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Kategorie: Erziehung
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| 14. Dezember 2009 |
| Kategorie: Erziehung |

Die britische Verhaltensforscherin Jane Goodall ist durch ihre Arbeit mit Schimpansen weltberühmt geworden. In einem Gespräch erzählte sie uns einmal von ihrer Kindheit in bescheidenen Verhältnissen. Jane Goodall war ein glückliches Kind, aber es wurde ihr nichts geschenkt. Sie musste sich anstrengen, um ihre Träume zu verwirklichen. Etwas ersehnen, etwas dafür tun, es schließlich erreichen: Diese drei Dinge sind für Goodall der Stoff, aus dem das Glück entsteht. Bedauerlicherweise wird der Abstand zwischen Wunsch und Erfüllung für viele heutige Kinder immer kürzer. Kaum wünschen sie sich etwas, schon kümmern sich Eltern, Verwandte oder Freunde der Familie unverzüglich darum. Wünschen wird zur Augenblickslaune. Doch wer Kindern allzu schnell gibt, nimmt ihnen auch etwas: Sehnsucht. Und das Gefühl, eine Sache aus eigener Kraft erreicht zu haben. Ein Jugendlicher, der sein Snowboard zumindest teilweise mit dem Verteilen von Wurfsendungen zusammengespart hat, schätzt dessen Wert ganz anders ein. Auszug aus: Rettet die Kinderarbeit! von Maxeiner & Miersch, erschienen in DIE WELT vom 8.12.2006 |
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| 08. Dezember 2009 |
| Kategorie: Erziehung |
| Kinder brauchen Geheimnisse — heute notwendiger
denn je! |
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Szene I (1960)
Zu Hause. Die Mutter putzt das Treppenhaus. Plötzlich
stößt sie einen kleinen Schrei aus. Die vierjährige
Mathilde stürzt aus der Küche heraus.
Was ist denn, Mami?
— Mir war grad', als wär' was vorbeigeflogen.
— Was denn, Mami?
— Ich weiß nicht - wahrscheinlich hab' ich mich geirrt.
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| 20. November 2009 |
| Kategorie: Erziehung |
Der Einbezug in den Arbeitsalltag sollte nicht nur unter dem Gesichtspunkt der »Entwürdigung« des Kindes gesehen werden; denn das Gefühl der Nützlichkeit ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Menschenwürde. Robert Nef Jede Epoche verurteilt die Pädagogik der vorangegangenen und ersetzt die alten Irrtümer durch neue.
Robert Nef Die Einstellung einer Kultur gegenüber Kindern und Behinderten ist der Indikator ihrer (Un-)Menschlichkeit. Der Blick zurück sollte nicht in sozialpolitischer Empörung steckenbleiben … Denn schneller als sie denkt, könnte die Gegenwart die ebenso berechtigte Empörung der Nachwelt auf sich ziehen. Wie viele Eltern wollen nicht heute dem Staat »ihr eigenes Fleisch und Blut auf den Hals werfen«? Wie viel Zeit und Wertschätzung bleibt für das Kind zwischen den Kraftfeldern von Selbstverwirklichung und Prestige übrig? Und wo endet eine Volksschule, die laufend mit Neuerungen gestreßt wird, die nicht kindgerecht sind? Um aus der Geschichte zu lernen, genügt es nicht, zurückzublicken. Es braucht auch den kritischen und selbstkritischen Vergleich mit den Handlungsmustern und Leitmotiven der Gegenwart.
Peter Ruch, Theologe in: Schweizer Monatshefte Nr. 968, März/April 2009 (Hesch mi lieb? Seite 40) |
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| 15. September 2009 |
| Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Erziehung |
 foto: pixelio | Die bedrohte Familie „Keine Gesellschaft hat je über die Zeit Bestand gehabt, der die Familie als Grundlage des Zusammenlebens, der Zugehörigkeit und Gemeinsamkeit verloren gegangen ist. Dennoch oder gerade deswegen ist die Familie wie auch das Recht und das Privateigentum stets den Angriffen staatlicher Willkür ausgesetzt gewesen. Es gab kein totalitäres System, das sich nicht die Entmachtung der Familie zum Ziel gesetzt hätte." Beatrix Herzogin von Oldenburg ANMERKUNG DER REDAKTION: Die gesellschaftliche Entwicklung wird demjenigen Sorgen bereiten, der seinen Blick über den Tellerrand der Alltagsroutine hebt. Wenn Systeme — welcher Art auch immer — durch Fehlfunktionen geschwächt werden und zu kränkeln beginnen, findet sich die erste Bruchstelle im schwächsten Glied. Der Zerfall der Familien entfaltet Folgewirkungen als erstes an den Schulen, wo die schwächsten Glieder der Gesellschaft, unsere Kinder, gemeinschaftlich lernen sollen. Die seismographischen Verwerfungen im Gefüge des privaten Zusammenlebens wurden schon vor Jahrzehnten von Lehrern wahrgenommen. Damals meinte man noch, besonders »schwierige Fälle« mittels psychologischer Spezialbetreuung und Sonderförderung ins Normale heben zu können. Heute kann kaum noch von einer Normalität in Schulklassen ausgegangen werden: der Ausnahmezustand wird zur Regel. Klagen der Pädagogen über sich ständig verschlechternde Arbeitsbedingungen an staatlichen Schulen sind unüberhörbar, und sie werden lauter. Kinder, die ohne Schutz und Stütze einer intakten Familie aufwachsen, sind nach herkömmlichem Muster kaum noch erfolgreich zu beschulen. Lernstörungen und unangepaßtes Verhalten bestimmen den Schulbetrieb. Wollen wir die staatliche Schule weiterhin als Bildungsanstalt und nicht als Massenbeaufsichtigungsinstitut begreifen, dann muß dieser — leider politisch betriebenen — Entwicklung das entschiedene Nein der Betroffenen entgegengestellt werden. Die Lehrer an den öffentlichen Schulen sind auch in ihrem eigenen Interesse gut beraten, wenn sie sich unumwunden und in aller Deutlichkeit für den Erhalt der Familie aussprechen. Jede neue Stufe der Verschlechterung beeinträchtigt deren Arbeitsplatz negativ. Die auf den Kopf gestellten Bedingungen werden das berufliche Selbstverständnis des Lehrers ohne Zweifel zum Schlechteren verändern. Das vertraute Tätigkeitsfeld des Unterrichtens wandelt sich schon jetzt in eine weniger intellektuell anspruchsvolle als vielmehr nervenaufreibende Tätigkeit, deren Hauptaufgabe die ganztägige Beaufsichtigung und lückenlose Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen in Massenanstalten ist. Dazu müssen administrative und statistische Aufgaben erledigt werden. Das Leben unserer Kinder wird sich nach dem Willen von Politik und Gesellschaftsingenieuren bald zum Großteil in Schulgebäuden abspielen, vom Frühstück bis zum Nachmittagssnack. Die wichtigsten Kompetenzen des Lehrers liegen dann weniger in seiner Fähigkeit, Wissen zu vermitteln und Neues zu lehren, sondern in seinem Geschick zu sozialer Mediation und der Bereitschaft zu permanenten Einsätzen bei Schlichtung von Handgreiflichkeiten und dem in horizontal ungegliederten Massen unvermeidlichen Mobbing. Schon lange ist ein Wandel des Berufsbildes »Lehrer« vom Wissensvermittler zu dem des »Pädagogischen Beamten« im Gange. Neben seiner praktischen Aufsichtstätigkeit ist er im wesentlichen mit Papierkram beschäftigt. Erstrebenswerte Aussichten? Was tun? Karin Pfeiffer | | |
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| 29. August 2009 |
| Kategorien: Erziehung | Besinnliches |
 FRIEDEN ... ... bedeutet Geben und Nehmen Studien zeigen, dass Kinder, die gemeinsam mit ihren Eltern essen, deutlich besser mit Stress umgehen. Einer von vielen guten Gründen für einen kleinen Familienklatsch bei Tellergeklapper. Natürlich sind Familien manchmal unangenehmer als ein Mückenstich am Knöchel. Andererseits: Man kann auch mit niemandem besser lachen. | Unterwegs am Ufer eines Alpenflusses entdeckte ich am Rande des idyllischen Gehweges eine Tafel mit dieser Inschrift. Wie viele Spaziergänger am Wasser mögen zum Lesen angehalten und im Weitergehen über die Botschaft nachgesonnen haben? Eine schöne Idee — das jedenfalls findet Ihre Karin Pfeiffer |
