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Kategorie: Besinnliches

 
20. Dezember 2011
Blind
Kategorie: Besinnliches

Haben Sie schon einmal versucht ...

... ein kleines Stück Weges mit geschlossenen Augen zurückzulegen?

Ist es Ihnen wir mir ergangen: schon nach ein paar Schritten konnte ich mich nicht mehr fortbewegen, weil mich die Zwangsvorstellung plagte, gegen ein Hindernis zu prallen oder eine Untiefe hinabzustürzen. Dabei befand ich mich auf einem schnurgeraden, geschotterten und gut befestigten Weg, zu beiden Seiten von flachem Wiesengelände gesäumt ... Mir hätte nichts passieren können. Absolut nichts! Aber ohne die gewohnten Sinneseindrücke meiner Augen fühlte ich mich orientierungslos verloren, das ängstigte mich mehr, als ich vermutet hatte.

Kape


 
 

 

 
12. November 2011
Das Unsichtbare
Kategorie: Besinnliches

Das Unsichtbare

Fundament und tragende Elemente eines Bauwerks liegen meist verborgen im Inneren. Das Wesen der Dinge ist unsichtbar. Und weil dies so ist, verfallen die Menschen der irrigen Meinung, Wände, Decken und Dach seien aus sich selbst heraus stabil.

Die Menschen lieben Veränderung. Deshalb beginnen sie, die Räume, die sie bewohnen, zu verändern. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
30. August 2011
Eine Minute im Leben eines Kindes
Kategorie: Besinnliches

Abkühlung

Der kleine Bub klettert behende auf allen Vieren die hohe Steintreppe zur Haustür hoch. Oben angekommen, richtet er sich schwankend auf. Seine noch ungeschickten Händchen greifen nach den Blüten, die an langen Stengeln aus einem Trog herabhängen.
Die junge Frau tritt aus der Haustür, erblickt das Kind und ruft: »Mama, der Jimmy!«
Die ältere Frau humpelt aus dem Garten um die Hausecke. Sie erschrickt sichtbar: »Jimmy!«
Oben steht hoch aufgerichtet die junge Frau. Sie fährt sich mit der Linken durch das schulterlange Haar, wirft kokett den Kopf zurück, rückt mit der Rechten den Riemen der zierlichen Handtasche zurecht.
Die ältere Frau steht unten. »Bring ihn mit herunter«, bittet sie.
Die jüngere wirft die Haustür hinter sich ins Schloß. Schon setzt sie den Fuß auf die erste Treppenstufe. Ein kühler Wind streicht um die Hausfront an diesem heißen Sommertag, als sie sagt: »Hol ihn gefälligst selbst.«

Karin Pfeiffer


foto: Daroom / pixelio
 
 

 

 
22. Juni 2011
Die Grenzen der Erziehung
Kategorien: Erziehung | Besinnliches

 
foto: pixelio

Und dies gilt für alle Menschen:

Erzwungener Verzicht schwächt, freiwilliger Verzicht macht stark. Erzwungene Solidarität schafft Feindseligkeit, freiwillige Solidarität stärkt den sozialen Zusammenhalt.
Es ist schon wahr: Moralisches Verhalten kann befohlen und unter Anwendung von Gewalt erzwungen werden. Und so geschieht es auch täglich und überall.
Das eigentlichen Wollen und Empfinden des Menschen jedoch kann nicht in die Untertänigkeit genötigt werden, auch nicht mittels Autorität oder Waffengewalt.

Wir erkennen:

Dieses und nichts anderes sind die Grenzen jeder Erziehung. Dieses und nichts anderes sind die Grenzen jeder Politik.

