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Adventsbetrachtung zum Lernen

 
06. Dezember 2010
Adventsbetrachtung zum Lernen
Kategorien: Schule | Besinnliches

Lernen muss einen Anfang haben und ein Ende. Es muss eingerahmt sein in sinnvolle Rituale der Stille, des Wartenkönnens, des Aushaltenkönnens, der Unlust. Ja, auch der Unlust! Denn aus richtig dosierter Selbstüberwindung kann Freude werden. Der Weg des Menschen war allzeit steinig, und das wird sich niemals ändern, keine High-Tech kann uns die Arbeit an uns selbst abnehmen. Lernen ist immer Arbeit an sich selbst.

Sind wir nicht dazu verpflichtet, unseren Kindern die Wahrheit über das Lernen zu sagen? Lernen ist kein Zeitvertreib. Schule kein Kirmesplatz. Lernen kann der Mensch nur in der Stille und ganz allein mit sich selbst. Wir sollten unsere Kinder zum richtigen Lernen anleiten. Führen wir sie zu sich selbst, die Welt ist hektisch und laut genug!

Schon immer hatten die Menschen einen Traum: den Traum vom mühelosen Dasein, vom Paradies, vom gleichsam glückseligen Genießen, ohne selbst etwas dazutun zu müssen. Der Mensch erfand Werkzeuge und Maschinen, die ihm die Mühsal des Lebens erleichterten, ihm körperliche Arbeit abnahmen. Diese Maschinen waren schnell und erledigten das, was vorher Tage oder Wochen in Anspruch nahm, in kürzester Zeit. Aber das erwartete Paradies ist bis heute nicht angebrochen. Wir merken, wie uns alles entgleitet, wenn wir es nicht wieder selbst in die Hand nehmen. 

Unsere Suche nach dem Paradies ist vergeblich. Die Maschine bleibt kaltes, totes Werkzeug. Der Mensch ist es, der die Maschinen bedient und ihnen Leben einhaucht. Die Hoffnung auf müheloses Lernens ist trügerisch, eine Illusion. Lernen ist nach wie vor beschwerlich, und dabei ist jeder ganz auf sich selbst gestellt. Lernen tut weh.

Damit Kinder den Lernschmerz aushalten, betten wir die Lektionen ein in den Sinnrahmen menschlicher Zuwendung und guten Vorbildes. Wir überlassen sie dabei nicht sich selbst. Wir lassen sie nicht allein mit Stapeln totem Papiers und mit blinkenden Maschinen. Zwischen die Phasen höchster Anstrengung halten wir gemeinsam inne, machen freudvolle Pausen und ziehen uns auf Inseln aus Ruhe zurück. Wir erlauben uns vorübergehenden Stillstand und Rückschritte im Wissen und Können, um danach wieder ausgeruht und mit Riesenschritten voranzueilen.

Lernen muss einen Anfang haben und ein Ende, muss eingerahmt sein in sinnvolle Rituale der Stille, des Wartenkönnens, des Aushaltenkönnens von gelegentlicher Unlust. Lernen ist täglicher Neubeginn. Lernen heißt auch geduldiges Ausharren und ein Licht in uns selbst anzünden. Dafür muss einfach Zeit sein.

Verena Katerle  

 

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