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Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

 
05. Juli 2010
Frühkindliche Bildungsförderung
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

 
foto: Jens Weber / pixelio

Um Kinder zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt zu »bilden«, werden von diversen Interessenverbänden Investitionen gefordert, welche den spezifischen Bildungseinrichtungen zugute kommen sollen. Hierzu könnte die jüngste Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung recht ernüchternd wirken. Um das Ergebnis vorwegzunehmen:
Geld, das der Staat in »frühkindliche Bildung« steckt, scheint zum Fenster hinausgeworfen. Berlin zum Beispiel übertrifft in der Höhe der Investitionen alle anderen Bundesländer, wartet jedoch mit einer hohen Zahl von Sitzenbleibern im Grundschulalter auf — Ursache: mangelhafte Fertigkeiten im sprachlichen Bereich. Und dies nicht nur bei Kindern aus fremdsprachigen Familien. Den folgende Abschnitt zitieren wir aus dem aktuellen Rundschreiben des Instituts für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V. (iDAF):

Trotz dieser hohen »Investitionen« scheitern viele Berliner Kinder daran, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Jeder sechste Grundschüler konnte 2009 nicht versetzt werden, für die aktuelle Zeugnisrunde erwarten die Bezirke sogar noch mehr Sitzenbleiber. Lehrer beklagen besonders die fehlende Sprachkompetenz von Kindern. Nicht nur türkische und arabische, auch deutsch-stämmige Kinder artikulierten sich in einer »unglaublichen Kiezsprache«. Diese Kinder haben fast alle mehrere Jahre lang eine Kindertagesstätte besucht. Dort haben sie sich gegenseitig die Kiezsprache, nicht aber die deutsche (Hoch)Sprache beigebracht. Um diese zu erlernen bräuchten sie Erwachsene, die ihnen vorlesen und viel mit ihnen sprechen. Erzieherinnen sind mit dieser Aufgabe häufig überfordert: Zu groß und zu heterogen sind die Gruppen, zu wenig Zeit bleibt für das einzelne Kind. [Hervorhebung durch den Stolz Verlag]

Das komplette Rundschreiben des iDAF -->

Als wir diesen Abschnitt lasen — insbesondere die hier eigens durch Fettdruck markierten Sätze — erinnerten wir uns spontan an das hochaktuelle und lesenswerte Buch des Autorengespanns Gordon Neufeld und Gabor Matè: »Unsere Kinder brauchen uns«. Die Autoren warnen seit Jahren unermüdlich vor dem Phänomen der Gleichaltrigenorientierung, wie sie durch die in Schulen gebildeten Peergroups entstünden. Es fehle das Vorbild der Erwachsenen, welche Werte, Tradition, Fertigkeiten und andere wichtige Verhaltenscodes vorleben könnten. Die Desorientierung der Jugendlichen führe zwangsläufig zu einer eigenen Jugendkultur der Orientierung aneinander. Es muß nicht eigens betont werden, welcher Art die »Werte« sind, die sich hier bilden, und was dies langfristig für die westliche Kultur bedeutet.

Die Gesellschaft hegt die Erwartung, daß Kinder wie selbstverständlich unsere Tradition in Sprache, Kultur und Moral übernehmen, obwohl man sie in Masseninstitutionen weitgehend sich selbst überläßt. Währenddessen sind die einstmals mit Unterricht und Erziehung betrauten Lehrkräfte gezwungen, sich hauptsächlich mit bürokratischem Formalkram wie Messen und Wiegen, Sammeln von Zahlenmaterial und Erstellen von Statistiken zu befassen. Wer wünscht, daß sein Kind ein Instrument spielen lernt, muß ihm zeigen, wie man das macht und ihm die Möglichkeit geben, das Spielen fleißig zu üben. Gerade das aber tun wir nicht: wir werfen der jungen Generation eine ganze Litanei verbaler Anweisungen an den Kopf und lassen sie dann mit sich selbst und ihresgleichen allein in der Hoffnung, sie würden sich das alles nun selbstverantwortlich beibringen. Glauben wir wirklich, Kinder seien dazu in der Lage? Dann allerdings wäre Erziehung überflüssig, denn wir hätten es mit erwachsenen, ausgereiften Charakteren zu tun. Wir erwarten von unseren Kindern die Einsicht und Reife, die sie dazu befähigt, selbstverantwortlich Reife und Einsicht zu entwickeln. Sie sollen sich quasi selbst unterrichten ganz ohne Erwachsenenvorbild. Solche Paradoxien werden von den hohen Kathedern der akademischen Bildungswissenschaft aus verbreitet und den Lehrern in der Ausbildung als letzte Weisheit vermittelt. Wenn das kein grober Unfug ist — was ist es dann?

Gerade im Bereich der Sprache ist der seit Jahrzehnten voranschreitende Verfall der kindlichen Fähigkeiten besonders gut zu beobachten. Auch die Verhaltensweisen unter Jugendlichen haben eine drastische Veränderung erfahren; die neu entstandenen Normen der Jugendkultur richten sich nur bedingt nach den uns vertrauten Moralgesetzen. Eine andere Jugend wächst heran. Hier ist nun nicht der Ort, Zukunftsvisionen zu entwerfen oder Wertediskussionen zu führen. Jedoch soll eines nicht ungesagt bleiben: In unserer Eigenschaft als Eltern und Lehrer müssen wir uns fragen, ob der Weg, den die Gesellschaft mit der Vorantreibung der Frühbeschulung eingeschlagen hat, wirklich der richtige ist. Wir sollten uns nicht von den eventuell kurzfristigen Vorteilen blenden lassen, als da vor allem die Schaffung von Arbeitsplätzen in den neu entstehenden Institutionen zu nennen wäre. Wir sollten auch nicht das Augenmerk auf den zweifellos neu entstehenden, lukrativen Markt richten, der seinerseits wiederum Arbeit und Umsatz verspricht (Hersteller von Möbeln, Raumausstattung, Verköstigung, didaktischem Material, Spielzeug und anderes mehr). Kurzfristige Vorteile sind nicht selten langfristig gesehen ein Nachteil für die Gesellschaft. Irrwege sind in der Geschichte immer dann beschritten worden, wenn sie verlockend erschienen und Mehrwert versprachen. Bezüglich der Frühbeschulung sollten wir die warnenden Stimmen ernstnehmen, besonders jene, die auf praktischen Erfahrungen beruhen (siehe Gordon Neufeld und Gabor Matè).