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| 07. Juni 2009 |
| Kategorie: Erziehung |
Eltern und Lehrern ins Poesiealbum geschrieben: Da sitzen Kinder rund um einen Tisch, vor sich Schüsseln mit der köstlichen Mahlzeit, die sie zu sich nehmen. Da tritt ein Knabe dem neben ihm sitzenden Kind unter dem Tisch gegen das Schienbein. Das ist, was man nicht sieht. Da schreit das getretene Kind laut auf. Der Schmerzreflex läßt es über dem Tisch nach dem Angreifer schlagen. Das ist, was man sieht. Mit unerbittlicher Konsequenz erfüllt sich nun das Gesetz, dem alles Leben gehorcht. Der Knabe, der sichtbar über dem Tisch zurückgeschlagen hat, wird bestraft. Des Ortes gemeinsamer Nahrungsaufnahme verwiesen, muß er unter Schimpf und Schande hungrig zu Bette gehen. Jener aber, der im Verborgenen den Angriff listig vorbereitet und durchgeführt, bekommt, was er begehrt hat: Zuwendung und die volle Schüssel des aus der Runde Ausgestoßenen. Auf diese Weise wird uns vergolten, was wir tun oder was wir lassen, sei es nun das Gute oder das Böse. Darauf kommt es nicht an. Was einzig zählt ist, ob man es sieht oder nicht sieht. Karin Pfeiffer |
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| 28. April 2009 |
| Kategorien: Schule und Lernen | Erziehung |
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Kinderschutz, Eigennutz,
Nutzlosigkeit
Vor etwa zweihundert Jahren wurden Kinder als kleine Erwachsene
begriffen, und man steckte sie in Erwachsenenkleider. Was die
Kleidung betrifft, hat sich vieles geändert, bequem,
pflegeleicht und kindgerecht sind die Sachen zum Anziehen.
Während unsere Gesellschaft Kindern einerseits den Status
zugesteht, dem größtmögliche Rücksicht
gebührt, überfordert sie den Nachwuchs in anderen
Bereichen. Diese Feststellung bedarf der
Erklärung. Diesen Beitrag zu Ende lesen
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| 24. April 2009 |
| Kategorien: Erziehung | Besinnliches |

Aktive Kenntnis der Sprachbegriffe In unserer Sprachkultur entscheidet nicht die körperliche Gewalt, sondern es regieren die Worte. Am besten behauptet sich, wer möglichst viele Begriffe im aktiven Wortschatz bevorratet. Passives Sprachverständnis ist zwar besser als gar nichts zu verstehen, doch entscheidend ist letztlich, ob im praktischen Leben das jeweils passende Wort zur Verfügung steht. Ein Mensch mit mangelhafter Kenntnis der Wörter und ihrer Bedeutungen wird sich schlecht behaupten können, denn es fehlt ihm die Möglichkeit, seine Wünsche auf die übliche und allgemein anerkannte Weise zu artikulieren. Was tut Robinson auf der Insel, wenn er einen Wunsch verspürt? Er greift nach dem Objekt seiner Begierde, eignet es sich wortlos an. Er braucht keine Rücksicht auf Mitmenschen zu nehmen. Wie handelt der Mensch in unserer Gesellschaft, wenn er von einer Begierde getrieben wird? Sofern das Objekt seiner Begierde fremdbesetzt ist, wird er es sich nicht einfach durch einen Griff aneignen können. Er muss, wie es üblich ist, seine Sprechwerkzeuge zu betätigen, um ans Ziel zu kommen. Dazu braucht er die richtigen Worte. Und was ist, wenn ein Mensch sich durch einen Mitmenschen schlecht behandelt fühlt? Auch dann hilft das passende Vokabular weiter. Die Alternative, handgreiflich zu werden, ist in unserer Kultur wenig akzeptabel. Ein Mensch ohne Worte ist in unserer Kultur verloren. Neben der Möglichkeit, Wünsche durchzusetzen, fehlen dem wortlosen Menschen auch die in sprachliche Begriffe gekleideten Erinnerungen an Vergangenes. Daraus ergibt sich notwendig, dass geplantes Handeln in die Zukunft nicht möglich ist. Zukünftiges kann nur durch Phantasie erschlossen werden. Phantasie benötigt Wörter. Zwar kann die Zukunft auch in Bildern ausgemalt werden, doch damit wird in unserer Schriftkultur niemand bestehen. Was folgt aus dieser wirren Gedankenhütte? Vor allem das: Eltern und Lehrer müssen wieder mehr mit ihren Kindern sprechen! Kommunikation mit Worten bildet die Eintrittskarte in die Welt der Wortsprache. Diese Feststellung ist alles andere als banal. Eine wachsende Zahl von Kindern ist heute mit Sprachkonserven und unpersönlicher visueller Kommunikation überversorgt. Pictogramme, Zeichnungen, Fotos und Filme überfluten das Gehirn, ohne das Denken zu fordern. Im selben Ausmaß schrumpft die Menge an Zuwendungs- und Handlungskommunikation, wie ich das Sprechen in den täglichen Lebensvollzügen bezeichnen würde. Manchen Kindern fehlen schon heute grundlegende Kenntnisse und Mittel, um an sprachlicher Kommunikation erfolgreich partizipieren zu können. Verena Katterl | | |
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| 22. April 2009 |
| Kategorien: Erziehung | Besinnliches |

Vom Warten Manch einer verdirbt sich das Leben, weil er es nicht fertigbringt, geduldig warten zu können. Zum Warten gehören Mut und das Vertrauen, dass es sich zu warten lohnt. Der Gedanke, etwas zu verpassen, ist unerträglich. Doch diesen Zwiespalt muss aushalten, wer warten will. Sicherheit und Geborgenheit sind deshalb eine Vorbedingungen des Wartenkönnens. Das Warten fällt leichter, wenn man bereits öfter erfahren hat, dass nach qualvoller Wartezeit etwas Positives geschieht, etwas, das für die Wartezeit entschädigt. Wer solch wichtige Erfahrung machen darf, ist für spätere Geschehnisse gewappnet, die zu Wartezeiten zwingen. Wer wartet, entsagt der Welt für die Zeitspanne des Wartens. Da niemand in die Zukunft schauen kann, weiß der Wartende nicht, wann seine Wartezeit abläuft. Das ist eine Belastung und Bewährungsprobe, die nur besteht, wer aus einem Gefühl der Fülle heraus zu handeln vermag. Wer die Erfahrung machen musste, regelmäßig um seinen Lohn betrogen zu werden, kann geduldiges Warten aus diesem Grund schlecht ertragen. Am schlimmsten für den Wartenden ist die Angst davor, zu kurz zu kommen, weil die anderen schneller sind und sich nehmen, was auch er begehrt. Wenn nun nicht genügend des Begehrten vorhanden ist, geht leer aus, wer geduldig und bescheiden gewartet hat. Warten ist daher nur in einer geordneten Welt möglich, in der jedem Menschen sein Platz gesichert ist. Wo ist dies am ehesten zu erwarten? In den nächsten Tagen werden wir uns an dieser Stelle Gedanken machen über praktische Konsequenzen in der Schulerziehung, die dem Wartenkönnen förderlich sind. Peter Stolz | | |
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| 16. April 2009 |
| Kategorien: Schule und Lernen | Erziehung |
| Entschleunigung ist die einzig
wirksame Medizin zur Heilung von Überaktivität und
Konzentrationsstörungen. Die Maßnahmen wirken jedoch
nicht sofort, sie bedürfen der geduldigen Praxis über
längere Zeiträume hinweg. Das ist mühevoll, weil die
Erwachsenen die eigene Lebensführung in Frage stellen und
eventuell ändern müssen. Sie mögen dabei nicht zu
streng mit sich selbst sein: auch kleine Erfolge sind Erfolge! Wer
große Ziele erreichen will, kann dies immer nur in kleinen
Schritten tun. Das gilt für Erwachsene und Kinder
gleichermaßen. |
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Folgende Vorschläge erheben keinen Anspruch
auf Vollständigkeit.
