?

Am Rande der Wüste lebte ein Eremit. Eines Tages besuchte ihn ein Jüngling und klagte ihm sein Leid.
»Ich lese so viele heilige Texte«, sagte er. »Ich studiere in den Büchern und vertiefe mich in die Schönheit all der Worte. Ich möchte sie behalten und als einen Widerschein der ewigen Wahrheit in mir bewahren. Aber es gelingt mir nicht. Alles vergesse ich! Ist die mühevolle Arbeit des Lesens und Studierens umsonst?«

Der Eremit hörte ihm gut zu. Nachdem der Junge fertiggesprochen hatte, gab ihm der Eremit einen Binsenkorb. »Hol mir aus dem Brunnen dort drüben Wasser«, sagte er zu dem Jüngling. »Hat er meine Frage nicht verstanden?« fragte sich dieser im stillen.
Widerwillig nahm er den von Staub verschmutzten Korb auf und schöpfte Wasser, das längst herausgelaufen war, als er zurückkehrte. »Geht noch einmal«, sagte der Eremit. Der junge Mann gehorchte. Immer wieder füllte er Wasser in den Korb, immer wieder rann es zu Boden. Nach dem zehnten Mal konnte er aufhören.
»Sieh den Korb an«, sagte der Eremit. »Er ist ganz blank geworden. So geht es dir mit den Worten, die du liest und bedenkst. Du kannst sie nicht festhalten, sie gehen durch dich hindurch, und du hältst die Mühe für vergeblich. Aber, ohne daß du es merkst, klären sich deine Gedanken und machen dein Herz rein.«

Verfasser unbekannt

 
 
18. März 2009
Ein Brot
Kategorie: Besinnliches


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Ein Brot
Ein englischer Journalist kaufte ein Dreipfundbrot und stellte sich damit an belebte Straßenecken verschiedener Städte. Die Vorübergehenden forderte er auf, für dieses Brot eine Stunde lang zu arbeiten.
In Hamburg wurde er ausgelacht. In New York von der Polizei festgenommen. Im afrikanischen Lagos waren mehrere Personen bereit, für dieses Brot drei Stunden zu arbeiten.
Im indischen New Delhi hatten sich rasch hundert Personen angesammelt, die alle für dieses Brot einen ganzen Tag arbeiten wollten.

Verfasser unbekannt

 
 
05. März 2009
Chance der Bärenraupe, über die Straße zu kommen
Kategorien: Erziehung | Besinnliches
Chance der Bärenraupe, über die Straße zu kommen

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.
zwanzig Autos in einer Minute.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.

Die Bärenraupe weiß nichts von Autos.
Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist.
Sie weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds.

Die Bärenraupe weiß nur, daß jenseits Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich freßbar.
Sie hat Lust auf Grün. man müßte hinüber.

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.
Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen.
Zwanzig Autos in der Minute.

Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.
Geht los und geht und geht und geht
und kommt an.

Rudolf Otto Wiemer

 
 
23. Februar 2009
Kinder
Kategorien: Erziehung | Besinnliches

 
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Ihre Seele wohnt im Haus von morgen
Deine Kinder sind nicht deine Kinder.
Sie kommen durch dich, aber nicht von dir, und obwohl sie bei dir sind, gehören sie nicht dir.
Du kannst ihnen deine Liebe geben, aber nicht deine Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Du kannst ihrem Körper ein Haus geben, aber nicht ihrer Seele, denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen, das du nicht besuchen kannst, nicht einmal in deinen Träumen.
Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein, aber versuche nicht, sie dir gleich zu machen.
Denn das Leben geht nicht rückwärts und verweilt nicht beim Gestern. Du bist der Bogen, von dem deine Kinder als lebendige Pfeile ausgeschickt werden.

Kahlil Gibran

 
 
10. Februar 2009
Trotzdem
Kategorie: Besinnliches

 
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Trotzdem …

Ein Mensch konnte nichts Schönes und Gesundes ertragen. Als er in einer Oase einen jungen Palmenbaum im schönsten Wuchs fand, nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem Lachen ging er weiter.
Die Palme versuchte die Last abzuwerfen. Sie schüttelte und bog sich. Vergebens.

Die Palme krallte sich tiefer in den Boden, bis ihre Wurzeln verborgene Wasseradern erreichten. Diese Kraft aus der Tiefe und die Sonnenglut aus der Höhe machten sie zu einer königlichen Palme, die auch den Stein hochstemmen konnte.

Nach Jahren kam der Mann wieder, um sich an dem Krüppelbaum zu erfreuen. Da senkte die kräftige Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte: „Ich muß dir danken. Deine Last hat mich stark gemacht."

aus Tunesien

Liebe Eltern, liebe Lehrer!