Karin Pfeiffer

 
 
14. Juni 2011
Leere Hände
Kategorie: Besinnliches

Wer nichts tut, kann auch nichts Unrechtes tun
Dann kam der Tag des Jüngsten Gerichts. Ein Mensch trat vor Gott hin und sprach: »Herr, ich habe alle deine Gesetze streng beachtet. Ich habe nichts Unrechtes oder Böses getan. Sieh, meine Hände sind makellos rein.«
Mit diesen Worten streckte er beide Hände vor und zeigte sie Gott.
Dieser antwortete: »In der Tat, solch saubere Hände habe ich selten gesehen. Aber sie sind leer.«

Verfasser unbekannt


foto: Andrea Kusajda / pixelio
 
 

 

 
21. Mai 2011
Jedem das Seine!
Kategorie: Besinnliches

Seltsame Gerechtigkeit

Ein Fisch wird sich im Aquarium wohlfühlen, ein Vogel wird dort nach wenigen Minuten eingehen. Umgekehrt gilt dasselbe.

Eine Maus fühlt sich im Käfig des zoologischen Gartens frei, ein Löwe hingegen ist dort eingesperrt. Dem Löwen wird das Naturrecht auf Freiheit verwehrt, sobald wir seine Umgebung mit den Maßstäben der Maus einrichten. Für die Maus sind die Gitterstäbe kein Hindernis, für den Löwen sehr wohl! Jedem das Seine ist nicht jedem das Gleiche.

Karin Pfeiffer

 
 

 

 
06. April 2011
Zeit zum Erziehen
Kategorien: Erziehung | Besinnliches

Seit Gründung des Stolz Verlags führen wir das Symbol der Zeit-Schnecke im Programm. Nimm dir Zeit zum Lernen! Lernen kann nur in Verbindung mit Zeit gesehen werden. Zeitersparnis gibt es nicht; der Versuch, Zeit zu sparen, mündet in Hektik und Oberflächlichkeit. Unterricht und Erziehung können nur gelingen, wenn wir uns Zeit für unsere Kinder nehmen, sie teilhaben lassen an unserem Leben.
Die beste Erziehung ist die, Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
22. Januar 2011
Autorität
Kategorien: Aphorismen | Besinnliches

 

Die ärgsten Feinde der Autorität sind
Gleichgültigkeit, Verachtung und Lachen.
 

Kape

 
31. Dezember 2010
Erfolg durch Nichtstun
Kategorie: Besinnliches
Eine stillstehende Uhr
hat doch täglich zweimal richtig gezeigt
und darf nach Jahren
auf eine lange Reihe von Efolgen zurückblicken.
Marie von Ebner-Eschenbach

 
  
 

 

 
27. Dezember 2010
Also kann es keinen Krieg geben
Kategorie: Besinnliches

Ein Märchen aus China

Als der Krieg zwischen den beiden benachbarten Völkern unvermeidlich war, schickten die Feldherrn von beiden Seiten Späher aus, um zu erkunden, wo man am leichtesten in das Nachbarland einfallen könnte. Die Kundschafter kehrten zurück und berichteten auf beiden Seiten dasselbe: Es gebe nur eine Stelle an der Grenze, die sich dafür eigne.
»Dort aber«, sagten sie, »wohnt ein braver kleiner Bauer in einem kleinen Haus mit seiner anmutigen Frau. Sie haben einander lieb, und es heißt, sie seien die glücklichsten Menschen auf der Welt. Sie haben ein Kind. Wenn wir nun über das Grundstück dieses Bauern marschieren, dann zerstören wir dessen Glück. Also kann es keinen Krieg geben.«
Das sahen die Feldherren ein, und der Krieg unterblieb, wie jeder Mensch begreifen wird.

 
 

 

 
20. Dezember 2010
Nur einmal
Kategorie: Besinnliches
Wir sollten stets eingedenk sein,
daß der heutige Tag nur einmal kommt
und nimmer wieder.
Aber wir wähnen, er komme wieder;
morgen ist jedoch ein anderer Tag,
der auch nur einmal kommt.