• Lebenstempo
verringern
Programme mit eingebauter Zeitersparnis vermeiden. Wir haben kein
Zeitkonto, das uns Muße verspricht! Wer Zeit sparen will,
hetzt durchs Leben. Diesen
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| 05. März 2009 |
| Kategorien: Erziehung | Besinnliches |
| Chance der Bärenraupe, über die Straße zu kommen Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. zwanzig Autos in einer Minute. Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk. Die Bärenraupe weiß nichts von Autos. Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist. Sie weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds. Die Bärenraupe weiß nur, daß jenseits Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich freßbar. Sie hat Lust auf Grün. man müßte hinüber. Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen. Zwanzig Autos in der Minute. Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik. Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk. Geht los und geht und geht und geht und kommt an. Rudolf Otto Wiemer | | |
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| 23. Februar 2009 |
| Kategorien: Erziehung | Besinnliches |
foto: pixelio
Ihre Seele wohnt im Haus von morgen Deine Kinder sind nicht deine Kinder. Sie kommen durch dich, aber nicht von dir, und obwohl sie bei dir sind, gehören sie nicht dir. Du kannst ihnen deine Liebe geben, aber nicht deine Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Du kannst ihrem Körper ein Haus geben, aber nicht ihrer Seele, denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen, das du nicht besuchen kannst, nicht einmal in deinen Träumen. Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein, aber versuche nicht, sie dir gleich zu machen. Denn das Leben geht nicht rückwärts und verweilt nicht beim Gestern. Du bist der Bogen, von dem deine Kinder als lebendige Pfeile ausgeschickt werden. Kahlil Gibran | | |
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| 06. Februar 2009 |
| Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Erziehung |
| Frühförderung in Vorschule und
Kindergarten
Dieser Tage erreichte uns ein Brief aus Neuseeland. Das
eigentliche Anliegen des Schreibens verblaßte angesichts der
zwischen den Zeilen verborgenen Botschaft: im
englischsprachigen Raum werden seit geraumer Zeit bereits
Zweijährige in Krabbelstuben intellektuell beschult. Dies ist
eine alarmierende Entwicklung. Auch bei uns wird die Forderung nach
Frühbeschulung immer lauter. Sogenannte Experten aus dem
Dunstkreis der Politik (deren verborgene Motivation einmal eine
spezielle Durchleuchtung verdiente) reden dem Volk ein, Diesen Beitrag zu Ende lesen
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| 27. Januar 2009 |
| Kategorien: Gesundheit und Fitness | Erziehung |
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Heute schnüre ich wieder die
Laufschuhe und mache meine Runde. Es ist kurz nach eins. Am
Schulgebäude gibt es eine kleine Bedarfshaltestelle für
den Schulbus, neu eingerichtet für ein halbes Dutzend Kinder,
deren Eltern (noch) nicht bereit sind, sie im Auto zu kutschieren.
Den vor Jahren auf Wunsch der Elternschaft eingerichtete Geh- und
Radweg vom Schulhaus zum Ortsrand benutzen immer weniger
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| 22. November 2008 |
| Kategorie: Erziehung |
| Im Newsletter Nr. 25 vom Oktober 2008
konnten Sie in der Rubrik »Nachrichten aus Lendersdorf«
einen Beitrag lesen, den wir
aus aktuellem Anlaß
unten noch einmal einstellen. Der Text
löste völlig überraschend zahlreiche
Rückmeldungen und Zuschriften aus — ein Zeichen
dafür, wieviel Diskussionsbedarf zur Thematik
besteht. |
foto: pixelio
»Augen-Blicke«
An einem dieser schönen Herbsttage radelte ich, heiter wie
der Himmel, in die Stadt. Unterwegs kam mir eine junge Frau
entgegen. Sie schob einen Kinderwagen. Noch jetzt sehe ich ihr
Gesicht vor mir. Was nun ist an einer kinderwagenschiebenden Mutter
derart beeindruckend, daß ich davon berichten muß? Es
war die sichtbare und vollkommene Hingewandtheit zum Kinde.