Glaubt unsere Gesellschaft wirklich, die Haltbarkeit der Brücke, die uns Menschen in Frieden und Freiheit verbindet, und die wir Zivilisation nennen, sei allein mit Geldscheinen aus Papier zu gewährleisten? Das fragt sich besorgt

Ihre
Karin Pfeiffer

 
 
02. Juli 2010
Zeugnisschreiben
Kategorien: Schule und Lernen | Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

Als ich meine ersten Berichtszeugnisse schrieb, bereitete mir das erhebliches Kopfzerbrechen. Bei einigen Kindern fiel es mir leicht, passende Sätze zu formulieren, bei anderen wieder wollte mir gar nichts einfallen. In mir keimte Unwillen. Ich fragte mich, ob ich denn eine schlechte Lehrerin sei, weil ich mich nicht in der Lage sah, jedem Kind spontan einige passende Sätze ins Zeugnis zu schreiben.
Ich fragte mich, wie es wohl meinen Kolleginnen und Kollegen ginge. Floss es denen aus der Feder? Oder schlugen sie sich mit denselben Problemen herum? Zweifel nagten, ob ich es denn richtig machte: durfte ich schreiben, dass Angelika durch ihre Kaspereien den Unterricht oft störte? Und wenn, welchen Nutzen, welche Änderung brachte es? Und wie formuliert man kluge Bemerkungen für ein Kind, das einem so gar nicht aufgefallen ist und zu dem man eigentlich gar nichts sagen kann, als dass es leistungsmäßig im Klassendurchschnitt liegt? Wohl wissend, dass die Kinder selbst wahrscheinlich wenig von den Formulierungen verstehen und die Eltern beim Gespräch nachbohren würden, wie sie denn nun diesen oder jenen Satz zu verstehen hätten, quälte mich beim Schreiben eine Art Gefühl der Vergeblichkeit. Ich begann, ziemlich frei zu formulieren und schrieb, wie mir mein Gefühl dies diktierte.

Wer hat sich das mit dem Berichtszeugnissen ausgedacht? Kann eine Lehrerin, kann ein Lehrer, wirklich den individuellen Lernstand und die individuelle Lernentwicklung jedes einzelnen Schulkindes exakt und gerecht nachvollziehen? Ich meine, dass wir den Gedanken zulassen sollten, möglicherweise einem Irrtum aufzusitzen: nämlich dem, dass durch katalogisierte und systematische Formulierungen mehr Bewertungsgenauigkeit oder Gerechtigkeit erzielt werden könnte! Überschätzen wir da nicht unsere eigenen Fähigkeiten? Mal ehrlich: welche Mutter, welcher Vater, ist schon bei seinen eigenen Kindern immer so genau in der Lage zu sagen, was in ihnen vorgeht, welche Probleme sie durchmachen oder Entwicklungsstufen sie durchlaufen, überspringen oder verpassen? Und eine Lehrkraft, die bis zu 30 Kinder in der Schulklasse beurteilen soll, wie schafft sie das?

Das Erstellen von Wortgutachten benötigt Zeit, viel Zeit. Diese Zeit geht dem direkten zwischenmenschlichen Kontakt verloren. Ein Phänomen unserer Zeit ist, dass wir uns heute lieber mit Maschinen und Tabellen befassen als mit unseren Mitmenschen. Auch an Schulen wird zu viel Zeit damit verbracht, in Konferenzen über Erziehung zu reden, Organisatorisches zu planen, an Schreibtischen Statistiken zu erstellen ... Derweil lassen wir sie allein, unsere Kinder, denen ein Wort und eine Geste von uns lieber wären als aufwendig erstellte Wortgutachten, die sie nicht verstehen und die  wiederum selbst interpretierungsbedürftig sind.

Inzwischen gibt es schablonenhafte „Wortübersetzungen“ parallel zu den Zensuren eins bis fünf. Im Grunde ist das paradox. Wir übersetzen eine Ziffernzensur in einen Satz, der dann im Gespräch wieder zurück übersetzt wird in eine Ziffernzensur. Ist das Sinn der Sache?  Aus diesem Grunde möchte ich die Sie, die Lehrer ermutigen, beim Schreiben der Zeugnisse individuelle, persönliche Formulierungen zu wählen. Machen Sie es sich nicht zu schwer. Wenn Sie ein gutes Verhältnis zu Eltern und Kindern haben, können Sie gar nichts falsch machen. Bestehen allerdings Differenzen, wird man an allen Formulierungen, mögen sie so oder anders sein, etwas auszusetzen haben. Das ist wie in der Geschichte vom grünen Fahrrad, die Ursula Wölfel geschrieben hat: man kann es einfach nicht allen recht machen.

Karin Pfeiffer
 
 
16. April 2010
Wissenschaftlich erwiesen?
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

Zwei Fragen

Nicht alles, was als wissenschaftlich erwiesen gilt, ist auch wahr. Die Leserbriefschreiberin Gisela Glaser drückt dies so aus:

Gerade im medizinischen Wissenschaftsbetrieb gelten diese beiden Regeln: »Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!« und »Wes' Brot ich ess, des Lied ich sing.« Leider wissen das viel zu wenige Menschen und sind dann verunsichert, wenn wieder einmal »wissenschaftlich bewiesen« wird, dass bestimmte Vitamine oder eine Heilpflanze nichts nützen oder gar schaden. Deshalb ist es immer wichtig, bei solchen Ergebnissen zwei Fragen zu stellen:

1. Wem nützt dieses Ergebnis?
2. Wer hat die Studie finanziert?

(Gisela Glaser, 72654 Neckartenzlingen; in Naturarzt Nr. 7/2009)

Anmerkung der Redaktion:
Diese beiden Fragen dürfen auch im wissenschaftlich verbrämten Pädagogikbetrieb nicht tabu sein, wenn uns das Wohlergehen unserer Kinder ebenso am Herzen liegt wie unsere körperliche Gesundheit.
 Nicht selten sagen uns Erfahrungswissen und Verstand das Gegenteil dessen, was Experten verkünden. Ich rate dem geneigten Leser, der eigenen, inneren Stimme das Vertrauen zu schenken ...

 
 
28. März 2010
Was eigentlich ist Geld?
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

 

Der Schuster, der Bauer und der Fürst

Was eigentlich ist Geld? Eine kleine Einführung in Form einer Geschichte.
von Roland Baader

Eigentlich ist es ganz einfach. Bei jedem Tausch — Kauf, Verkauf — wird Produktion gegen Produktion getauscht. Der Verkäufer bietet ein bereits produziertes und noch zu produzierendes Gut (oder Dienste) an — und der Käufer als Gegenleistung ebenfalls.