Arthur Schopenhauer

 
  
 

 

 
06. Dezember 2010
Adventsbetrachtung zum Lernen
Kategorien: Schule | Besinnliches

Lernen muss einen Anfang haben und ein Ende. Es muss eingerahmt sein in sinnvolle Rituale der Stille, des Wartenkönnens, des Aushaltenkönnens, der Unlust. Ja, auch der Unlust! Denn aus richtig dosierter Selbstüberwindung kann Freude werden. Der Weg des Menschen war allzeit steinig, und das wird sich niemals ändern, keine High-Tech kann uns die Arbeit an uns selbst abnehmen. Lernen ist immer Arbeit an sich selbst. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
28. November 2010
Der Advent
Kategorie: Besinnliches

Vier Wochen vor dem Weihnachtsfest beginnt die Adventszeit. Das Wort »Advent« stammt aus der lateinischen Sprache: adventus heißt Ankunft. Wer soll denn ankommen? Die Christen erwarten die Geburt von Jesus Christus. Mit dem ersten Advent beginnt in der katholischen und evangelischen Kirche das neue Kirchenjahr. Am Heiligen Abend mit dem Sonnenuntergang endet die Adventszeit. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
28. Oktober 2010
Redlichkeit
Kategorie: Besinnliches

Es war im Speisesaal des Miyako-Hotels in der alten japanischen Kaiserstadt Kyoto.
Wir saßen noch beim Abendbrot, da trat der Chef des Saales an unseren Tisch, neben ihm die Bedienerin: »Sie möchte sich entschuldigen. Heute mittag hat sie Ihnen einen Yen zuviel berechnet. Wir haben das Versehen erst vorhin bemerkt. Bitte verzeihen Sie uns!«
Beide verneigten sich so tief, wie man sich nur in Japan verneigt.

Ein Yen, das waren damals dreißig Pfennige.

Richard Wolf


Foto: Peter Kretschmer/pixelio

 

 

 
14. Oktober 2010
Das Marzipanschwein
Kategorien: Humor | Besinnliches

Ein Kaufmann wünschte sich von Gott ein Haus, in dem er gute Geschäfte machen könne.
Gott stellte ihm ein Kaufhaus hin, mit viel Licht und innen Musik überall. Dem Kaufmann gefiel das.
Nun bat er Gott noch um ein Fest, das einmal im Jahr gefeiert werden solle, und wo er besonders gute Geschäfte machen könne.
Gott gewährte ihm auch dies und schuf Weihnachten.

Dann ging Gott durch das Kaufhaus, fand alles gut gelungen und hatte seine Freude daran. Er nahm ein Marzipanschwein, aß es und fragte den Kaufmann, ob er noch einen Wunsch habe.

»Ja«, sagte der Kaufmann und streckte Gott seine geöffnete Hand entgegen. «Bitte 2,35 € für das Marzipanschwein!«

Urheber unbekannt


Foto: S.-Hofschläger/pixelio

 

 

 
07. Oktober 2010
Vorfreude ist alles
Kategorie: Besinnliches

Das Leben ist so eine Sache. Sagt Hans. Morgens freust du dich auf die Mittagspause. Wenn die vorbei ist, freust du dich auf den Feierabend. Am Feierabend freust du dich auf den Jahresurlaub. Und im Jahresurlaub freust du dich auf die Rente. Und wenn du in Rente bist, weißt du, es hat sich alles nicht gelohnt. Aber du hast dich oft gefreut.

Matthias Beltz

 

 

 
19. August 2010
Geteiltes Leid ...
Kategorien: Gesundheit | Besinnliches

 
Foto: Petra Morales / Pixelio

Trainingslauf im Regen
und eine Begegnung

Neulich schnürte ich wieder einmal meine Laufschuhe. Der Himmel leuchtete freundlich herunter, und so begann ich frohen Sinnes meine Traditionsrunde am Flußufer. Nach nicht einmal zehn Minuten spürte ich die ersten Tropfen. Der Himmel hatte sich verdüstert. Trotzig trabte ich weiter: jetzt erst recht! Bald schon sprühte es heftig aus der Himmelsgießkanne herunter auf Wege, Bäume, Sträucher und mich. Ich war froh über den Anorak, den ich mir im letzten Moment übergezogen hatte. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
16. August 2010
Drei Seiten
Kategorien: Aphorismen | Besinnliches

 

Jedes Ding hat drei Seiten: eine, die Du siehst,
eine, die ich sehe
und eine, die wir beide nicht sehen.
 