Lächelnd schaute die Frau in das rollende Bettchen hinein, sie
spitzte die Lippen und formten zärtliche Worte. Und noch
einmal die Frage: was könnte an diesem Anblick so Besonderes
sein? Diesen Beitrag zu Ende
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| 23. Oktober 2008 |
| Kategorien: Erziehung | Besinnliches |
Tüchtigkeit erlangt man, indem man häufig entsprechend handelt. Das gilt für handwerkliches und künstlerisches Können ebenso wie für moralische Tüchtigkeiten. Schon Aristoteles dachte darüber nach. Dessen Erkenntnisse: »Denn was man erst lernen muß, bevor man es ausführen kann, das lernt man, indem man es ausführt: Baumeister wird man, indem man baut, und Khitarakünstler, indem man das Instrument spielt. So werden wir auch gerecht, indem wir gerecht handeln, besonnen, indem wir besonnen, und tapfer, indem wir tapfer handeln. … Ohne solches Handeln hat niemand auch nur die leiseste Aussicht, jemals ein sittlich wertvoller Mensch zu werden.« aus: Wolfgang Brezinka, Tüchtigkeit. Analyse und Bewertung eines Erziehungszieles. Verlag Ernst Reinhardt, Seite 32
| Siehe dazu auch hier»» |
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| 18. Oktober 2008 |
| Kategorien: Schule und Lernen | Erziehung |
 Wir beklagen die kindlichen Konzentrationsstörungen und übersehen dabei gern, dass die notwendige Voraussetzung für geistige Sammlung und Merkfähigkeit heute alles andere als günstig ist. Wenn ein Topf löchrig ist, läuft eingefülltes Wasser wieder heraus. Daran ist nichts zu ändern, es sei denn, wir stopften die Löcher zu. Auf den Mangel an Konzentration angewendet bedeutet dies, dass sich die Bedingungen des täglichen Lebens ändern müssen. Bildlich gesprochen: wir müssen die »Löcher« stopfen. Einige der Löcher reißen die modernen Medien, allen voran das Fernsehen. Und wenn es uns noch soviel Überdruss bereitet: Fernsehen nach dem Lernen oder vor dem Schlafengehen stört die Gedächtnisleistung in bezug auf das Gelernte. Die passiv aufgenommenen Bilder überlagern die aktiven Gehirntätigkeiten und löschen alles, was neu ist und noch nicht verankert im Langzeitgedächtnis. Günstiger wäre es, nach dem Lernen zu schlafen, siehe unser Beitrag zum Mittagsschlaf. Und noch etwas spricht gegen das Fernsehen bis tief in die Nacht hinein: Kinder bedürfen, mehr noch als Erwachsene, einer regelmäßigen, ihrem Alter entsprechenden Nachtruhe. Schlafmangel beeinträchtigt die geistige und seelische Entwicklung. | | Verena Katerle |
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| 30. September 2008 |
| Kategorien: Schule und Lernen | Erziehung |
|  | | Darüber reden ist nicht dasselbe wie ... | ... es zu tun. | Reden, reden, reden In der modernen Schule wird viel Zeit darauf verwendet, über richtige Einstellungen und erwünschtes Verhalten zu sprechen. So wurde zum Beispiel das Fach Ethik in den Stundenplan eingegliedert. Wozu dies? Glauben wir, das wohlmeinende Appellieren an den Verstand der Schüler brächte irgendwelche tatsächlichen Verhaltensänderungen mit sich? Wir tun so, als könnten wir durch das Sprechen und nachdenkliche Diskutieren über bestimmte Tugenden dieselben gleichzeitig in unser Verhaltensrepertoire aufnehmen. Was für den Sport gilt … Im Sport wird sogleich jedem einleuchten, daß ohne Körperübungen keine Steigerung der Leistung möglich ist. Glauben wir etwa, für die sozialen und geistigen Tugenden besitze das Übenmüssen keine Geltung? Wäre dies so, dann gäbe es keine Alkoholiker, Raucher, Spieler, Eßgestörte und so fort. Sie wären längst von ihrer Sucht geheilt, weil ihnen die Schädlichkeit ihres Tuns begreiflich gemacht wurde. Mehrheitlich wissen sie genau, was sie ihrem Körper antun – und tun es trotzdem! Nein, am mangelnden Willen liegt es nicht. Woran dann? … gilt auch für den Geist So wenig die bloße Einsicht in die schädlichen Folgen des Rauchens dabei hilft, das Rauchen einzustellen, so wenig nützlich sind Appelle an Fairness, Friedfertigkeit, Liebenswürdigkeit, Teilenkönnen und so weiter. Das ständige Sprechen darüber kann sogar zum Gegenteil führen, denn es ist für die Schüler alles andere als angenehm, sich die endlosen Predigten des Gutseinsollens anzuhören. Weshalb tun wir den Kindern das an? Etwa aus Ratlosigkeit? Was wir brauchen, ist ein Verhaltenstraining. Dazu benötigen Kinder in der Schule praktische Aufgaben und gute Vorbilder. Tugenden erwachsen aus dem Handeln, und nur daraus. Dies geschieht ganz unwillkürlich und fast nebenbei. Tugenden lernen im Deutschunterricht? So wird zum Beispiel im normalen Deutschunterricht jedes sittliche Verhalten geübt, welches das Fach Ethik zum eigenständigen Thema kürt: Achtung vor dem Anderen, Zuhörenkönnen, Aufmerksamkeit, Sorgfalt, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Beharrlichkeit, Ehrlichkeit, Toleranz ... Was nützen uns denn die Lippenbekenntnisse zum Guten, die wir im Gespräch um Tugenden von den Schülern hören wollen und auch zu hören bekommen? Erziehen wir sie da nicht zu Heuchelei und Unwahrhaftigkeit? Früh lernen sie, ihre echten Gefühle und Meinungen zu unterdrücken und nur das zu sagen, was »korrekt« ist im Sinne der positiv konstruierten Weltsicht, die ihnen im Unterricht vermittelt wird. Das wahre Leben findet draußen statt, vor den Schultoren. Und dort ist jedes Lippenbekenntnis nicht beständiger als ein kühlender Lufthauch. Mit dem Ansinnen, sie hauptsächlich durch Nachdenken, Diskutieren und Philosophieren zu tugendhaften Menschen heranziehen zu wollen, stellen wir unsere Kinder und Jugendlichen vor eine unlösbare Aufgabe. Wie fühlt sich ein Mensch, der vor einer Aufgabe steht, die er nicht lösen kann? Eine Antwort auf diese Frage möge sich der geneigte Leser selbst geben. »Das Wissen um das Gute allein reicht nicht aus« Lassen wir zum Schluß einen Pädagogen zu Wort kommen, der sich lebenslang mit solchen Fragen beschäftigt hat: »Auch für die sittliche Tüchtigkeit kommt es also in erster Linie darauf an, daß durch häufig wiederholtes gleichartiges Handeln in der richtigen Richtung eine gute Gewohnheit entsteht, eine dauerhafte psychische Disposition. Sie ist ein Ergebnis der Gewöhnung, und diese Gewöhnung muß im Kindesalter beginnen. Sie setzt gute Sitte im gesellschaftlichen Lebensraum und erzieherische Anleitung voraus. Bevor die Belehrung durch Worte wirken kann, muß die Seele des Hörers zuerst durch Gewöhnung dazu bereitgemacht werden, das Gute zu lieben und das Böse zu verabscheuen. Die Triebregungen und Gefühle bilden die seelische Kraftquelle für jede Tugend, aber sie müssen durch Übung (Askese) im tugendhaften Handeln kultiviert werden. Das Wissen um das Gute allein reicht nicht aus. Es soll aber in dem Maß, in dem die Erkenntnisfähikeit zunimmt, zur Übung hinzutreten. In vollem Sinn tugendhaft ist nur der, der auch die Gründe für das tugendhafte Handeln einsieht.« Wolfgang Brezinka, Tüchtigkeit. Analyse und Bewertung eines Erziehungszieles. Verlag Ernst Reinhardt, Seite 32 | | Karin Pfeiffer |
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| 07. August 2008 |
| Kategorie: Erziehung |