Versetzen wir uns also in einen Realaustauschmarkt ohne Geld. Ein Schuster bietet ein Paar Schuhe an. Ein Bäcker möchte sie haben und bietet dem Schuster dafür 30 Brote an, je ein frischgebackenes Brot an 30 Tagen. Bei der Transaktion wurde also ein bereits produziertes Gut gegen 30 noch zu produzierende Güter getauscht. Nehmen wir nun an, der Schuster benötigte kein Brot mehr, weil seine Frau selber bäckt. Er möchte aber die Schuhe verkaufen, um mit dem Erlös bei einem Bauer täglich frische Milch zu beziehen. Also sagt er dem Bäcker: »Gib mir einen Zettel mit deiner Unterschrift, auf dem geschrieben steht 'Ich liefere an 30 Tagen des Jahres X je ein frisches Brot an den Inhaber dieses Zettels.'«.

Nun kann der Schuster zum Milchbauer gehen und ihm den Beleg gegen die Zusage anbieten, an 30 Tagen des Jahres X je einen Liter Milch abzugeben. Der Zettel fungiert also als Geld, das den Tausch erleichtert. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß nach wie vor Produktion gegen Produktion getauscht wird — nur eben mit Hilfe von Geldzetteln.

Irgendwann erkennen die Teilnehmer des Wochenmarktes, daß die Zettelwirtschaft zu kompliziert ist, weil Anzahl und Lieferzeitpunkt der zu tauschenden Einheiten nicht immer den Wünschen der möglichen Käufer und Verkäufer entsprechen. Sie beginnen, 'echtes' Geld einzuführen, in Form von Gold und Silber. Es stellt für alle Beteiligten einen Wert dar, weil man es 1) nicht beliebig vermehren und 2) zu allseits geschätztem Schmuck verarbeiten kann.

Aber auch jetzt wird auf dem Markt Produktion gegen Produktion getauscht. Das Edelmetall ist nur als Mittel zur Tauscherleichterung dazwischengetreten. Der Schuster sagt nun: »Du kannst das von mir produzierte Paar Schuhe gegen soundsoviel Gold haben.« — und der Käufer gibt ihm das Gold, das er nur deshalb besitzt, weil er vorher selber etwas produziert und gegen Gold getauscht hat.

Später kommen die Marktleute auf die Idee, nicht mehr Gold und Silber mit sich herumzutragen, sondern Zertifikate auszustellen, auf denen geschrieben steht: »Ich garantiere dem Inhaber dieses Zertifikates, daß ich es jederzeit gegen x Gramm Gold eintausche.« Wiederum hat sich an den Tauschvorgängen nichts geändert. es wird Produktion gegen Produktion getauscht, nur mit einem kleinen Umweg über das Gold, und dann dessen Zertifikat.

Irgendwann tauscht der Gedanke auf, nicht mehr lange Belege zu schreiben, sondern nur noch Zettel mit dem Aufdruck '1 G' oder '5 G' oder '10 G' usw. zu benutzen, ausgegeben von einem Goldschmied, bei dem das Gold hinterlegt wurde. Eines Tages reitet der örtliche Fürst vorbei, beobachtet das Markttreiben und sieht die Zettel, die als Tauschmittel dienen. Er weist seinen Kämmerer an, ein paar Tausend davon zu drucken. Der Kämmerer wendet ein: »Aber Euer Gnaden haben doch gar nicht so viel Gold, wie die Zettel ausweisen.« Der Fürst antwortet: »Das spielt keine Rolle, die Leute vertrauen mir. Sie haben sich daran gewöhnt, bei ihren Geschäften nur noch an G-Zettel zu denken und nicht mehr an das Edelmetall, das eigentlich dahinterstehen müßte. Außerdem verbiete ich den Gebrauch aller anderen Zettel außer den meinigen.«

So kommt das ungedeckte Papiergeld in die Welt. Es wird nun nicht mehr Produktion gegen Produktion getauscht, sondern Produktion gegen Papierfetzen, auf denen eigentlich stehen müßte: »Irgendjemand wird schon so dumm sein, gegen Hergabe dieses Zettels etwas zu produzieren, weil er glaubt, dieser sei nach wie vor eine Produktionszusage.« Sobald die Leute das merken und allmählich aufhören, etwas für die Papiere zu produzieren, werden die Güter teurer, weil es viel mehr Zettel als Güter gibt. Der Fürst wird seinen Kämmerer dann anweisen: »Erkläre die Zettel für wertlos und gib neue aus [Währungsreform]. Die Leute werden wieder eine Weile an diese glauben, weil sie sich noch daran erinnern, daß man in früheren Zeiten für echtes Geld tatsächlich etwas produziert hat.«

Quelle: „Schweizer Monatshefte“, Januar/Februar 2010, Nr. 975

Der Abdruck erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Autors sowie der Redaktion der Schweizer Monatshefte. Wir bedanken uns für das Entgegenkommen!

 
10. Februar 2010
Null!
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

 

Null!

»Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück — Null!«

Voltaire (französischer Schriftsteller und Philosoph; 1694 - 1778)

 
 
05. Februar 2010
Was uns die Geschichte des Geldes lehren kann
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

 

Geldwertpolitik — knapp 100 Jahre zurückgeblickt

Inflationismus ist die Geldwertpolitik, die die Vermehrung der Geldmenge anstrebt.

Der naive Inflationismus fordert Vermehrung der Geldmenge ohne zu ahnen, daß die Vermehrung der Geldmenge die Kaufkraft der Geldeinheit vermindert. Er will mehr Geld sehen, weil Geldfülle in seinen Augen schon Reichtum ist. Fiat money! [Es werde Geld! — also Geldschöpfung aus dem Nichts] Der Staat möge Geld »schaffen«, um die Armen reich zu machen und von der Zinsknechtschaft der Kapitalisten zu befreien. Wie töricht doch, wenn man auf die Möglichkeit, alle reich und damit glücklich zu machen, die dem Staat durch das Recht der Geldschöpfung verliehen wurde, verzichten wollte, weil es den Interessen der Reichen zuwiderläuft! Wie verbrecherisch von den Nationalökonomen, zu behaupten, es stünde nicht in der Macht des Staates, durch die Notenpresse Reichtum zu schaffen! Ihr wollt Bahnen bauen, Staatsmänner, und klagt über Ebbe in den öffentlichen Kassen? So bettelt doch nicht bei den Kapitalisten um Darlehen und rechnet nicht ängstlich nach, ob eure Bahnen so viel tragen werden, daß ihr die Schuld werdet verzinsen und abtragen können! Helft euch selbst und schaffet Geld! Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
24. November 2009
Klimahysterie
Kategorien: Fundstücke | Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten
 

Altbundeskanzler Helmut Schmidt sagte im Jahre 2007:

