Mit Texten in der Schule lernen Aufmerksam lesen: Gelesenes geistig aufnehmen und verarbeiten kann nur, wer sich Zeit läßt und mit dem Text arbeitet. Flüchtiges Lesen bringt außer dem vermeintlichen Zeitgewinn kaum Lernzuwachs. Sich intensiv mit dem Thema befassen: Lesen, Schreiben, Zeichnen, Nachschlagen, Memorieren, Vortragen – all das fördert die Konzentration des Schülers. Er lernt gleichzeitig, wie man lernt. Dazu soll, dazu muß Zeit sein. Ruhe und Stille: Während des Arbeitens ist eine Atmosphäre der konzentrierten Stille unerläßlich. Dafür zu sorgen, gehört zum Aufgabenkreis des Lehrers. Lärm ist einer der Haupt-Stressoren, die jeder geistigen Arbeit abträglich sind. Fragen beantworten: Fragen zum Text sind nicht nur unter dem Aspekt der Information und des Inhalts zu sehen. Sie sind oft genug auch rhetorischer Natur. Überflüssig ist das nicht, denn beim Antworten übernimmt der Schüler Begriffe und Satzbau aus der Fragestellung. Während des Beantwortens – in ganzen Sätzen! – prägen sich Bausteine der gehobenen Schriftsprache ein, Sprachkompetenz wird erworben. Diesen Aspekt hat die moderne Pädagogik vernachlässigt, weil sie den raschen Wissenserwerb über alles andere stellt. Die Sprache aber ist das Boot, auf dem das Schiff des Wissens segeln kann. Schwimmend kommen wir im unendlichen Ozean des Wissens nicht weit. Sorgfalt: Geschriebenes wird grundsätzlich mit Sorgfalt hergestellt, das Ergebnis ebenso sorgfältig kontrolliert. Wir füllen nicht nur Lücken, sondern schreiben in Hefte. Nicht auf die Menge kommt es an, sondern auf das Regelmaß und die Qualität. Für das sorgfältige Erledigen von Aufgaben muß die Schule ausreichend Zeit und Ruhe zur Verfügung stellen. Das beruhigt auch die Klassenatmosphäre. Kontrolle: Die Letztkontrolle der Schülerarbeit liegt in den Händen des Lehrers. Selbst- und Partnerkontrolle sind eine wichtige Vorstufe. Bei der Kontrolle geht es nicht nur darum, Fehler aufzuspüren. Vielmehr wird durch die Lehrerkontrolle das Bedürfnis nach Anerkennung befriedigt. Dieses Bedürfnis haben wir alle, besonders aber Kinder. Ein Schulkind lernt nicht nur für sich selbst, es strengt sich für den Lehrer an. Es will gut sein – in zweifacher Hinsicht: formal und sittlich. Das dürfen wir nicht vergessen. Das Kind will zu dieser Welt etwas Nützliches beitragen, und es wünscht sich, daß dies von den Erwachsenen erkannt und bewertet wird. Keine Schülerarbeit ohne abschließende Lehrerwürdigung! Karin Pfeiffer |