| Der folgende Text entstand vor etwa hundert Jahren. Es lohnt sich, über seine Aussage nachzudenken. Deutlich wird darin die Erkenntnis, dass Glück und Zufriedenheit nicht auf direktem Wege gelernt, erworben, vermittelt werden können. Ein positives Lebensgefühl wird sich am ehesten für jenen Menschen einstellen, der die Nüsse selbst knacken muss. Wir sollten daher keine Scheu davor haben, unseren Kindern in der Lebensführung Selbständigkeit dort zuzugestehen, wo die Voraussetzungen dazu gegeben sind. Hindernisse und Hürden allerlei Art sind nichts anderes als jene Ziegelsteine, aus welchen das Haus des Glücks gebaut wird. | | Gesegnet mein Wille zum Leiden! Ich verdanke ihm meinen inneren Frieden, meinen Mut im Lebenskampfe, meine Kraft und Stärke. Traurig lächeln muß ich, wenn ich allenthalten verkünden höre, das heranwachsende Geschlecht solle eine Erziehung zur Lebensfreude erfahren. Was für eine Gattung Freude mag das sein, von der diese Erzieher träumen? Zur gemeinen Lebensfreude braucht nicht erst erzogen zu werden, den Weg zu ihr finden Menschen und Tiere von selbst; es kann also doch nur von einer schönen und erhabenen Daseinsfreude die Rede sein, und den Weg, der zu ihr führt, haben wir gekannt, ehe einer der Lebensfreude-Verbreiter, die jetzt so laut werden, geboren war. Wir wußten, daß dieser Weg das Streben nach Selbstvervollkommnung ist, daß in ihr das einzig reine Glück der Erde besteht und daß es nur durch den Willen zum Kämpfen und zum Leiden errungen werden kann. Marie von Ebner-Eschenbach (1813 - 1916)
|  foto: pixelio |
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| 12. Juni 2008 |
| Kategorien: Schule und Lernen | Erziehung |
Im Unterricht Englisch in der fünften Klasse. Ein kleiner Test steht auf dem Programm. Ich diktiere gerade die erste Aufgabe, da hebt Frank seine Hand. In der Erwartung, er wolle eine Frage zum Test loswerden, rufe ich ihn auf. Er zieht ein kleines Heftchen aus der Tasche, wedelt damit in der Luft herum und fragt: »Kann ich ein neues Vokabelheft anfangen? Das alte ist leer.« (Seltsam, alle meine Schüler sagen, das Heft sei »leer«, wenn sie sagen wollen, es sei »voll« oder »vollgeschrieben«.) Mein erster Impuls ist ein Gefühl des Ärgers. Was muss Frank das gerade jetzt fragen! Als ob das nicht bis nachher Zeit hätte. Doch besinne ich mich rechtzeitig und sage mit freundlicher Gelassenheit: „Ja." Dann diktiere ich weiter, und Frank schreibt zufrieden mit. Die Störung ist kurz, kaum wird sie von den anderen registriert.  foto: pixelio
Sie sind ganz anders Schulkinder sind so ganz anders als Lehrplanmacher, Schulaufsicht und sogenannte Fachleute das wahrhaben wollen. Diese kommen uns Lehrern mit wissenschaftlichen Ansprüchen und romantischen Vorstellungen von Pädagogik, wie sie mit dem Schulalltag nur wenig zu tun haben. Ein paar Superschüler mögen ja mit einem »ideal konstruierten« Unterricht gut zurecht kommen, doch solche sitzen leider nicht vor mir, und schon gar nicht in dieser Klasse. Meine Schüler hier wollen nichts von Modalverben wissen, die brauchen eher meine Entscheidungshilfe für die Wahl der Farbe beim Unterstreichen von Wörtern, und sie fragen danach, wie viele Zeilen Abstand sie im Heft freilassen sollen unter der Überschrift.
Die »zerbrochene Schallplatte« Fragen wie die von Frank werden meist dann gestellt, wenn der Lehrer sie nicht erwartet. Das ist ganz und gar nichts Ungewöhnliches. Auch werden immerzu dieselben Fragen gestellt, gelegentlich mehrmals in einer einzigen Unterrichtsstunde. Der Mensch ist eben gewöhnt, nur dann hinzuhören, wenn er selbst es war, der eine bestimmte Frage gestellt hat. Kollektiven Erklärungen hört er nicht zu, denn wer ist das denn schon, dieses Kollektiv! Das sind doch die anderen, das geht einen nichts an. Man hört ja dem ollen Fernseher auch nicht zu, weil der immerzu und zu allen spricht, aber eben nicht zu einem persönlich. Der Lehrer als »zerbrochene Schallplatte«: wieviel Ärger häuft sich da an im Laufe der Monate, Jahre, Jahrzehnte ! Nicht nur beim Englischtest Was Frank betrifft: er fragt nicht, weil er mich, seine Lehrerin, ärgern will. Er fragt aus echtem Orientierungsbedürfnis. Und deshalb darf er eine freundliche Lehrerantwort erwarten. Hat er sie bekommen, hakt er die Angelegenheit ab und wendet sich konzentriert dem Unterrichtsgeschehen zu. Oft genug geht es dem fragenden Kind aber gar nicht um die Klärung einer Sache, sondern lediglich um die Zuwendung, die es sich damit »erfragen« kann. Wie gehen wir nun damit um? Ich meine, solche Fragen sind legitim. Zugegeben: ich bin nur ein Mensch – Lehrer hin, Lehrer her. Auch ich leide gelegentlich unter den negativen Begleiterscheinungen der Massenschule. Mir kann bei der soundsovielten Frage nach irgendwelchen »Kleinigkeiten« schon einmal der Kragen platzen. Besser ist es, sich in Gelassenheit zu üben. Jeden Tag aufs neue. Und das nicht nur beim Englischtest in einer Fünften. Verena Katerle | | |
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| 05. April 2008 |
| Kategorie: Erziehung |
 foto: pixelio
Im Vertrauen auf das Gute, angewiesen auf Erwachsene ... »Da die meisten seelischen Fehlhaltungen sich in der Kindheit entwickeln, hat der Erwachsene den Eindruck, daß die Art seines Verhaltens angeboren, er will damit sagen, unabänderlich sei. Die Eindrücke und Formungen, denen ein Kind ausgesetzt ist, sitzen umso fester, je früher im Kindesalter sie gesetzt werden. Vergleicht man die Seele des Kindes mit dem unbeschriebenen Blatt eines Buches, so hat das am meisten Geltung, was zuerst eingetragen wird. Je älter das Kind wird, um so mehr Blätter sind beschrieben. Wenn später alle Kapitel fertiggeschrieben sind, ist eine Änderung schwerer, als wenn von vornherein alles richtig eingetragen wäre.« | Dr. med. M. O. Bruker aus dem lesenswerten Buch: Lebensbedingte Krankheiten. Lebenskrisen bewältigen – Krankheitsursachen vermeiden, emu Verlag, Lahnstein 1986, Seite 173f |
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| 29. März 2008 |
| Kategorie: Erziehung |
Friedrich II. von Hohenstaufen (1194-1250) wollte die Ursprache der Menschen finden. Er glaubte, sie entdecken zu können, wenn beobachtet werde, in welcher Sprache Kinder zu reden anfangen, mit denen noch niemand gesprochen hat. »... und deshalb ließe er viele Neugeborene zusammenlegen und befahl den Ammen und Pflegerinnen, sie sollten den Kindern Milch geben, daß sie an den Brüsten säugen möchten, sie baden und waschen, aber in keiner Weise mit ihnen schön tun und mit ihnen sprechen. Er wollte nämlich erforschen, ob sie die hebräische Sprache sprächen, als die älteste, oder Griechisch oder Latein oder Arabisch oder aber die Sprache ihrer Eltern, die sie geboren hatten. Aber er mühte sich vergebens, weil die Knaben und anderen Kinder alle starben. Denn sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen und Nährerinnen.« Aus der Chronik des Salimbene von Parma (1221-1288) |  foto: pixelio Braucht mehr als Nahrung und trockene Kleidung ... | | | Anmerkung: Fernsehen, Computer, diverse Ton- und Bildkonserven nehmen heute eine dominante Stellung in der Lebensgestaltung der meisten Menschen ein. Was einem Erwachsenen nicht schadet, könnte sich für Kinder negativ auswirken. Verfügen diese doch noch nicht über die nichtsprachlichen und sprachlichen Mittel der Kommunikation, welche für die Teilhabe an der Gesellschaft benötigt werden. Beim Lernen sind die »toten Konserven« überflüssig, für den Lernefolg sogar hinderlich. Alles kindliche Lernen steht und fällt mit der Qualität der personalen Beziehungen. Es wird zwar kein Kind sterben, wenn es zuviel mit dem Computer spielt, aber können wissenschaftliche Instrumente jemals messen, welchen Schaden seine Seele erleidet? Karin Pfeiffer siehe dazu auch: • Sprache beherrscht, wer Begriffe kennt • Buch, Bildung, Bildschirm • Zeig mir deine Zunge |