»Dieser Weltklima-Rat hat sich selbst erfunden, den hat niemand eingesetzt. Die Bezeichnung Weltklima-Rat ist eine schwere Übertreibung. Diese ganze Debatte ist hysterisch, überhitzt, auch und vor allem durch die Medien. Klimatischen Wechsel hat es auf dieser Erde gegeben, seit es sie gibt …
Seit Hunderttausenden von Jahren haben wir Warmzeiten und Eiszeiten. Zum Beispiel finden sie in Deutschland bis heute Stoßzähne von Mammutelefanten als Beweis dafür, dass es einmal eine Warmzeit gegeben hat, in der Elefanten in Deutschland leben konnten. Oder ich finde in Hamburg-Langenhorn in meinem Garten Gehäuse von Meeresmuscheln — 15 Meter über dem Meeresspiegel. Ein Zeichen dafür, dass in einer früheren Warmzeit der atlantische Ozean bis nach Langenhorn und noch weiter gereicht hat. Die Gründe für diesen vielfältigen Klimawechsel sind einstweilen nicht ausreichend erforscht. Und es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass es nicht so weitergeht. Aber sich darüber aufzuregen und zu meinen, diesen Wechsel könnte der Mensch durch gemeinsamen Beschluss in Heiligendamm aufhalten, das ist reine Hysterie, das ist dummes Zeug.«

Helmut Schmidt im BILD-Interview „Der G8-Gipfel ist nur noch ein Spektakel« 
3.6.2007

 
 
04. Oktober 2009
Rettet die Familie! Antwort auf einen Leserbrief
Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

 
foto: pixelio

Die bedrohte Familie

Herr Moitje fragte mich in seiner Zuschrift zu »Rettet die Familie« (15. September 2009):

1. Wie sieht Ihr persönliches Familienbild aus?
2. Warum und wie hat sich Ihrer Meinung nach die Familie vor allem in der letzten Dekade verändert? Sie sprechen hier von Jahrzehnten. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?
3. Wie sehen Ihre persönlichen familienpolitischen Vorstellungen für die Zukunft aus und welchen Beitrag können LehrerInnen für den Erhalt der Familie leisten?


Hier ist meine Antwort

Sehr geehrter Herr Moitje, Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
15. September 2009
Rettet die Familie!
Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Erziehung

 
foto: pixelio

Die bedrohte Familie

„Keine Gesellschaft hat je über die Zeit Bestand gehabt, der die Familie als Grundlage des Zusammenlebens, der Zugehörigkeit und Gemeinsamkeit verloren gegangen ist. Dennoch oder gerade deswegen ist die Familie wie auch das Recht und das Privateigentum stets den Angriffen staatlicher Willkür ausgesetzt gewesen. Es gab kein totalitäres System, das sich nicht die Entmachtung der Familie zum Ziel gesetzt hätte."
Beatrix Herzogin von Oldenburg

ANMERKUNG DER REDAKTION:
Die gesellschaftliche Entwicklung wird demjenigen Sorgen bereiten, der seinen Blick über den Tellerrand der Alltagsroutine hebt. Wenn Systeme — welcher Art auch immer — durch Fehlfunktionen geschwächt werden und zu kränkeln beginnen, findet sich die erste Bruchstelle im schwächsten Glied. Der Zerfall der Familien entfaltet Folgewirkungen als erstes an den Schulen, wo die schwächsten Glieder der Gesellschaft, unsere Kinder, gemeinschaftlich lernen sollen. Die seismographischen Verwerfungen im Gefüge des privaten Zusammenlebens wurden schon vor Jahrzehnten von Lehrern wahrgenommen. Damals meinte man noch, besonders »schwierige Fälle« mittels psychologischer Spezialbetreuung und Sonderförderung ins Normale heben zu können. Heute kann kaum noch von einer Normalität in Schulklassen ausgegangen werden: der Ausnahmezustand wird zur Regel. Klagen der Pädagogen über sich ständig verschlechternde Arbeitsbedingungen an staatlichen Schulen sind unüberhörbar, und sie werden lauter.

Kinder, die ohne Schutz und Stütze einer intakten Familie aufwachsen, sind nach herkömmlichem Muster kaum noch erfolgreich zu beschulen. Lernstörungen und unangepaßtes Verhalten bestimmen den Schulbetrieb. Wollen wir die staatliche Schule weiterhin als Bildungsanstalt und nicht als Massenbeaufsichtigungsinstitut begreifen, dann muß dieser — leider politisch betriebenen — Entwicklung das entschiedene Nein der Betroffenen entgegengestellt werden. Die Lehrer an den öffentlichen Schulen sind auch in ihrem eigenen Interesse gut beraten, wenn sie sich unumwunden und in aller Deutlichkeit für den Erhalt der Familie aussprechen. Jede neue Stufe der Verschlechterung beeinträchtigt deren Arbeitsplatz negativ. Die auf den Kopf gestellten Bedingungen werden das berufliche Selbstverständnis des Lehrers ohne Zweifel zum Schlechteren verändern.

Das vertraute Tätigkeitsfeld des Unterrichtens wandelt sich schon jetzt in eine weniger intellektuell anspruchsvolle als vielmehr nervenaufreibende Tätigkeit, deren Hauptaufgabe die ganztägige Beaufsichtigung und lückenlose Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen in Massenanstalten ist. Dazu müssen administrative und statistische Aufgaben erledigt werden. Das Leben unserer Kinder wird sich nach dem Willen von Politik und Gesellschaftsingenieuren bald zum Großteil in Schulgebäuden abspielen, vom Frühstück bis zum Nachmittagssnack. Die wichtigsten Kompetenzen des Lehrers liegen dann weniger in seiner Fähigkeit, Wissen zu vermitteln und Neues zu lehren, sondern in seinem Geschick zu sozialer Mediation und der Bereitschaft zu permanenten Einsätzen bei Schlichtung von Handgreiflichkeiten und dem in horizontal ungegliederten Massen unvermeidlichen Mobbing. Schon lange ist ein Wandel des Berufsbildes »Lehrer« vom Wissensvermittler zu dem des »Pädagogischen Beamten« im Gange. Neben seiner praktischen Aufsichtstätigkeit ist er im wesentlichen mit Papierkram beschäftigt. Erstrebenswerte Aussichten? Was tun?