Chinesisches Sprichwort

 
18. Juni 2010
Worte
Kategorie: Besinnliches

Wie wichtig sind die Worte!

Ohne Worte keine Gedanken.
Ohne Gedanken kein Verständnis.
Ohne Verständnis keine Einsicht.
Ohne Einsicht keine Demut.
Ohne Demut kein Mitleid.
Ohne Mitleid kein Frieden.

Karin Pfeiffer 

 
 
 
02. Juni 2010
Über die Tüchtigkeit
Kategorien: Erziehung | Besinnliches

»Das ist ein tüchtiger Arzt!« sagt eine Frau zur anderen, während sie auf die Straßenbahn warten. Wer diesen Satz aufschnappt, hat sofort ein Bild dieses Arztes vor Augen: er geht auf seine Patienten ein, nimmt sich für sie Zeit, erkennt ihre Probleme, kann Krankheiten sicher diagnostizieren, führt mit Geduld zur Heilung. Ist rücksichtsvoll, arbeitsam, zuverlässig, klug, gebildet, herzensgut.
Tüchtigkeit ist eine Charaktertugend, die einen hohen gesellschaftlichen Rang besitzt. Wir unterscheiden zwischen verschiedenen Tüchtigkeiten: Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
06. Mai 2010
Aus alten Schulbüchern
Kategorie: Besinnliches

 Mutterhände

Wir hatten einen Aufsatz zu schreiben über die Mutterhände. Den Aufsatz vom Dirndl in Tobl las uns der Lehrer vor. Sie hatte geschrieben:

Mutterhände
Mit der einen Hand macht die Mutter Butter. Mit der anderen hält sie die Bibel auf dem Schoß. Mit der anderen flickt sie Vaters Stalljoppe. Mit der anderen flicht sie mir die Zöpfe, bevor ich in die Schule gehe ...

»Mit der anderen«, sagte der Lehrer lächelnd. Wir grinsten. »Dirndl, ei, deine Mutter muß wohl tausend Hände haben. So viele Hände! Wieviel denn eigentlich?« Das Dirndl sagte unbeirrt:
»Zwei für den Vater. Sechs Kinder haben wir; auch für jedes zwei Hände. Küche, Stall und Feld, auch wieder für jedes zwei. Zwei für die armen Leut'. Und zwei für den Herrgott, wenn sie beten tut.«
Wir grinsten nicht mehr. Der Lehrer schaute lange sinnend über uns hinweg. Dann sagte er ernst: »Dirndl, wenn das so ist, dann wird der liebe Gott auch für deine Mutter einmal zwei Hände haben, zwei volle gnadenreiche Segenshände. Und du, du hast den besten Aufsatz geliefert. Note eins mit Stern, vorzüglich. Und grüße mir deine tapfere Mutter daheim.«

Quelle:
Die sieben Ähren. Lesebuch für katholische Volksschulen,
3. Schuljahr; Pädagogischer Verlag Schwann, Düsseldorf 1954
Seite 79

 
 
30. April 2010
Die Rettung der Erde ...
Kategorie: Besinnliches

... erfolgt aus dem Kleinen

André Gide soll auf seinem Sterbebett folgendes gesagt haben:

»Ich glaube an die Größe der kleinen Nationen. Ich glaube an den Wert kleiner Zahlen. Die Rettung der Erde liegt in den Händen der Wenigen.«