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| 11. Februar 2008 |
| Kategorien: Erziehung | Besinnliches |
foto: pixelio
Und dies gilt für alle Menschen: Erzwungener Verzicht schwächt, freiwilliger Verzicht macht stark. Erzwungene Solidarität schafft Feindseligkeit, freiwillige Solidarität stärkt den sozialen Zusammenhalt. Es ist schon wahr: Moralisches Verhalten kann befohlen und unter Anwendung von Gewalt erzwungen werden. Und so geschieht es auch täglich und überall. Das eigentlichen Wollen und Empfinden des Menschen jedoch kann nicht in die Untertänigkeit genötigt werden, auch nicht mittels Autorität oder Waffengewalt. Wir erkennen: Dieses und nichts anderes sind die Grenzen jeder Erziehung. Dieses und nichts anderes sind die Grenzen jeder Politik. Karin Pfeiffer | | |
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| 14. Januar 2008 |
| Kategorie: Erziehung |
foto: pixelio
Eine gute Atmosphäre in einer Gruppe von Kindern entsteht nicht durch Vorgabe und Einhalten von Verhaltensregeln, sondern durch den Einfluß und das Vorbild des Erwachsenen. Allein an dessen Verhalten orientieren sich die Kinder. Dazu möchte ich eine Episode wiedergeben, die sich wirklich so ereignet hat. Beobachtet hat sie eine Ausbilderin für Lehrer. »Der Vorfall ereignete sich, als sie [die Ausbilderin] der Lehrerin einer zweiten Klasse zusah, die für ihren kreativen Umgang mit den Schülern bekannt war. Ein Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf hatte darum gebeten, zur Toilette gehen zu dürfen. Als er wieder in die Klasse kam, rief er stolz, er habe es dieses Mal ganz alleine geschafft. Es war ihm nicht bewusst, dass er vergessen hatte, seine Hose und Unterhose wieder hochzuziehen. Was sich im folgenden abspielte, war erstaunlich. Anstelle des beschämenden Gelächters, das man in einer solchen Situation erwarten würde, wandten sich die Schüler um und blickten zu ihrer Lehrerin. Diese applaudierte anerkennend, und alle Schüler folgten ihrem Beispiel. Die Kinder verhielten sich wunderbar zivilisiert und verblüffend freundlich. Die Verletzlichkeit eines anderen zu spüren und sie mit seinem Verhalten zu schützen, erfordert sowohl Reife als auch Können. Die Reife und das Können waren allerdings in der Lehrerin vorhanden, nicht in den Schülern. Was bei ihnen wie soziale Kompetenz aussah, war einfach nur ein Befolgen von Signalen. Die schwierige Situation wurde nicht durch die Beziehung zwischen den Schülern gelöst, sondern durch die Beziehung eines jeden Schülers zu seiner Lehrerin. Unreife Wesen sollten in der Interaktion untereinander nicht auf sich allein gestellt bleiben.« Stellen wir uns vor, in der Schulklasse wäre bei der Rückkehr des Schülers von der Toilette kein Erwachsener anwesend gewesen ... Wie die Reaktion ausgefallen wäre, das mag sich jeder selbst ausmalen. Karin Pfeiffer | Gordon Neufeld, Gabor Maté: Unsere Kinder brauchen uns! Die entscheidende Bedeutung der Kind-Eltern-Bindung. Genius Verlag, Bremen 2006 (Seite 256f) Allen Eltern und Lehrern zur Lektüre dringend empfohlen!
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| 16. Dezember 2007 |
| Kategorie: Erziehung |
foto: pixelio
»Du gibst dem Jugendlichen eine Form, einen äußeren Rahmen, eine begrenzte Zeit, eine bestimmte Grenze vor. Innerhalb dieses Rahmens gewährst du völlige Freiheit. Die Freiheit wird nicht von der gegebenen Form begrenzt. Ganz im Gegenteil glaube ich, dass die Freiheit dem Kind erst dadurch ermöglicht wird, indem man Formen setzt, weil es seine eigenen Grenzen noch nicht selbst setzen kann.« | | Anna Wahlgren, Das KinderBuch. Wie kleine Menschen groß werden. Seite 587, Beltz Verlag 2004 | | | Kommentar von Karin Pfeiffer Manche Lebenserscheinungen sind entweder ganz oder gar nicht. Freiheit zum Beispiel ist unteilbar und kompromißlos. Gemaßregelte Freiheit ist ein Widerspruch in sich, denn Freiheit ist das Gegenteil von Gängelung. Wenn du einem Kind sagst: Bis 20 Uhr bist du frei und kannst selbst entscheiden, was du machst!, dann wirst du dich daran halten müssen. Verlangst du aber gleichzeitig vom Kind einen Plan mit einer detaillierte Aufzählung dessen, was es mit der Freiheit zu tun gedenkt, dann mißbrauchst du das Wort »Freiheit«. (Dies erinnert mich gerade an das Stichwort "Autonome Schule".) Um reifen zu können, brauchen Kinder klar definierte Freiräume, die sie selbständig und völlig frei ausfüllen können. Hierbei müssen wir Erwachsenen lernen zu vertrauen. Wir müssen lernen, die Eigenständigkeit unserer Kinder anzuerkennen. Der Rahmen, innerhalb derer sie sich bewegen, soll lediglich vor ernsten Gefahren und Verwahrlosung schützen. Erst dieser feste Rahmen garantiert Freiheit, die ihrem Namen gerecht wird, darin wird man Anna Wahlgren gern zustimmen wollen. | | |
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| 19. November 2007 |
| Kategorie: Erziehung |
 foto: pixelio | Vom Spiegeln: Nachahmen ist die Grundlage der Kommunikation Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie wir Menschen einander spiegeln? Gesprächspartner ahmen die Bewegungen des anderen nach, oft bis in die Details. Wir reagieren aufeinander. Unsere Bewegungen zeigen an, wie wir auf den anderen eingehen. Schon das Kleinkind weiß, wie es bestimmte Bewegungen beim Gegenüber herausfordern kann: Streckt das Baby die Zunge heraus, so wird es der einfühlsame Erwachsene höchstwahrscheinlich auch tun. Das ist der Beginn der Beherrschung der Welt! Der Beginn der Kommunikation. Die Welt erscheint berechenbar, man kann sich in ihr orientieren. Aus dieser bahnbrechenden Erkenntnis erwächst das Gefühl der Sicherheit, die das Kind so notwendig braucht wie die Luft zum Atmen. Umgekehrt aber verhält es sich ebenso: Spitzt der Erwachsene die Lippen, so wird das Kind mit einem Spitzen der Lippen »antworten«. Zwischen den beiden entsteht durch das Spiegeln eine unsichtbare Brücke zwischen dem Du und dem Ich. Strecken Sie also ruhig die Zunge heraus, wenn ihr kleines Gegenüber das auch macht. Das macht doch auch richtig Spaß! Nichts wäre der Entwicklung und der seelischen Gesundheit eines Kindes abträglicher, als wenn die Erwachsenen sich das »alberne« Spiegeln verkniffen. Mütter handeln ohnehin instinktiv richtig. Je alberner, desto besser! Nie darf man sich dabei jedoch von dem Gefühl der Überheblichkeit leiten lassen: Zynisches Nachäffen zerstört den Spiegel. Die Wurzel der Freude, der Ursprung der Lebenslust – sie wohnen nur im freundlichen und liebevoll vorgehaltenen Spiegel! Auch als Erwachsene brauchen wir täglich und ohne Unterlaß die Bestätigung, daß die Umwelt auf unser Selbst reagiert. Nicht gespiegelt zu werden bedeutet den sozialen Tod. Verstehen wir jetzt, weshalb der Klassenclown und der Familienhanswurst nicht von seinen nervenden Späßen lassen will? Aus Furcht vor einem blinden Spiegel zieht er es vor, mit den verärgerten Reaktionen seiner Umwelt zu leben. Auch das ist berechenbar! Auch hieraus ergibt sich ein Gefühl der Beherrschung des Daseins. Die Ursachen liegen wohl in einer verschütteten Angst vor der Gefahr des Verlassen- und Ignoriertwerdens. Karin Pfeiffer