Karin Pfeiffer

 
 
21. Februar 2009
Politik und Sprache
Kategorien: Rechtschreibung | Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

Die Politik soll um Gottes Willen die Finger von der Sprache lassen. Sie hat es ja auf katastrophale Weise getan im Zusammenhang mit dieser sogenannten »Rechtschreibreform«, die eine einzige Zerstörung der Ordnung der Rechtschreibung war, die wir einmal hatten. Kein Land der Welt würde sich trauen, per Regierung einzugreifen in die gewachsene Sprache. Schlimm ist auch, dass man die Absicht hatte, mit dieser Rechtschreibreform das Deutsche so zu versimpeln, dass es anscheinend nicht schwierig ist. Aber das ist der falsche Ansatz; man muss viel verlangen von den Kindern, wenn sie in den Kindergarten und in die Schule kommen, und die werden da schon mitkommen, wenn sie richtig angeleitet, gefordert und gefördert werden. Man darf die Latte nicht auf den Boden legen, man muss sie hoch hängen.

Klaus Reichert, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, in einem Interview auf der Deutschen Welle, 21.2.2009

 
 
06. Februar 2009
Frühförderung in Vorschule und Kindergarten
Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Erziehung
Frühförderung in Vorschule und Kindergarten

Dieser Tage erreichte uns ein Brief aus Neuseeland. Das eigentliche Anliegen des Schreibens verblaßte angesichts der zwischen den Zeilen verborgenen Botschaft: im englischsprachigen Raum werden seit geraumer Zeit bereits Zweijährige in Krabbelstuben intellektuell beschult. Dies ist eine alarmierende Entwicklung. Auch bei uns wird die Forderung nach Frühbeschulung immer lauter. Sogenannte Experten aus dem Dunstkreis der Politik (deren verborgene Motivation einmal eine spezielle Durchleuchtung verdiente) reden dem Volk ein, Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
10. Januar 2009
Alles über Geld
Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Humor

     Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen Gründe, doch können solche durch eine Notverordnung aufgehoben werden.
Über die ältere Nationalökonomie kann man ja nur lachen und dürfen wir selbe daher mit Stillschweigen übergehn. Sie regierte von 715 vor Christo bis zum Jahre 1 nach Marx. Seitdem ist die Frage völlig gelöst: die Leute haben zwar immer noch kein Geld, wissen aber wenigstens, warum.
Die Grundlage aller Nationalökonomie ist das sogenannte »Geld«. Geld ist weder ein Zahlungsmittel noch ein Tauschmittel, auch ist es keine Fiktion, vor allem aber ist es kein Geld. Für Geld kann man Waren kaufen, weil es Geld ist, und es ist Geld, weil man dafür Waren kaufen kann. Doch ist diese Theorie inzwischen fallen gelassen worden. Worher das Geld kommt, ist unbekannt. Es ist eben da bzw. nicht da — meist nicht da.

Kurt Tucholsky

 
 
09. Januar 2009
Vertagte Krisen
Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Humor

Manchmal haben wir in Deutschland eine sogenannte »politische Krise«. Wenn sie vor Weihnachten ausbricht, wird sie bis nach Weihnachten vertagt. Kein Mensch merkt in der Zwischenzeit, daß es eine Krise gibt. Man denke sich einen Fieberkranken, der zu seinem Arzt sagt: »Wissen Sie was, Doktor, morgen habe ich Geburtstag. Vertagen wir die Krise bis zur nächsten Woche!« 

Kurt Tucholsky

 
 
09. Dezember 2008
Zwei Menschenrassen
Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Besinnliches

 

Der Mensch kann sich entscheiden für Gut oder Böse

»Es gibt auf Erden zwei Menschenrassen, aber auch nur diese beiden: die »Rasse« der anständigen Menschen und die der unanständigen Menschen. Und beide »Rassen« sind allgemein verbreitet: in alle Gruppen dringen sie ein und sickern sie durch: keine Gruppe besteht ausschließlich aus anständigen und ausschließlich aus unanständigen Menschen, in diesem Sinne ist also keine Gruppe »rassenrein« — nun, und so gab es den einen oder anderen anständigen Kerl eben auch unter der Wachmannschaft!«
...
»Wir haben den Menschen kennengelernt wie vielleicht bisher noch keine Generation. Was also ist der Mensch? Er ist das Wesen, das immer entscheidet, was es ist.«

Viktor E. Frankl

aus: Viktor E. Frankl: ... trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager. München: Dtv, 1998. Taschenbuch, Seiten 138, 139

Viktor E. Frankl, geboren am 26. März 1905, war Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Wien. Er begründete die Logotherapie, die den Sinn im Leben als wesentliches Element psychischer Gesundheit begreift. Sinn, so sagt Frankl, kann der Mensch in jeder Lage erkennen. Es war der Mut, einen Sinn auch in seinem eigenen Leiden zu sehen, der ihn die Leiden des Konzentrationslagers überleben half. Der Verfasser des in 26 Sprachen übersetzten Werkes »... trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager« starb am 2. September 1997 in Wien.

 
 
25. November 2008
Können wir daraus etwas lernen?
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

Während des Spanischen Bürgerkriegs hatten die Anarchisten in den von ihnen beherrschten Betrieben den Einheitslohn eingeführt, so auch im »Tivoli«-Opernhaus. Auf dem Spielplan stand ein von der anarchistischen Gewerkschaft organisierter Opernzyklus zu volkstümlichen Preisen. Die Hauptrolle in einer dieser Opern sollte der berühmte Tenor Hipolito Lazaro singen, der jedoch mit dem Einheitslohn nicht einverstanden war und deshalb in Verhandlungen mit der anarchistischen Opernleitung versuchte, für sich eine höhere Entlohnung zu erreichen. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
17. November 2008
Hannes und die Staatsknete
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

 

Papa fährt Hannes in den Kindergarten. Im Radio berichten sie schon wieder von einem neuen Rettungspaket, das für die XY-Bank geschnürt werde. Davon ist jetzt fast täglich die Rede. Es werden ihrer immer mehr, die »gerettet« werden wollen.
»Und das alles mit Staatsknete«, murmelt Papa grimmig, während er vor dem Umschalten der Ampel auf Rot gerade noch über die Kreuzung huschen kann.
»Staatsknete«, kichert Hannes, »was ist denn das?«
»Geld vom Staat«, sagt Papa, und mehr zu sich selbst fügt er hinzu: »Aber man darf nie vergessen, daß eine Regierung kein eigenes Geld besitzt.«
»Woher nimmt die Regierung dann das Geld für die Staatsknete?«
Papa blickt sich wie vom Donner gerührt um, dabei verreißt er fast das Steuer. »Donnerwetter, der Kleine hat mehr Verstand als alle Politiker zusammen.«
Nach einer kurzen Pause, in der er sich fest auf den Verkehr konzentriert, sagt Papa: »Eines kannst du dir merken, Junge: Der Staat besitzt kein eigenes Geld. Und das Geld, das er heute ausgibt, wird er uns schon morgen wegnehmen müssen.«
Hannes albert mit seinem Stoffhund Wuffi herum, läßt ihn auf die Beifahrersitzlehne klettern und hält ihn dann dem Papa ans Ohr. »Aber den Wuffi darf mir niemand wegnehmen«, sagt er.
»Den wird die Bank sowieso nicht haben wollen«, sagt Papa, und seine Stimme klingt irgendwie belegt.
»Dann iss gut«, meint Hannes.

