Die Copy-&-Paste-Generation

05.03.2012

Inhalt oder Form — was ist wichtiger?

Form und Inhalt gehören zusammen. Gießen wir Wasser in ein Gefäß, dann passt es sich der Form dieses Gefäßes an. Jeder Inhalt wiederum verlangt eine bestimmte Form. Der Versuch, Wasser im Sieb zu tragen, wird scheitern. Inhalt und Form bedingen und beeinflussen einander. #####
Für den modernen Schulbetrieb gewinnt diese philosophische Grundwahrheit zunehmend an Bedeutung. In demselben Maße, wie schriftliche Schülerarbeiten eine beinah perfekte äußere Form annehmen, verlieren Inhalte an Substanz. Umgekehrt scheint es, als ob immer weniger Wert gelegt wird auf die korrekte, schriftsprachliche Norm. Dies ist paradox: hier die glänzende Fassade, hinter der sich nichts oder nur wenig verbirgt; da die Vernachlässigung der gediegenen Handwerklichkeit in bezug auf grundlegende Kulturtechniken.

Mit dem aktuellen Newsletter haben wir den ersten Teil eines Textes verschickt, der sich mit dem Problem des Plagiierens geistigen Eigentums befasst. Dies ist nicht nur ein Problem für Wissenschaft und Universität, sondern auch eines, dem sich die Schule stellen muss. Schriftliche Arbeiten verlieren ihren Sinn, wenn sie aus Versatzstücken fremder Denkarbeit zusammengesetzt sind.

Karin Pfeiffer

Teil I zum Herunterladen >>> 

Fortsetzung hier einsehen >>>>

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Was tun Sie, um die Schüler zu eigenständigem Denken zu bewegen?
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Kommentare

Leider habe ich als Grundschullehrerin bisher so gut wie keine Erfahrung in Sachen Copy & Paste. In meinem Unterricht geschieht alles Schriftliche noch per Hand.
Eins kann ich allerdings sagen: Von Jahr zu Jahr wird es schwerer, die Kinder zu einer normengerechten, sauberen Handschrift anzuhalten. In ihren Freundschaftsbüchern, den Nachfolgern der früheren Poesiealben, beherrschen Unsauberkeit, Fehler und Chaos die Seiten. Es scheint den Kindern auch nichts auszumachen, dass ihre Schmiererei von anderen gesehen wird. Fast alle machen es so, darum gilt diese Schweinerei vielleicht inzwischen als cool. Es fehlt das grundsätzliche Gefühl für Ordnung und Sauberkeit, und man muss als Ersatz immer mehr Regeln aufstellen, an denen sich die Kinder orientieren können.
– Manuela H., 08.03.2012
Die Antwort der \"Pädagogikmacher\" darauf lautet: Fort mit der gebundenen Handschrift, her mit einer neuen Druckschrift. Zur Zeit in Hamburg, demnächst im ganzen Bundesgebiet.
Die Folgen sind nicht schwer vorherzusehen: weiterer Verfall der Handwerklichkeit beim Schreiben. Wozu denn auch Schreiben, wir haben ja den Computer! Da können wir uns die Bausteine herausholen. Warten Sie nur noch ein paar Jährchen, liebe Manuela, dann dringt das Kopierunwesen auch in die Grundschulen ein. Die Vorstufe ist ja bereits erklommen: Sie haben die Schmierereien treffend beschrieben!
– Mutter und Lehrerin, 09.03.2012
Ich habe den Artikel mit großem Interesse gelesen, bin aber leider nicht Lehrer und hoffe, dass es erlaubt ist, wenn ich mich per Phantasie in die Rolle des Unterrichtenden hineinversetze.
Wahrscheinlich etwas naiv und realitätsfern stelle ich mir Aufsätze oder schriftliche Referate unter folgenden Regeln vor:

1. Zitate müssen gekennzeichnet und ihre Quelle angegeben werden. (selbstverständlich)

2. Zitate können gedanklich mit eigenen Worten wiedergegeben werden, wobei die Quelle dennoch anzugeben ist. Übertragung in eigene Worte gibt Sonderpunkte, wobei reine Umstellungen von Sätzen und ähnlich Wertloses nicht anerkannt werden für diesen Bonus.
( Details dieser Regelung müssten in einem gemeinsamen Gespräch genau geklärt und festgelegt werden)

3. Zitate selbst oder deren inhaltliche Wiedergabe mit eigenen Worten dürfen höchstens 40% der schriftlichen Arbeit ausmachen.

4. Zitate müssen den eigenen Ausführungen dienen, diese erhellen oder weiterführen.

5. Zitate, die als solche nicht gekennzeichnet werden, führen zu einem Malus. (Festlegung wieder in einem Gespräch)

Es ist schwer, sich in die Lehrerrolle hineinzuversetzen. Sagen möchte ich letztlich, dass es mir wichtig wäre, dass die Schüler das, was sie zum Thema lesen, auch verstehen und sinnvoll verwenden. Dazu dient der Bonus bezügl. einer Wiedergabe mit eigenen Worten. Außerdem nützt diese der eigenen Formulierungskunst.
– Laie, 09.03.2012

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