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| 03. Oktober 2007 |
| Kategorien: Schule und Lernen | Erziehung |
»Es ist bedauerlich, daß man den Kindern heute alles erleichtern will, nicht nur jedes Lernen, jede Aneignung von Kenntnissen, sondern selbst das Spiel, und die Spielsachen sollen dazu beitragen. Kaum beginnt das Kind die ersten Worte zu lallen, da ist man schon bemüht, ihm alles zu erleichtern. Die ganze Pädagogik kennt jetzt nur noch die Sorge um die Erleichterung. Eine solche Erleichterung ist aber mitunter keineswegs eine Förderung der Entwicklung, sondern im Gegenteil eine Verleitung zu Oberflächlichkeit, gewissermaßen eine Abstumpfung. Ein paar Gedanken, ein paar Eindrücke, die der Mensch in der Kindheit aus eigener Kraft (ja, meinetwegen auch unter Schmerzen) tiefer erlebt hat, werden das Kind viel tiefer mit dem Leben vertraut machen, als es jede erleichterte Schule tun könnte, aus der denn auch in der Regel nichts Persönliches hervorgeht, weder dies noch das, weder Gutes noch Böses, selbst im Laster nichts Lasterhaftes und auch in der Tugend nichts Tugendhaftes.« | Diese Zeilen stammen nicht, wie man vermuten könnte, von einem Zeitgenossen. Sie wurden vor rund 150 Jahren zu Papier gebracht. Urheber ist der russische Philosoph und Dichter Dichter Fjodor Michailowitsch Dostojewskij. (1821 - 1881)
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| 30. September 2007 |
| Kategorien: Schule und Lernen | Erziehung |
Als ich heute meine Morgenrunde ging — ich richte mich da nach den Bedürfnissen meines Hundes — begegnete ich der Nachbarin, die ebenfalls mit ihrem Vierbeiner unterwegs war. Wir sprachen dies und das und landeten dann beim Thema Kinder. Meine Nachbarin berichtete mir von einem ihrer Bekannten, deren Dreijähriger bereits einen Computer besäße. »Aber keinen Babycomputer, so'n Plastikdings, sondern einen richtigen.« Sie fände dies überflüssig. Ein Kind müsse doch zuerst einmal mit den realen Dingen des Lebens konfrontiert werden. Ich stimmte ihr zu. Wie kommt es zu diesen grotesken Verirrungen im Umgang mit Kleinkindern? Das Fernsehen und sein gesteigertes Potential, der Computer mit Internetanschluß, erzeugen die uralte Illusion vom mühelosen Lernen. Wenn allein passives Hingucken schlau machen würde, könnte mein Hund das Abendessen kochen, den Tisch decken sowie mit Gabel und Messer essen. Denn bei diesen Tätigkeiten beobachtet er mich täglich mit größtem Interesse und gesammelter Aufmerksamkeit. Lesen kontra Fernsehen Der Bildschirm appelliert an unsere Trägheit, und zwar gleich in zweifacher Hinsicht: nicht denken müssen, sich nicht bewegen müssen. Fernsehen und Internet können eine Art Fluchtweg darstellen, auf dem man sich aus der mühsamen Realität fortstiehlt.
Lesen hingegen macht Mühe. Die Gedanken des Lesenden richten sich konzentriert auf eine innere Welt der Bilder, die bei der Lektüre entstehen. Ein Leser kann derart in seine Lektüre versunken sein, daß er die Umwelt nicht mehr wahrnimmt. Sehen ist anspruchsloser als Lesen. Die fertigen Bilder können im Betrachter den Eindruck erwecken, man verstehe alles, ohne viel darüber nachzudenken zu müssen. Die meisten der abgebildeten Dinge sind uns vertraut, und über Vertrautes muß man nicht nachdenken. Der kontinuierlich einwirkende optische Reiz hat außerdem etwas Einschläferndes. Denken wir an den Reisenden, der im Zug aus dem Fenster schaut. Er kann die vorbeifliegende Landschaft betrachten und doch nicht über das Gesehene nachdenken. Beispiel aus dem Fernsehalltag: Nach einer Kindersendung kommt eine Wissenschaftssendung. Der Fünfjährige bleibt vor dem Fernseher sitzen. Stellen wir uns nun vor, dasselbe Kind hat einer Geschichte für Kinder zugehört, die über den Rundfunk ausgestrahlt wird. Es hat die Worte nur über das Ohr aufgenommen, das Gehirn hat sich seine eigenen Bilder dazu gemacht. Es folgt ein wissenschaftlicher Vortrag über Moleküle. Wird das Kind ebenfalls vor dem Radiogerät sitzen bleiben und zuhören? Karin Pfeiffer (Fortsetzung folgt) |
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| 22. August 2007 |
| Kategorie: Erziehung |
Im letzten Newsletter fanden unsere Leser einen Beitrag zum Thema Erziehung. Heute las ich einen Artikel in der Zeitschrift »Der Naturarzt«*, der genau zu diesem Thema paßt und es durch weiterführende Gedanken ergänzt. Der Beitrag befaßt sich mit Ruhe und Bewegung — dem Rhythmus unseres Lebens, dem die gesamte Schöpfung unterworfen ist. Die Biorhythmen sind unterschiedlich lang — von Zehntelsekunden bis zu Jahrzehnten reichen die Perioden. Tag und Nacht, Woche, Jahr usw. sind vorgegebene Perioden, denen wir uns anpassen müssen. Heute aber werden die Rhythmen zusehends durch technische Möglichkeiten verwischt: die Nacht wird dank der technischen Beleuchtungsmöglichkeiten zum Tag, natürliche Temperaturschwankungen werden mit Hilfe von Klimaanlagen ausgetrickst, den Jahreszeiten entfliehen viele Personen durch Fernreisen. Feste bilden keine echten Höhepunkte mehr, denn viele kleine Feiern und Vorgriffe machen das ganze Jahr zum Fest. Schlemmen und Fasten wechseln einander nicht mehr ab, das ganze Jahr über gibt es Früchte zu kaufen, die man früher nur im Sommer ernten konnte. Arbeit und Freizeit sind beide mit Streß und Unruhe gefüllt, Spannung und Entspannung folgen einander nicht mehr im Wechsel. Feste Zeiten für Mahlzeiten werden nicht mehr eingehalten. Gegessen und getrunken wird jederzeit und überall ... an Beispielen für die Entgleisung der Rhythmen mangelt es nicht. Jedem dürfte bekannt sein, wie belastend Schichtarbeit ist. Die permanente Störung des Biorhythmus bringt den Ablauf der Körperfunktionen durcheinander. Schichtarbeiter tragen ein höheres Risiko, ernsthaft zu erkranken. Doch nicht nur der Körper leidet unter der Störung natürlicher Lebensrhythmen. Nervosität ist die Folge fehlender Enstpannungsmöglichkeiten. Auch seelische Unausgeglichenheit, Depression und Konzentrationsstörungen haben hier ihre Wurzel. Besonders fatal wirkt sich ein gestörter Rhythmus auf die Entwicklung von Kindern aus. Und nun komme ich zu dem Beitrag im »Naturarzt«. Hier ein Abschnitt aus dem lesenswerten Beitrag des Autors, der Arzt ist: Kinder brauchen natürliche Maße und RegelmäßigkeitRhythmik bedeutet Wiederholung, Stärkung und Vertiefung. Denken wir an ein Kleinkind, das laufen lernt. Auf und nieder, Stehen und Hinfallen. Ein Prozess, der mit mehr oder weniger Geduld, aber immer mit Hartnäckigkeit wiederholt wird, bis es gelingt: das Laufen in der Aufrechten. Gerade das Kind benötigt in den ersten Jahren rhythmische Prozesse als Haltepunkte für eine gesund Entwicklung. So bringen dauernde Ortswechsel, das Herausnehmen aus der gewohnten Umgebung oder unregelmäßiges Essen Unruhe in die Entwicklung. Beschwerden wie Schlafstörungen, Überaktivität und Stimmungsschwankungen sind die Folge. Die äußere Ordnung ist Grundlage für die innere Stabilität, die die Basis für eine robuste Gesundheit bildet. Rhythmus stärkt Willenskräfte und damit auch die Leistungsbereitschaft des Kindes. So finden sich bei Lernstörungen im Hintergrund oft fehlende Haltepunkte im Leben des Heranwachsenden.