Das ist keine Aufforderung, den Kindern das Leben schwerzumachen! Vielmehr sagt uns diese Parabel, daß wir selbst in schwierigen Lebensumständen nicht aufgeben dürfen, daß geistig-seelisches Wachstum nur dann stattfindet, wenn eine Herausforderung vorhanden ist.
Deshalb: Habt keine Furcht davor, unseren Kindern auch einmal etwas Schwieriges aufzuerlegen, in dessen Erfüllung sie das Beste geben müssen! Das Beste schlummert in allen von uns!
Verwöhnung ist zwar der bequemere Weg — doch er ist es nicht nur für die Kinder, sondern vor allem für uns Erwachsene.

Karin Pfeiffer

 
08. Februar 2009
Wachstumshilfe
Kategorie: Besinnliches

Wachstumshilfe
Ein Mann aus Sung war sehr betrübt, daß sein Korn nicht recht wachsen wollte. Er versuchte daher, die Halme selbst in die Höhe zu ziehen. Nach dieser Arbeit kam er ganz benommen heim und sagte zu seinen Leuten: »Ich bin sehr müde, ich habe meinem Korn geholfen zu wachsen.«
Sein Sohn lief hinaus, um sich dies anzusehen, fand aber alle Halme geknickt und verwelkt.
Es gibt viele Menschen auf der Welt, die den Wunsch haben, dem Korn beim Wachsen zu helfen.

Mong Tse

Bitte, liebe Eltern und liebe Lehrer:

• Lasst den Kindern Zeit zum Wachsen, Reifen, Lernen!
• Alles zu seiner Zeit!
• Erzwungene Verfrühreifung kann Kinderseelen knicken ...

Es geht dann nicht nur den Kindern besser, sondern auch uns selbst.

Karin Pfeiffer

 
 
05. Februar 2009
Fehler über Fehler
Kategorien: Dies & Das | Besinnliches

Aphorismensammlung zum Thema »Fehler« 

Kleine Fehler geben wir gern zu, um den Eindruck zu erwecken, wir hätten keine großen.
Francois de La Rochefoucauld

Es ist von großem Vorteil, die Fehler, aus denen man lernen kann, recht frühzeitig zu machen.
Winston Churchill
Viele Leute glauben, wenn sie einen Fehler erst eingestanden haben, brauchen sie ihn nicht mehr abzulegen.
Marie von Ebner-Eschenbach

Verlaß dich nicht auf andere. Mach deine eigenen Fehler.
Manfred Hinrich

Man fällt nicht über seine Fehler. Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnützen.
Kurt Tucholsky

Am auffälligsten unterscheiden sich die Leute darin, daß die Törichten immer wieder dieselben Fehler machen, die Gescheiten immer wieder neue.
Manfred Hinrich

Fehler zu machen, ist menschlich. Fehler zu wiederholen, ist schmerzlich. Dieselben Fehler immer wieder zu machen, ist dämlich.
Sinan Gönül

Der schlimmste aller Fehler ist, sich keines solchen bewußt zu sein.
Thomas Carlyle

Am lautesten singen immer die, die falsch singen.
Franz Grillparzer
 
 
24. Dezember 2008
In der Fremde
Kategorie: Besinnliches

Verschenktes Glück
Einmal hatte ich eine Zeitlang in China gelebt. Ich war im Frühjahr in Shanghai angekommen und konnte und konnte mich nicht eingewöhnen. Am Heiligen Abend, ich saß wieder einmal verheult in meinem Zimmer, überreichte mir der Koch ein Geschenk.
Es war eine chinesische Kupfermünze mit einem Loch in der Mitte, und durch das Loch waren viele bunte Wollfäden gezogen und dann zu einem Zopf zusammengeflochten. »Eine sehr alte Münze«, sagte der Koch feierlich. »Und die Wollfäden sind von mir und meiner Frau, von Zimmer-Kuli und seiner Schwester, von Ofen-Kuli und seinen Eltern und Brüdern.« Ich bedankte mich sehr.
Als ich die Münzen mit ihrem bunten Wollzopf einem Bekannten zeigte, der schon lange in China lebte, erklärte er mir die Bedeutung: Jeder Wollfaden war eine Stunde des Glücks.

Der Koch war zu seinen Freunden gegangen und hatte sie gefragt: »Willst du von dem Glück, das dir für dein Leben bestimmt ist, eine Stunde abtreten?« Und alle hatten für mich, die fremde Europäerin, einen Wollfaden gegeben. Es war ein großes Opfer, das sie brachten, denn es lag nicht in ihrer Macht, zu bestimmen, welche Glücksstunde es sein würde.
Von diesem Tag an habe ich mich in China zu Hause gefühlt.

Joe Lederer (gekürzt)
in: Barbara und Hans Hug (Hrsg.). Blätter, die uns durch das Jahr begleiten. 21. Dezember

foto: pixelio

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Veranstaltungen:
noch bis 13.03.2010
Mittelfränkischer Lehrertag, Schwabach, Karl-Dehm-Schule
16.03.2010 - 20.03.2010
didacta - die Bildungsmesse, Köln, Messegelände



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