Karin Pfeiffer

 
 
24. Oktober 2008
Wer ist »der Schüler«?
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten
»Das ist der große Schwachpunkt der Politik - dass sie ständig über Leute hinwegredet. Man spricht von der Bevölkerung als statistischem Wert. Aber das ist keine Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist derartig vielfältig, dass sich das ein Politiker überhaupt nicht erträumen kann. Deshalb werden aufgrund von statistischen Wahrheiten Gesetze gemacht: Der Raucher muss dieses tun, der Schüler muss jenes machen. Aber wer ist der Schüler? Wer ist der Raucher? Ich habe das Gefühl, ich brauchte ein ganzes Leben, um das herauszufinden, und selbst dann wüsste ich es noch nicht.«
Gerhard Polt
Faz.net, 24. Oktober 2008
 
17. September 2008
Der 68er in uns
Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Besinnliches

Man soll sich davor hüten, Schuldzuweisungen immer nach außen und somit auf andere verschieben zu wollen. Auf diese Weise nimmt man sich selbst billigerweise vom Geschehen aus, koppelt sich von der Welt ab, erhebt sich über alles. Man betrachtet sich selbst als das Bessere, vielleicht sogar als das Perfekte mithin. Das tut wohl, und doch wird der Stachel der Unwahrhaftigkeit spürbar.
Ein Beispiel ist der vielgescholtene Achtundsechziger. Als Metapher für alles Mißlungene und Verachtungsvolle muß er herhalten. Aber, der Achtundsechziger, das ist nicht der andere, das sind wir selbst. Das anarchistische, oppositionelle, zerstörerische und gleichzeitig sich als das Bessere aufspielende Gefühl führt bis zum heutigen Tag ein zeitgeistiges Dasein in Köpfen und Herzen derer, die in jener Epoche jung gewesen sind. Und damit nicht genug. Auch in den Nachgeborenen finden sich Spuren davon. Achtundsechzig, das ist überall. Das ist jeder. Wer will sich davon freimachen?
Selbstbesinnung tut not, um seinen winzigen, ja unerheblichen Platz im Weltgeschehen akzeptieren zu können. Demut und menschliche Würde sind eng miteinander verknüpft, ja eins ist ohne das andere nicht denkbar. Demut führt zu gelassener Welterkenntnis. Demut läßt einen ausharren an jenem Ort, wohin einen das Schicksal gestellt hat. Hic Rhodos, hic salta! Mach keine Sprüche, sondern das beste aus deiner jeweiligen Lage! Das kannst du überall.

Für den Mut, anzuerkennen, daß da etwas stärker ist als man selbst, wird uns etwas Wertvolles geschenkt: geistige Freiheit. Der Achtundsechziger in uns will die eigenen Grenzen nicht wahrhaben. Er begehrt auf, er schwingt die Fäuste wie ein Kind, wenn sich nicht alles nach seinem Kopfe entwickelt. Und er beschuldigt stets die anderen für sein persönliches Unbehagen.
Wisse: Der Lösung dringender Probleme, sowohl im Privaten als auch im Gesellschaftlichen, kommt nicht näher, wer ständig auf der Suche nach Schuldigen ist, sondern jener, der still und beherzt anpackt, was anzupacken ist.

Verena Katerle
 
30. Juli 2008
Rechtschreibreform
Kategorien: Rechtschreibung | Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten
Schüler an deutschen Schulen machen seit dem Inkrafttreten der Rechtschreibreform vor zehn Jahren annähernd doppelt so viele Fehler wie zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Uwe Grund auf der Jahrestagung der Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS) am 26. Juli 2008 in Stuttgart vorstellte.
Die vergleichende Untersuchung der Schülerrechtschreibleistungen können Sie abladen, wenn Sie auf das Bild klicken. Die Meldung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: siehe hier>>
 
 
15. Mai 2008
Wiederholungszwang aus Ignoranz
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

Umstürze kleiden sich gern in das funkelnde Gewand der Aufklärung, des Mitleids, der Menschlichkeit und des Erbarmens. Mit der Beschwörung einer paradiesischen Gerechtigkeit und Erlösung aus irdischem Übel gewinnen die Gesellschaftsveränderer das Vertrauen und die Unterstützung der Menschen. Schon im Märchen frißt der Wolf Kreide und gewandet sich in einen Schafspelz. Wer die Geschichte und ihre Gestalten nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen, immer und immer wieder.
Darin gleichen sich die Historien aller Völker der Welt: Aus den Rebellen von heute häuten sich, sobald sie an die Macht gekommen, die Unterdrücker von morgen.

KAPE

 
 
31. Januar 2008
Aus einem Schüleraufsatz
Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Humor
 

»Zu den Grundrechten des deutschen Volkes gehört das Wahlrecht. Das Volk will seine Obertanen selbst wählen.«

 
 
10. November 2007
Rückkehr zur einer volksnahen Bildung
Kategorien: Schule und Lernen | Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

Nimmt die Bastelei an unserem Bildungssystem erst dann ein Ende, wenn es völlig ruiniert ist? Wohlmeinend wird in Rheinland-Pfalz neu gebastelt: Alle Hauptschulen werden zu »Realschulen Plus« befördert. Entweder Realschule mit Schrumpf-Hauptschulzweig oder mit Ex-Hauptschülern und Realschülern vereint  – den drastisch erweiterten Lehrerkollegien wird die Entscheidung anheimgestellt.
Parteigänger aller Lager und Lehrerverbände wie GEW und VBE spalten und instrumentalisieren Lehrer, Schüler und Gesellschaft mit ihrer Reformsucht. Die speist sich unter anderem aus der Geringschätzung der Vielfalt nicht-akademischer Begabungen und Ausbildungen im Zeitalter der Globalisierung. Die meisten Lehrer kommen unterdessen vor lauter »Reformen« gar nicht mehr zur Besinnung, zu fundierter fachlicher oder gar pädagogischer Arbeit.
»Kluges« Reden, pädagogische Papiere, ja die ganze Schule, die meisten Schüler haben das alles mehr als satt. In Schulwerkstatt, Betriebspraktikum und dualem Ausbildungssystem würden sie dagegen aufleben und Anerkennung erfahren. Wollen wir den internationalen Ruf deutscher Volks- und Breitenbildung und der aus ihr resultierenden Wertarbeit nicht verspielen, müssen wir die Reformsucht überwinden und die in ihr liegende soziale Gefahr erkennen – und war solange der Nachwuchs für mittelständische Betriebe noch nicht wegen Geburtenschwäche und Abiturfixierung knapp ist.