Das Elend in den staatlichen Schulen resultiert aus der Organisationsform, die zum Zentralismus neigt. Wirtschaftliche Erwägungen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Die Größe der Schuleinrichtungen gehorcht den Maßstäben der Rentabilität. Wenige große Schulzentren sind zudem verwaltungstechnisch einfacher zu beaufsichtigen als viele kleine, individuelle Einheiten. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
29. April 2010
Der erste Knopf ist entscheidend
Kategorie: Besinnliches

 

Sobald der erste Knopf der Jacke ins falsche Loch gesteckt wird, ist's aus und geschehen.
Bemerkt wird der Irrtum in aller Regel erst dann, wenn man »oben« angekommen ist und entweder Knopf oder Loch übrigbleibt.
Es gibt keine Lösung außer der einen: die ganze Prozedur rückwärts abwickeln
und neu anfangen!

(Fortschrittliche Geister würden eventuell die Empfehlung aussprechen, die falsch geknöpfte Jacke fortzuwerfen und eine neue zu kaufen, was der Volkswirtschaft zugute käme. Dieser Vorschlag besitzt durchaus Charme, hat jedoch einen gravierenden Mangel: Die Vorgehensweise ist nicht universell auf alles anwendbar, was »falsch geknöpft« ist. Wenn sich der Mensch seiner leider unvermeidlichen Irrtümer jeweils durch  Wegwerfen des Falschen entledigen könnte, so müßte man wohl oder übel den ganzen Globus gleich mitentsorgen.)   

Karin Pfeiffer

 
26. April 2010
Gutes tun
Kategorien: Aphorismen | Besinnliches

 

Wer Gutes tun will, tue es in kleinsten Schritten;
das allgemeine Gute ist die Ausrede der Patrioten, Politiker und Schurken.
 

Samuel Butler

 
20. April 2010
Außen hui, doch innen ...
Kategorien: Schule | Besinnliches


Foto: Christoph Schmotz / pixelio
 

Außen hui, doch innen ...
Wenn die Verpackung wichtiger wird als der Inhalt

In allen Lebensbereichen ist zu beobachten, wie der Stellenwert von Äußerlichkeiten zunimmt und das Handeln beeinflußt. Die Schule macht da keine Ausnahme. Mögen schriftliche Schülerarbeiten in ihrer äußeren Form auch perfekt wirken, so offenbart sich doch nicht selten hinter der glänzenden Fassade eine inhaltliche Dürftigkeit. Mit Hilfe der modernen Technik und etwas persönlichem Geschick gelingt es leicht, professionell aussehende Schriftstücke, Konvolute, ja ganze Bücher herzustellen. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
05. April 2010
Die Schale des Verlangens
Kategorie: Besinnliches

Die Schale des Verlangens
Eine Parabel

Ein König wollte einem Derwisch einen Wunsch erfüllen. Der Derwisch wünschte sich, daß man seine Bettelschale mit Goldmünzen füllen möge. Der König hielt es für die leichteste Sache der Welt, die Schale zu füllen. Aber die Schale erwies sich als eine Zauberschale.
Als der König versuchte, sie zu füllen, wurde sie nicht voll. Je mehr Geld hineingeschüttet wurde, um so leerer wurde sie. Er wurde sehr entmutigt bei dem Gedanken, daß er diese Schale nicht füllen könne. Da sagte ihm der Derwisch: »Majestät, wenn Sie meine Schale nicht füllen können, so sagen Sie es nur, und ich werde sie wieder mit mir nehmen. Ich bin ein Derwisch und werde wieder gehen und werde nur denken, daß Sie Ihr Wort nicht gehalten haben.«
Mit all seiner guten Absicht, mit all seiner Großzügigkeit und mit all seinem Reichtum konnte der Herrscher die Schale nicht füllen. Darum fragte er: »Derwisch, erzähle mir von dem Geheimnis deiner Schale.« Der Derwisch antwortete: »Ja, Majestät, es ist wahr, was Sie erkannt haben, es ist eine Zauberschale. Es ist die Schale eines jeden Herzens. Es ist das Herz des Menschen, das niemals zufrieden ist. Füllen Sie es, womit Sie wollen, mit Reichtum, mit Aufmerksamkeit, mit Liebe, mit Wissen, mit allem, was es gibt. Es wird niemals gefüllt sein, denn es ist ihm nicht bestimmt, gefüllt zu werden.«

