Erleichtert stellen wir fest, dass der Methode des Fragens und Antwortens wieder mehr Platz im Unterricht eingeräumt wird. Textverständnis soll durch Beantworten von Fragen zu geweckt werden. In der Tat ist der Kommunikationsvorgang Frage-Antwort sehr gut geeignet, um Wissen zu festigen, aber nicht nur das. Das Antworten auf Fragen bringt großen Lerngewinn Weitere Vorteile dieser Methode kann man nicht direkt wahrnehmen, denn sie entfalten ihre wenig dramatische »Neben«Wirkung erst mit einer gewissen Zeitverzögerung, von den Beteiligten oft unbemerkt: die sprachliche Kompetenz wächst. Wie beim körperlichen Wachstum, das wir bei unseren Kindern plötzlich dann feststellen, wenn die Hosen schon wieder Hochwasser haben und die Ärmel des Pullovers wie eingeschrumpft wirken, nehmen wir den Lernerfolg auch erst nach einiger Zeit wahr. Allmähliche Veränderungen merken wir nicht. Das Tückische daran ist, dass Ursachen für positive (oder auch negative!) Veränderungen oft unerkannt bleiben. (Man denke nur an Ernährungsfehler, die sich erst nach Jahrzehnten auswirken.) In unserem Falle sollten wir erkennen, dass eine positive Wechselwirkung zwischen gezielter Frage-Antwort-Textarbeit und sprachlicher Kompetenz besteht. Beim textbezogenen Antworten übernimmt der Schüler Begriffe und Satzmuster aus Text und Fragestellung. Sie werden ihm dabei vertraut, und alsbald wird er sie selbst in neuen Zusammenhängen gebrauchen. Kurz: die Fähigkeit, sich sprachrichtig und gewandt auszudrücken, wird durch das Beantworten von textbezogenen Fragen gefördert. Weshalb die Betonung auf „textbezogen"? Die Antwort ist einfach: Das Beantworten von Fragen führt nur dann zum gewünschten Lernerfolg, wenn der Schüler sich auf ein Vorbild stützen und dieses nachahmen kann. Fragen ohne Vorgabe von Wortmaterial können Ratlosigkeit und Verwirrung auslösen, und zwar dann, wenn der Schüler nicht auf bereits vorhandene Kenntnisse zurückgreifen kann. Wir wollen ja, dass der Schüler etwas dazulernt, deshalb prüfen wir mit solchen Methoden nicht, was er schon weiß und kann. Guter Frage-Antwort-Unterricht stellt den Schülern mündlich oder schriftlich das benötigte Wort- und Satzmaterial zur Verfügung. Die Fähigkeit zum Formulieren von Sachinhalten setzt voraus, dass man sich sprachlich ausdrücken kann. Die Sprache allein ist das Werkzeug, mit dessen Hilfe wir in der Schule lernen. Mangelhafte Kenntnis spezifischer Begriffe und Wörter, fehlende Sicherheit in Stil und Grammatik, beides führt unweigerlich zur Besinnung auf unsere Hände und Füße, die man für allerlei Mitteilungen an die Umwelt selbstverständlich auch einsetzen kann. Das ist zweifelsfrei unterhaltsam, aber im schulischen Unterricht verfolgen wir doch eigentlich einige etwas darüberhinausgehende Ziele. Wie sieht ein sinnvoller Frage-Antwort-Unterricht aus? 1. Die Texte dürfen weder über-, noch unterfordern. Sie sollen eher kurz sein als lang und nicht mit Fachbegriffen und sachlichen Informationen überfrachtet. 2. Um sprachliche Defizite zu beheben, soll der Schüler unbedingt die Frage laut wiederholen. Damit eignet er sich aktiv die Begriffe und Satzmuster an, die er für die Antwort benötigt, denn ... 3. ... die Antworten sollen unbedingt in ganzen Sätzen formuliert werden. Bloße, hingeworfene Antwortbrocken lassen wir nicht gelten.
Dazu ein kleines Beispiel Frage: Wer beobachtete die Familie? Antwort: Ein Kind beobachtete die Familie. Mit der Kurzantwort »Ein Kind.« geben wir uns nicht zufrieden. 4. Man kann die Antworten schriftlich formulieren lassen, man muss aber nicht. Wichtig in jedem Fall ist die mündliche Artikulation, die der schriftlichen in jedem Fall zuvorgehen soll.
Besonders für sprachtherapeutische Maßnahmen – aber auch im Unterricht mit fremdsprachigen Kindern (und Erwachsenen) – ist die hier skizzierte Methode hilf- und erfolgreich. Karin Pfeiffer |