Prof. Dr. Wolfgang Hinrichs

Prof. Dr. Wolfgang Hinrichs war Volksschullehrer und -konrektor und lehrte Pädagogik an der Universität Siegen 

 

 
24. Oktober 2007
Sozialstaat als Religionsersatz
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten
Der Sozialismus, der auszog, um die Menschen sozialer zu machen, hat sie durch die Enteignung des Privateigentums und durch das totalitäre politische Zwangsregime unter der Diktatur des Proletariats egoistischer und asozialer gemacht und eine eigentliche soziale Wüste hinterlassen. Die sozialistische Methode hat die Erreichung der sozialen Ziele der eigenen Ideologie verunmöglicht und in ihr Gegenteil verkehrt.

Die marxistische Vision von einem Reich der Freiheit, in dem es keine Herrschaft von Menschen über Menschen gibt und nur die gemeinsame Verwaltung von Sachen, ist nicht an sich böse, aber unmöglich. Was auf die Dauer nicht funktioniert, kann auch nicht gut und gerecht sein. Die gemeinsame Verwaltung von Sachen schafft jene Freiräume ab, in denen Tausch und Kommunikation möglich und sinnvoll sind: das Privateigentum. Ohne Privateigentum an der eigenen Person gibt es keine Freiheit und ohne die individuelle Sachherrschaft gibt es kein autonom nutzbares Eigentum an der eigenen Person, keine Mündigkeit und keine Verantwortung, keine Hilfsbereitschaft und keine frei gewählte Solidarität.

Der Mensch ist weder ganz gut noch ganz böse. Aber wenn man ihn nur machen lässt, wählt er im intelligenten Eigeninteresse eine Lebensstrategie, bei der er auch für andere Menschen nützlich sein will. Der nichtgezwungene Mensch wird nicht einfach raffgierig, denn er will auch anerkannt, geliebt und gelobt werden und merkt früher oder später, dass er dafür nur als Auch-Gebender eine Chance hat. Der Tausch (Katallaxis) wird somit zu einer permanenten Schule der Wechsel- und Gegenseitigkeit, ein stets offenes Angebot, die eigene Position zu verbessern, indem man auch die Positionen der andern verbessert. In dieser Schule gibt es auch Versager, Querschläger, Abzocker und Egozentriker, aber die nehmen ihrerseits eine Funktion als abschreckende Beispiele wahr, wenn man sie nicht zu Märtyrern und Helden macht.

Möglicherweise ist diese Sicht eine Spur zu optimistisch. Die Gauß'sche Kurve der Normalverteilung gilt auch bei der Verteilung von Sympathie und Aggression unter den Menschen. Der freie Mensch ist nicht in allen Fällen und automatisch wohlwollend und sozialverträglich. Aber es gibt für mich keinen Grund, die Freiheit als Einfallstor zur Verschlechterung der Menschheit zu deuten, und alle Versuche, diese Normalverteilung durch kollektiven Zwang zu verbessern, haben bisher nur das Gegenteil bewirkt. Man sollte bei der Verbesserung der Menschheit bei sich selbst beginnen und auch diesbezüglich bescheiden bleiben.

Robert Nef

Robert Nef ist Leiter des Liberalen Instituts, Zürich
robertnef@libinst.ch
www.libinst.ch
Zuschrift zum Artikel
„Der Sozialstaat als Religion"

Publiziert in: Eifrei, September 2007


Wir danken den Autor für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichungen im Tagebuch des STOLZ Verlags.

 
11. August 2007
Wissenschaftliche Eitelkeit
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

»Man spricht von unserem Zeitalter als dem wissenschaftlichen. Tatsächlich ist es nur das der Technologie. Die vielgerühmte Eroberung der Natur drückt nur unseren Größenwahn aus und ist eitel Humbug. Wir sollten vielmehr zur Demut zurückkehren, auf daß die Zeit größeren Gehorsams ausbreche Die Natur ist unerbittlich und hält nichts geheim. Wir aber sind blind dafür durch unsere Selbstgefälligkeit.«

(Peckham-Forscher SCOTT-WILLIAMSON in SCIENCE SYNTHESIS and SANITY 1964)

Da hat sich doch nach einem halben Jahrhundert nicht viel geändert, oder?

 

 

 
25. Juli 2007
Ungehörte Ratschläge
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten
An die Politiker

Ihr werdet die Schwachen nicht stärken,
indem ihr die Starken schwächt.

Ihr werdet den Arbeitern nicht helfen,
indem ihr die ruiniert, die sie bezahlen.

Ihr werdet keine Brüderlichkeit schaffen,
indem ihr den Klassenhaß schürt.

Ihr werdet den Armen nicht helfen,
indem ihr die Reichen bekämpft.

Der Staat wird bestimmt keine Wohlfahrt schaffen,
wenn er mehr ausgibt, als er einnimmt.

Ihr werdet kein Interesse an den öffentlichen
Angelegenheiten und keine Begeisterung wecken,
wenn ihr dem Einzelnen seine Initiative
und seine Freiheit nehmt.

Ihr könnt den Menschen nicht dauerhaft helfen,
wenn ihr das für sie erledigt, was sie selber
für sich tun sollten und könnten.

Abraham Lincoln,
Präsident der USA (1861-1865)

 
 

 

 
06. Juli 2007
Unbegründete Meinungen
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

Haben Sie eine Meinung zu HARTZ IV? Zum Klima? Zur Atomstromgewinnung? Zur Gesundheitsreform? Zur Globalisierung? Zur Marktwirtschaft? Zur Rechtschreibreform? Zur EU? ...
Aber klar! Wir haben zu vielen gesellschaftlichen Themen eine Meinung, obwohl wir viel zu wenig darüber wissen. Wie? Dies könne man so nicht sagen?? Leider doch. Und es kommt noch schlimmer:

