Newsletter Nr. 26 – November 2008
| »Er verkauft mir die Eier« | ||
Bericht über ein herzerwärmendes Gespräch mit einer engagierten Mutter »Kinder machen uns Erwachsenen alles nach«, so spottete einst ein bekannter Dichter. Wir grinsen, wenn wir Humor haben. Und wir nicken, wenn wir zu Ende gegrinst haben, denn hinter diesem Bonmot steht die tiefe Einsicht, daß Kinder nur vom menschlichen Vorbild und nicht nach raffinierten Rezepten lernen. Werte, mentale Einstellungen und kulturelle Fähigkeiten können eben nicht abstrakt gelehrt werden. Sie werden durch das Miteinander in den Familien unbewußt eingeübt. Jeder Lehrer weiß, wie fruchtlos seine Bemühungen sind, wenn ein Kind nicht lernen will oder kann, weshalb auch immer. Die Wurzeln für Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit wachsen im Elternhaus. ##### Für das Fernsehen gar keine Zeit Lernen: ganz nebenbei ... Das Spiel bereitet auf das Leben vor Lernpflicht ist nötig, Schulzwang auch? Mit diesem Beitrag möchte ich der engagierten »Heimschulmutter« einen lieben Gruß schicken und mich gleichzeitig entschuldigen, wenn ich einige Details (Alter der Kinder usw.) nicht korrekt erinnere — insgesamt hat mich das Gespräch im positiven Sinne derart beschäftigt, daß ich es auf diese Weise verarbeitet habe und nunmehr der Öffentlichkeit davon berichten möchte. Meine Botschaft an Eltern und Lehrer lautet: Gebt euren Kindern echte Aufgaben, fordert sie heraus! Das vermittelt ihnen das berechtigte Gefühl, gebraucht zu werden! Kinder wollen Nützliches tun, wollen sich beweisen, wollen sich anstrengen, um sich die Zugehörigkeit zu erarbeiten. Sie möchten nichts geschenkt haben. Geschenke sind ihnen zwar vordergründig willkommen, erfüllen sie aber nachträglich mit Zorn oder Trauer, wenn sie nichts im Tausch zu geben vermögen. Sie wollen beachtet sein — nicht bloß beschäftigt, damit sie Ruhe geben, wenn Lehrer für die leidige Schulbürokratie irgendwelche Formulare ausfüllen und Berichte über Betragen und Lernfortschritt zu formulieren haben, welche in den Amtsstuben wohl nie jemand lesen wird, und die auch zu sonst nichts taugen … ein Thema für sich, das einmal der gedanklichen Durchdringung bedürfte. Eine geistig anregende, ruhige und lebenspraktische Lernumgebung ist, ich gebe es zu, in der Schule schwer zu verwirklichen — aber auch zu Hause nicht ganz ohne Mühe einzurichten. Die Empfehlung, auf der Etagenwohnung Hühner zu halten, kann ich nicht ernsthaft aussprechen. Und gackerndes Federvieh auf dem Schulhof? Ebenfalls unvorstellbar. Aber vielleicht geht es auch anders. Auf allen Messen, so auch auf der gerade in Basel gewesenen, begegnen mir zahlreiche engagierte Lehrer, die sagen: »Ich bin jetzt schon 20, 30 oder gar 40 Jahre im Dienst. Ich bin immer noch gern Lehrer, und die Kinder kommen gern in meinen Unterricht!« Das ist eine gute Botschaft, ganz ohne Hühner. Ein Lehrer, der solches von sich berichtet, könnte genausogut von seinen Schülern sagen: »Sie verkaufen mir die Eier!« Karin Pfeiffer * Homeschooling – also Schulung der Kinder in Eigeninitiative der Eltern – ist weltweit üblich und in den meisten Staaten problemlos möglich. Staatlichen Schulzwang gibt es – übrigens seit dem Jahr 1938 – nur in Deutschland. In Hessen sehen Behörden Homeschooling sogar als Straftat an, alle anderen deutschen Bundesländer ahnden diese Schulform als Ordnungswidrigkeit mit hohen Bußgeldern. |
»... viele Grüße in die Schweiz: der Mutter wünsche ich weiterhin viel Fröhlichkeit und Kraft!«
![]() foto: pixelio Ich habe noch nicht gehört, dass Hühner an den Tisch kommen, und uns die Eier in den Becher legen.
foto: pixelio … muss dafür sorgen, dass sie auf den Tisch kommen. Und das macht Arbeit.
![]() foto: pixelio Sensible Kinder lernen am besten, wenn sie allein sind. | |
![]() foto: pixelio | ||