Hazrat Inayat Khan

 
 
24. Februar 2010
Das schiefe Bild
Kategorie: Besinnliches

 

Wie Dinge einen verfolgen können

Meist fühle ich mich aus unerfindlichen Gründen gehetzt und eile durch die Pflichten des Tages. Gestern hängte ich ein Bild an die Wand, es befand sich danach nicht ganz im Lot. Ich sage zum Bild: Das ist mir jetzt wurscht! Dann gehe ich anderen Arbeiten nach. Doch das Bild steht wie ein bösartiges Phantom hinter mir und zwickt und zwackt mich: „Du, ich hänge schief!" Da kann ich hingehen, wo ich mag: ins Büro, in den Garten, aufs Klo. Das Phantom verfolgt mich überall hin. Es spricht: „Du, ich hänge schief! Schief! Schief!!!" Mir bricht der Schweiß aus, nervös zucken meine Fingerspitzen. Schließlich gehe ich widerstrebend an den Ort zurück, von dem die physisch spürbare Störung ausgeht. Ich betrachte das Bild giftig und rücke es dann zurecht.

So aber geschieht es mit allen Dingen. Der Eßlöffel, der nach dem Einräumen im Besteckfach auf dem Kopfe liegt, das Buch, das im Regal aus der Reihe der anderen Bücher herausragt. Das Schreibheft mit dem Eselsohr, der leergeschriebene Füller, die unordentlich übereinander abgelegten Schriftstücke, die Fransen, die unter den Teppichkörper geraten sind, die Schuhe, die sich als Paar verkracht haben ... ja sogar der Topfdeckel, der sich in die falsche Schublade verirrt hat - sie alle werden zu Bildern, die einen so lange verfolgen können, bis man zu ihnen zurückkehrt und Ordnung schafft. Erst dann ziehen Ruhe und Stille im Geiste ein.

Karin Pfeiffer

 
 
20. Januar 2010
Nachschlagen und Finden
Kategorie: Besinnliches
Foto: pixelio

Kleine Wunder, täglich

Ist Ihnen das auch schon passiert? Sie wuchten ein 1000-Seiten-Wörterbuch aus dem Regal, um einen Begriff darin zu suchen. Kaum haben Sie den Wälzer aufgeschlagen, da ist es schon, das gesuchte Wort! Sie haben prompt und völlig überraschend die richtige Seite erwischt. Auf einen Schlag, sozusagen. Wenn das kein Wunder ist!

Karin Pfeiffer

 
 
06. Januar 2010
Wie wir arbeiten sollen
Kategorie: Besinnliches
Der Sklave arbeitet, weil er dazu gezwungen ist,
der Künstler, weil es ihm Vergnügen macht,
und der Narr tut Überflüssiges, weil er ein Narr ist.

Jeder von uns ist zum Teil Sklave,
zum Teil Künstler und zum Teil Narr.

Der Weise strebt danach,
die drei Elemente in sich so zu vereinigen,
daß keines überwiegt.

Unbekannt

 
 
 
12. Dezember 2009
Mein Stern
Kategorie: Besinnliches

Ein Gebet
aus Israel

Die Stärke schenke mir,
jedem Tag mit ruhigem Sinn zu begegnen.
Den Glauben schenke mir,
zu wissen, dass ich behütet bin.
Das Licht auch schenke mir,
meinen Weg zu finden, wenn die Schatten fallen.
Sei mein Stern, der mich führt,
Vater von allem.

 

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