„Viele haben sogar Meinungen zu fiktiven Themen. 1984 führten Demoskopen der Universität von Cincinnati eine Umfrage durch, die neben Fragen über reale Themen auch Fragen enthielt über den „Agricultural Trade Act“ von 1984, den „Monetary Control Bill“ von 1984 und den „Public Affairs Act“ von 1975 – allesamt fiktiv. Erstaunlicherweise hatten mehr als die Hälfte der Befragten eine Meinung zur ersten und zweiten fiktiven Maßnahme und mehr als vierzig Prozent zur dritten. …Die Cincinnati-Umfrage bestätigt, wie leicht wir uns Meinungen zu Themen bilden, mit denen wir nicht vertraut sind. Daran anknüpfende psychologische Experimente haben unsere Gabe untersucht, Meinungen, die wir uns ohne Sachkenntnis gebildet haben, zu begründen. In einem dieser Experimente wurde Probanden die angeblich richtige Lösung eines kniffligen Problems vorgelegt, die sie anschließend begründen sollten. Sie sollten auch bewerten, wie überzeugt sie von der Stichhaltigkeit ihrer Erklärung sind. Den Teilnehmern, die unrichtige Lösungen erhalten hatten, fiel es nicht schwerer, eine Erklärung zu geben, als jenen mit den richtigen Lösungen.“ 

(aus: Timor Kuran, Leben in Lüge, Mohr Siebeck Verlag 1997, Seite 205)

 
 
12. Dezember 2006
Sich dumm anstellen
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

Beim Lesen aufgeschnappt:

„Das hatten sie zu DDR-Zeiten gelernt: Wenn der von oben verordnete ideologische Blödsinn auch nicht zu verhindern ist – sich dumm anzustellen kann nicht verboten werden.“
 
 
 
23. November 2006
Wir alle sind Berliner
Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Humor

Der Berliner kann sich nicht unterhalten. Manchmal sieht man zwei Leute miteinander sprechen, aber sie unterhalten sich nicht, sondern sie sprechen nur ihre Monologe gegeneinander. Die Berliner können auch nicht zuhören. Sie warten nur ganz gespannt, bis der andere aufgehört hat, zu reden, und dann haken sie ein.“ 

Kurt Tucholsky 

Berlin ist überall, und wir alle sind Berliner.

 

 
15. November 2006
Vom Schreiben und Lesen
Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Schule und Lernen

Lesen in der Antike - schwieriger als heute

Bei den alten Römern war das Lesen eine schwierige Aufgabe, denn das Lateinische wurde wie das Griechische fortlaufend geschrieben, in der scriptio continua, ohne Worttrennung und Zeichensetzung. Man hatte eine „Text- und Buchstabenwüste“ vor sich. Der Leser mußte sich damit vertraut machen und eine Struktur „hineindenken“, die von vornherein nicht da war. Ein rasches Querlesen war nicht möglich, das Lesetempo selbst für geübte Leser gedrosselt. Wie mühsam es für Kinder war, das Lesen überhaupt erst zu erlernen, können wir uns lebhaft vorstellen. Um etwas vorzulesen, mußte man sich sorgfältig vorbereiten, sonst geriet man hoffnungslos ins Stottern. Das Lesenlernen begann mit dem Üben des Alphabets, das vorwärts und rückwärts aufgesagt werden mußte.

Es wurde laut gelesen; auch daheim oder unterwegs las man labial, das heißt, man bewegte dabei die Lippen. Die Schüler erleichterten sich das Lesen, indem sie die Worttrennungen in ihre Lesetexte selbst eintrugen und die Satzteile durch Punkte abteilten. Erst im Buchdruck wurde diese „Bequemlichkeit“ – gemeint sind Wortzwischenräume und Satzzeichen – allgemein schon vom Hersteller der Schrift vorbereitet: Das heißt, der Schreibende richtete sich nach dem Lesenden, er erfüllte endlich eine Bringschuld, die dem leichteren Lesen dienten. Die Rücksichtnahme des Schreibenden auf die „Bequemlichkeit“ des Lesenden erst ermöglichte die Entwicklung der hohen Schriftkultur, die wir heute (noch) haben.

Bis zum Jahr 1996 war das Bemühen um leichte Lesbarkeit eine nicht angezweifelte Selbstverständlichkeit. Satzzeichen und Buchstabenformen sollten mit Bedacht gesetzt werden, damit die Schrift leicht lesbar ist. Das setzte beim Schreibenden ein gewisses Verantwortungsgefühl voraus sowie die Bereitschaft, sich den allgemeingültigen Gepflogenheiten anzupassen. Alle Entwicklung der Buchstabenschrift diente nur diesem einzigen Zweck: der guten Lesbarkeit. Die klassische Orthographie, wie sie bis zur „Reform“ allgemein akzeptiert war, erlaubte ein rasches Querlesen durch optisch eindeutige Buchstabenfolgen und –formen.

Der Versuch, die Rechtschreibung durch Einebnung vermeintlicher „Spitzfindigkeiten“ zu erleichtern, endete mit dem vorhersehbaren Ergebnis der erschwerten Lesbarkeit. Man fühlt sich unwillkürlich an die Antike erinnert, als römische Schüler mühsam Silben und Wörter auseinanderhalten mußten, ehe der Wortschlange überhaupt ein Sinn abgerungen werden konnte. Wem kommt angesichts solcher Überlegungen nicht der bedrückende Gedanke eines vollzogenen Rückschritts? Ein Tor, wer glaubt, die Menschheit bewege sich nur vorwärts. Die sogenannte Rechtschreibreform wirft ein Schlaglicht auf die Tatsache, daß oft genug auch das Gegenteil zutrifft.

Karin Pfeiffer 

 

 

 
21. Oktober 2006
Wie es wirklich war ...
Kategorie: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten
Erinnerungen an historische Ereignisse in Buchform füllen Bibliotheken. In einem hochinteressanten und überdies spannend zu lesenden Buch zu Vorgeschichte und Ausbruch des Ersten Weltkrieges* las ich gestern folgenden, beeindruckend bildhaften Vergleich:

»Durch diesen Wald von Sonderplädoyers sucht sich der Historiker tastend seinen Weg, versucht die Wahrheit in vergangenen Ereignissen zu fassen und herauszufinden, „wie es wirklich war". Er entdeckt, daß die Wahrheit subjektiv und kein Ganzes ist, daß sie sich aus kleinen Stücken zusammensetzt, die verschiedene Menschen gesehen, erlebt und berichtet haben. Sie ist wie ein Muster, das man durch ein Kaleidoskop sieht: sobald der Zylinder geschüttelt wird, bilden die zahllosen farbigen Teilchen ein neues Bild. Und doch sind es dieselben Teilchen, die eben noch einen ganz anderen Anblick boten. Hier liegt das Problem aller Aufzeichnungen von Menschen, die bei vergangenen Ereignissen mitagiert haben. Das berühmte Ziel, zu schildern, »wie es wirklich war«, bleibt uns für immer unerreichbar.«

*aus: Barbara Tuchman, August 1914, dtv Verlag, Seite 465

   

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Veranstaltungen:
27.10.2010 - 29.10.2010
WORLDDIDAC, Messezentrum Basel



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