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Computer und Lernen

 
08. Oktober 2008
Computer und Lernen
Kategorie: Schule

Man kann sehr leicht den geübten Umgang mit Computern mit Intelligenz verwechseln, aber ein Computerprofi zu sein heißt noch lange nicht, dass man klug ist. Und wenn man von Computern nichts versteht, heißt das noch lange nicht, dass man dumm ist. 

Clifford Stoll:

 

„Die Computer verleiten Schüler dazu, optisch aufregende Multimedia-Projekte anzugehen – um den Preis, schriftliche oder gar handschriftliche Darstellungen ganz zu verlernen. Wenn es einem Achtklässler gelingt, eine ausgefeilte Graphik in seine Arbeit zu montieren, so heißt das nicht, dass er etwas gelernt hat. Genauso wenig beweist ein aus dem Internet heruntergeladener Bericht, dass der Schüler irgendetwas von dessen Inhalt erstanden hat.“ 

Computer verleiten dazu, die Präsentation selbst für wichtiger zu halten als den Inhalt eines Vortrages. Damit verstärken sie die überall spürbare Tendenz zum Verpackungsschwindel: Die Fassaden werden immer grandioser, dahinter aber gähnt oft das Nichts.

 Clifford Stoll:

„Für fast alle Arbeiten an den höheren Schulen – und sicher für alle Arbeiten an den Grundschulen – ist die Suche nach Material im Internet nicht nur unnötig, sondern schadet sogar. Ich würde lieber die Arbeit eines Sechstklässlers über Schmetterlinge lesen, nachdem er Pfauenaugen über einer Sommerwiese beobachtet hat, als eine Multimedia-Show aus dem Internet mit den neuesten Forschungsergebnissen anschauen zu müssen.“ 

Benötigen Kinder in der Schule den Computer, damit sie auf die Arbeitswelt vorbereitet werden? Zur Bedienung eines Computers braucht man nicht viel Verstand. Man kann sich das nötige Wissen rasch aneignen.

 Clifford Stoll:

„Heute können fast alle Büroangestellten mit Textverarbeitungen umgehen. Die meisten haben es erst spät gelernt, lange nachdem sie achtzehn waren. Nun gibt es Dinge, die für ein Kind ganz leicht zu lernen sind, für Erwachsene aber fast gar nicht mehr: Sprachen zum Beispiel. Je früher man damit beginnt, umso fließender wird man sprechen können. Dasselbe gilt für das Spielen von Musikinstrumenten, für das Halten von Reden oder für Gymnastik. Viele wären glücklich, wenn sie schon als Kind ein Musikinstrument oder Sprachen hätten lernen können. Ich habe aber noch nie von jemand gehört, der sich darüber beklagt hätte, als Kind zu wenig mit Computern oder Fernsehgeräten zu tun gehabt zu haben.“

Das Zeitfenster fällt zu. Zu viel Zeit wird verschwendet mit Spielereien am Computer, die kein richtiges Lernen sind, sondern bloß Ablenkung und Unterhaltung. Können wir das wollen? Weshalb unterstützen wir es dann?

Verena Katerle 

Clifford Stoll, LogOut, Warum Computer nichts im Klassenzimmer zu suchen haben und andere High-Tech-Ketzereien, S.Fischer Verlag, Ffm 2001

    

    

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