Karin Pfeiffer | * Der Naturarzt, Ausgabe Nr. 9, September 2007, Seite 18 Verfasser des Artikels: Christian W. Engelbert, Arzt |
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| 10. August 2007 |
| Kategorie: Erziehung |
| oder: Was verbindet diese Kinder? |  foto: pixelio
| Liebe Leser, das kennen Sie sicher: Man bummelt durch die Fußgängerzone einer Stadt. Aus einer Seitengasse nähert sich schrilles Kleinkindgeschrei. Es steigert sich, schwillt an, überlagert schließlich die akustische Landschaft. Die Tonlage ist teils aggressiv-fordernd, deutlich heraushörbar sind Hoffnungslosigkeit und unendliche Verzweiflung. Nun kommt die Quelle des Lärms in Sicht: Einjähriges im Sportwagen. Der kleine Körper bäumt sich auf, kämpft voller Energie gegen einen unsichtbaren Feind. Die junge Mutter schiebt mit echtem oder gespieltem Gleichmut Sportwagen samt kreischendem Inhalt vor sich her. Dem phantastisch sich verkrümmenden und puterrot angelaufenen Kleinkind wird wenig Achtung geschenkt. Gelegentlich bekommt das Kind den Schnuller in den Mund gesteckt — oder es wird ihm alternativ etwas Eß- bzw. Trinkbares gereicht. Diese unerhörte Zumutung wird prompt ausgespieen. | | Kulissenwechsel, nur die Personen sind andere. Der Sportwagen nicht ganz so elegant. Wieder Sirenengeheul, Aufbäumen, halbherzige wie vergebliche Beruhigungsversuche. Wir sind in einem Kaufhaus. Die sehr junge Mutter begutachtet Dessous. Das Kleinkind kippt mehrmals fast aus dem Gefährt. Unkonzentriert unternimmt die Mutter einen Versuch, das brüllende Kind hochzunehmen; dieses macht sich steif wie ein Brett und kreischt, als sei sein Leben in Gefahr. Die Mutter wendet sich lieber wieder den Textilien zu, die sind einfacher zu handhaben. Dritte Szene, diesmal in freier Natur. Den steinigen Pfad zum Alpengipfel schreiten wir zügig voran. Es ist kurz nach Mittag, die Sonne brennt. Da kommt uns in schneller Fahrt ein Mountainbiker entgegen. Auf dem Gepäckträger hopst und baumelt etwas Rotgelbes. Ein Ball? Als der sportliche Biker an uns vorübersaust, erkennen wir: der Ball, das ist ein Kinderkopf! Im Fahrradsitz das kleine Mädchen ist etwa ein Jahr alt. Es trägt einen rotgelben Sonnenschutz. Auf dem holprigen Pfad schleudert das Kinderköpfchen haltlos hin und her. Die Muskulatur des Einjährigen ist noch nicht kräftig genug, um den Kopf bei heftigen Stößen und plötzlichen Richtungsänderungen stabil zu tragen. Uns bleibt der Mund offen stehen, und bevor wir unsere Sprache wiederfinden, sind Mann und Kind schon außer Rufweite. Das Bild des haltlos baumelnden Kinderkopfes bedrängt mich bis heute. Was mag aus dem Kind geworden sein? Verzweifelt brüllende Kleinkinder in der Stadt und das körperlich in Gefahr gebrachte Einjährige auf dem Alpengipfel — was verbindet sie? Es ist die Gedankenlosigkeit ihrer Eltern, der Verlust jeden Gespürs dafür, was man einem Kind geistig und körperlich zumuten darf und was nicht. Uns Menschen fehlt der Instinkt, der zum Beispiel die Tiere anleitet, das Richtige zu tun. Der Mensch unterscheidet sich vom Tier durch seine Kultur. Er hat sie mit der Einbuße seines Instinkts bezahlt und ist nunmehr darauf angewiesen, bestimmte zum Überleben notwendige Verhaltensweisen von erfahrenen Mitgliedern der Gesellschaft lernen zu müssen. Bei der Weitergabe dieser Verhaltensweisen scheint die moderne Gesellschaft zu versagen. Viele junge Menschen wissen anscheinend nicht mehr, wie nötig ein Kind neben Anregung auch Ruhe und Schonräume braucht, wo es seine körperlichen und geistigen Anlagen ungestört entfalten kann. Das Kind in der Großstadt kann sich selbst nicht vor Reizüberflutung wehren. In einer wenig rhythmisierten Umwelt leidet es an Dauerstreß, ist ständig übermüdet und kann sein Unwohlsein und seine Verzweiflung nicht anders als durch Dauergebrüll ausdrücken. Der sportliche Vater auf dem Alpengipfel meint es besonders gut, wenn er sein Töchterlein überall hin mitnimmt. Doch hält er das Kind wohl für eine Art Puppe. Ihm ist nicht klar, daß gewisse Voraussetzungen in der Entwicklung des Kindes erfüllt sein müssen, ehe er sein Kind solch gewaltigen körperlichen Strapazen aussetzen kann. Einschränkungen in der persönlichen Lebensführung zugunsten des Kindes werden aus Unwissenheit weder hier noch dort als nötig erachtet. Diese jungen Eltern handeln nicht aus Rücksichtslosigkeit oder gar Böswilligkeit. Sie wären entsetzt, wenn sie begriffen, wie ihr Verhalten sich auf das Kind auswirkt. Ob man ihnen das klarmachen könnte, ist allerdings eine andere Frage. Denn gedankenloses Verhalten Kindern gegenüber ist inzwischen weit verbreitet und wird daher von vielen Erwachsenen bereits als normal betrachtet. Alles ist möglich, alles ist machbar, Schonraum für Kinder und Rücksicht auf deren Befindlichkeit sind dann wohl irgendwie »von gestern«. Karin Pfeiffer |
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